Skip navigation

Category Archives: the Bludenz Project

 es sei fraglich / dahingestellt / sozusagen

 Ich meine mein eigenes dilemma (& dies vor allem als bildender künstler) des täglichen scheiterns auf dem terrain des schreibens am besten mit dem romantitel DIE ANDERE SEITE des österreichischen meisterzeichners Alfred Kubin bezeichnet. DIE ANDERE SEITE – nicht gemeint Kubins traumstadt Perle im traumland, in die er seine geschichte setzt, also nicht diese beschreibende seite, sondern DIE ANDERE SEITE als das dem maler vertraute aber nicht heimische terrain der literatur. Kubin steigert dieses künstlerische dilemma am ende des epilogs im satze: der demiurg ist ein zwitter.

 das scheitern an sich bleibe dabei eine oft bemühte maxime der kunst per se & wollen wir augenblicklich der kunstkritik überlassen.

 was aber, wenn sich dieses scheitern über jahre, nein jahrzehnte hinweg zieht, & darin offenbart, dass das manuskript eines romanprojektes immer wieder vorübergehend in schubläden von schreibtischen, in schubern auf regalen oder virtuellen ordnern auf PC-festplatten verschwindet, um dann doch einmal wieder hervorgekramt oder auf den bildschirm gerufen zu werden? – ja im laufe der schreibzeit zettelkästen notwendig erscheinen, um vielleicht auf Arno Schmidt´s art der sich verdichtenden ETHYME herr zu werden, um nicht in traditioneller österreichischer manier in einer zettelwirtschaft zu versinken? – die maxime des scheiterns sozusagen der sprichwörtlichen deutschen gründlichkeit oder dem österreichischen verzetteln überschrieben wird?

 wenn Ich mich erinnere an die lektüre – falls man von solcher bei dieser exorbitanten herausforderung überhaupt davon sprechen kann – des Romans DER MANN OHNE EIGENSCHAFTEN von Robert Musil war es mir ein großes bedürfnis, in einer privaten parallelaktion dazu immer wieder seine tagebuchnotizen herzunehmen, welche oft bezug nahmen auf die romanentwicklung & seine protagonisten, was natürlich den lesefluß nicht eben begünstigte, aber eine gewisse atmosphäre schuf, in der mir plötzlich alles verständlicher erschien. noch schwieriger war es bei James Joyce´s ULYSSES, bei dessen lektüre es vorkam, der literarisch- phonetischen sphäre des sicherlich großartigen deutschen übersetzers Hans Wollschläger entgehen zu wollen & als des Englischen nur bruchstückhaft mächtiger mit dem wörterbuch die Englische originalversion zur hand zu nehmen.

 „die frage des tagebuches ist gleichzeitig die frage des ganzen, enthält alle unmöglichkeiten des ganzen … es ist unmöglich, alles zu sagen & es ist unmöglich, nicht alles zu sagen”, schrieb 1913 Franz Kafka in einem brief aus Prag an Felice. auch in dessen tagebüchern habe Ich immer wieder sequenzen gefunden, die lange zeit nach der lektüre seiner schriften mein verständnis dafür vertieft, verändert oder verwaschen haben.

 der Freund & Dichter Dieter Scherr hat diese dem schreiben inhärente problematik einmal in einem gespräch verdichtet in der ansage, ein idealer schreibablauf schiene ihm, seine täglichen texte tagsüber in das wordprogramm des PC zu tippen, um sie abends zu redigieren & kurzfristig in einem virtuellen ordner zu deponieren, der vor dem schlafen gehen am selben tag von ihm wieder geleert werden müsste, um ihn unbefleckt am nächsten tag für die aufnahme eines neuen textes bereit zu halten.

 als maler denke & schreibe Ich oft in bildern. – & die erfreulichste kritik ist natürlich daher, wenn Konrad Holzer meint, dass folgendes bild sich bei ihm im gedächtnis festgekrallt hätte: „der bus hielt, legte an wie ein schiff, nur die taue fehlten”.

cit: Andreas Roseneder aus der workshop-lesung “Text & Kritik”                        info:       FRISCHE TEXTE, das Literaturhaus Mattersburg 11. Juni 2008, 19.30 uhr

Advertisements

tbp.jpg

I am surrounded by books, walled in written words bounded in spines, still gazing into this viewing screen. I am concentrated & the words appear although my English is moderate. I am an addict. I have stopped drinking, smoking, snuffing & fucking around but this blogline holds me to the desk. & this is the confession of an author of words who is unqualified to sell his words. but this is not his waste-paper basket.

here could be the beginning of an effort to create something new by words. you may call it blogstory, blognovel or better: blog.txt. it will be hard for you to follow this exhausting experiment, because my language will change, but I think you will not be asked too much in these overburdening times.

in future you will find the continuing blog.txt by using the tab “ tBP” (tau beta pi) next  “about”.  caution! – I awake with my mother tongue!

 

hof1.jpghof0.jpghof2.jpg

image = link to dud = blindgänger ( “rohrkrepierer” österr. ugs.)

… „Nein, nur nicht Deutsch sprechen!”, unterbrach er sich selber. Er glaubte es körperlich zu spüren, diese Aufzeichnungen für Dambruch nicht in deutscher Sprache fortführen zu können, der Sprechfluss, dem er im Sprachfluss nachschrieb. Wie er die Worte vor sich in Schrift ansammelte, dieser ganze Schreibvorgang schien ihm augenblicklich äußerst zuwider. Ganz so, als wollte er einen Schreibfluss aus seiner Sprache erzwingen. Andrerseits sah er sich aber auch außerstande, seine Notizen in Englisch fortzusetzen, er dachte ja nicht Englisch, wenn er Heimatnotizen von sich geben wollte, er war doch geprägt in einer Sprache, nämlich seiner Muttersprache, die nun mal Deutsch war. Das Ganze schien ihm auch plötzlich ein perverser Akt zu sein, hier auf Ikaria in griechischer Sprachatmosphäre, die zudem noch vom Arabischen durchdrungen war, Deutsch zu sprechen geschweige denn zu schreiben. Bei der Ankunft hatte er die Leute gar nicht Griechisch sprechen gedacht, sosehr war phonetisch das Arabische in ihrem Sprechen präsent, ähnlich wie auf Zakynthos im Ionischen Meer, wo er vor kurzem war & die Leute Italienisch sprechen geglaubt hatte, obwohl sie Griechisch sprachen, was sich für ihn dann erklärte, als er hörte, dass die Venezianer über vierhundert Jahre auf der Insel Zakynthos geherrscht hätten, vielleicht waren die Araber hier, dachte er hier, zumindest die Türken, denn das türkische Festland war nicht weit, aber einen Anklang ins Türkische hätte er doch wohl gemerkt, da er ein bisschen Türkisch sprach, verwarf er dies wieder. Mit der Nachbarschaft zwischen Griechen & Türken stand es ja gegenwärtig auch nicht zum Besten. & auch sonst vernahm man hier hauptsächlich die englische Sprache, ein Großteil der Bewohner war angesichts der Ausweglosigkeit hier ausgewandert, zwischen den griechisch-türkischen Reibereien, sozusagen am Reibungspunkt der nachbarlichen Beziehungen, hinausgequetscht worden in den englischsprachigen Raum, am Hafen schon wurde er von Einheimischen begrüßt, die in Canada, den USA oder sonst wo im anglo-sächsisch eroberten Phonetikraum Handel trieben. Als Landflucht bezeichnet man dies bei uns im niederösterreichischen Waldviertel. – Wäre es hier angebracht von Inselflucht oder Seeflucht zu sprechen? – Die deutsche Sprache kam ihm wieder dazwischen, die Frage, ob sich die Flucht auf das verlassene Land bezöge, auf das erhoffte Land oder auf die Flucht selber über Land ?…

backpack-i.jpg 

auf liebste weis`

 

der stern in fern

& doch ganz nah

all die sterne in ferne

so nah

wenn bricht

dein gesicht

wie der volle mond

montags die nacht

brechen wird

den balken

vor meinem gesicht

 

wo das herz

wie der stern

all herzen in fern

so nah

weiß um den schmerz

der sich erbricht

wie der volle mond

samstags die nacht

erbrechen wird

aus vollen lippen

in meinem gesicht

 

& doch unsre seele

in den sternen

all bleibt in fernen

so nah

& nähert

unser beider gesicht

wie der volle mond

sonntags die nacht

einen wird

unser beider gesicht

zu einem antlitze

 

auf liebste weis`

die rübenernte ist im gange. zum quadrat der kreis des laufes sich erbricht. wie tränen quellen rüben tropfengleich aus den pfauenaugen meines eignen herbstes. sagt mir mein gemüt. erdfruchtkörper, wie maden voll gesogen, triefend aus dem speck der erde gezogen. meine augen starren auf halden von zuckerrüben auf dem agrarasphaltquadrat, aufgestaut durch zuckersüsse willensgebärde, aufgehäuft als adrenalinstoß gen himmel. 

die naturgesetzgemäße grosse ernte dieses herbstes erbricht sich in die frucht der leiber, in die leber der gaststätten & sammelt sich in der sauren niere des regens. vater bringt jetzt kunst & scheiße sack- & traktoranhängselweis aufs feld. & mutter bringt ihren buben nach hause, aus dem garten der kinder in die paralyse des heimes.

nun: das paradies ist ein in die bibel vertriebenes wort.

groß an zahl die rübe reist. auch wird noch kraut ausgeschlagen im feld.

der große krautwaschl hat schon gericht gesprochen über die bauern & aus ihrer mitte den häuptling erkoren. 

augenwunde2.jpg                                                   

Ich habe den stahlhelm beiseite gelegt –

 

lepši

 

verbesserungsbedürftig nur der magen

die maschine läuft von allein

 

zwischen eissalat & knoblauchgebinden

fährt das vehikel geschwind

die scheiben sind blind

eisblumenbepflanzt

 

wär wohl besser marschieren

mit fuchschwanzbaumelndem schritt

 

& den nebel machetenverhacken

den schnee in der krempe fangen

&  einem steine funke entlocken

– das feuerferkel zu bereiten

 

im schutz des Union Jack auf uraltem kontinent

schweinetransport.jpg

lentos-linz.jpg

Der Inhalt der Dose wird jetzt zerstäubt durch eine Düse, eine Flüssigkeit wird aus ihrem natürlichen Zusammenhalt, ihrem Verbund in Adhäsion & Kohäsion der Moleküle zersprengt, die erweiterte Physik meiner Hände hebelt & bricht nur durch Daumendruck auf einen Sprühknopf, die vereinzelten Teilchen aufs Papier gestäubt: Chemie bindet dann aufs Papier, setzt die auseinander gerissenen Teichen wieder zusammen in neuer Anordnung, stellt neu dar: der gebrochene Inhalt erhält neuen Ausdruck: leicht entzündlich: Temperaturerhöhung vermeiden: nicht in Abwässer gelangen lassen: von Flammen & Funken fernhalten:

Der elastische Montagekleber für Klischee-Anstalten & Retuscheure wie auch Schriftsteller zum Montieren, Bilden, Darstellen in neuer Ordnung: bindet fast alle biegsamen Materialien wie Papier, Kunststoffe, Folien, auch Buchstaben darauf: miteinander verklebte Teile verziehen sich nicht & lassen sich einseitig gedeutet wieder voneinander lösen: feste Verbindungen werden durch Bewegung von zwei Seiten her erreicht: Körper & Gehirn: beides nach dem Auftragen zunächst antrocknen lassen: Auswüchse & überstehende Ränder mit den Fingern oder Gedanken abreiben: bitte stets Vorversuche durchführen:

Dambruch hielt sich an diese Anweisungen, die Chemie stellte jedoch anscheinend die Buchstaben auf den Kopf, „mein Kopf reagiert auf diese Ausdünstungen”, dachte er noch, dachte er nicht mehr, „die Chemie denkt”, dachte er, dachte er nicht mehr, dachte die Chemie. Die Buchstaben zerstoben vor seinen Augen in eine seinem Denken entgegen gesetzte Ordnung/Unordnung, er konnte dies einfach nicht bezeichnen, diese unbegreifliche Satzung der Buchstaben, Ordnung? Unordnung?, 9101 57, die Zahlen wie von selbst geordnet, nein: Die Zahlen werden geordnet wie von selbst, hier greifen anscheinend unbekannte Partikelchen ein, die sich untermischen in die Vorgänge & Abläufe zwischen meinen Gehirnzellen, die Dambruch auch Zahlen unterjubeln als Werte von Bedeutung: 9101 58, & die Bedeutung scheint gewachsen um eine Einheit, „woher dieses Einheitsmaß?, mein Gott, mir glitscht die Handhabung weg, Buchstabe?, Zahl?”, 9101 59, „hat irgendein countdown eingesetzt?”, Fragen häufen sich, Antworten stehen aus, 9101 60, „- eine Antwort?, eine Frage?”, 9101 61, „Was soll dieses Auszählen?” 9101 62, eine Antwort blieb aus.

Dambruch riss den Fensterflügel nahe dem Schreibtisch auf, hing seinen Rumpf mit nach vorne gerissenen Armen über die Fensterbank, er atmete schwer, 9101 63, um ein eine Einheit beschwerter Kopf sank noch weiter nach unten, als ein lauter, zwischen den beiden Stimmbändern hervor gepresster Ton seinem geöffneten Mund entglitt, 9101 64, dem Ton folgte ein Teil seines Mageninhaltes.

„Der Inhalt ist da!”, schoss ihm durch den Kopf.

9101 65

Der Inhalt!”

9101 66

Er hatte seine Arme nach hinten bewegt, die Finger der Hände tasteten nach Halt am Fensterbrett, da sein sich entleerender Körper über das Fensterbrett zu gleiten drohte.

9101 67

„Halt!”

9101 68

Inhalt im Halt.

„9101 69.”

Gelder riss Dambruchs Körper von der Fensterbank.

„Halt!”

 

cit.: René Desor, the Bludenz Project (tBP)

rescue-from-oblivion.jpg

ihr vorsatz, eine geschichte zu schreiben, deren einzelne sätze nach jeweils einem trainingssatz im fitness-studio zu notieren sie gedachte, deren dramaturgie also alleine von den steigerungen des zirkeltrainings bestimmt sein sollte, dieser vorsatz mündete in eine noch verstiegenere annahme: wenn die körpermuskeln abtrainiert & müde gearbeitet seien, dann könnte sich ihr gehirnmuskel nach dem training vollends auf die ihm zugedachte arbeit der schriftstellerischen ausarbeitung der annotierten sätze zu dieser geschichte konzentrieren – ohne störung durch irgendeine unwillkürliche bewegung, welche die nichttrainierten muskeln ansonsten forderten zu irgendeinem physischen pseudo-antrieb zwecks erhalt ihres lebensspendenden organismus. doch allein die tatsache, dass sie nicht einmal den titel für so eine geschichte zwischen den geräten zusammenstöpseln konnte, sich dabei wörter abrang wie: hantelsätze, bodenfreiheit, klappmesser oder gar musculus maximus, lenkte sie dermaßen von ihrem eigentlichen vorsatz ab, dass sie die geschichte verwarf. zumal dann noch neben ihr ein muskelbepackter mann mit rhythmischem gestöhne seine hantelstöße zu begleiten begonnen hatte. es blieb bei ein paar ideensträngen, die sie zwischen hantelzügen, crunches & bankdrücken wob, die aber immer mehr vom dumpfen aber doch lustvollen stöhnen des mannes durchwirkt & danach wohl eher im bett weitergesponnen wurden als dass sie den weg aufs papier gefunden hätten.  

 Es ist nur der Mond.
 Aber dessen Licht reicht aus, die Szene zu erhellen.
 Das Mondlicht lässt alles ganz leicht durchsichtig erscheinen, verleiht der ganzen Szene einen Schleier der Einzigartigkeit, ja der Einmaligkeit oder gar Unwiederbringlichkeit in der Erscheinung.
 Ein weißes Mondlicht, das weiße Schenkel hat & diese Schenkel weiß hinaussplittert ins Nachtdunkel: Lichtkreisel & Lichtkringel spielen spiegelnd über die bewegte Wasseroberfläche des nahen Baches auf den Blättern eines Olivenbaumzweiges, springen einfach über im Licht ins Geäst & spielen Kreisreia; ein tanzendes Kringelolivengewächs, das ihn da selber einkreist & einwickelt in seine silbernen Fäden; weiße Schenkel werfen stahlgraue Schatten auf silberne Kringel; dazwischen eingefaltet der Rock in sachte Wellen, deren Rundung ab & zu aufplatzt durch springende Luftbläschen: das Wasser als elementares Spiel: Wasserschenkel schlagen oliv-blaugraue Bläschen; & immer wieder der Mondschein, der dazwischenblinkt.
 Stella liegt regungslos, nur entblößte Schenkel ragen aus ihrem weißopaken Rock, vielleicht lächelt sie, weiß nicht, ihr Gesicht ist Mond, lächelt der?; ein Kreisrund als Gesicht, dann bewegen sich die Lippen in diesem Rund, Stella sagt irgendetwas, weiß nicht was, was nichts zur Sache tut als weiterhin weiß färbt; da der Mond & Stella spricht wie Mond & Stella spricht Mond weiß; Nike wie Mond; die Weißschenkel beginnen leicht zu vibrieren, nein ich vibriere! & splittern zurück in den Mondkreis; das Zelt färbt sich rot & blau; Glasfarbenlicht; als wäre es erfüllter Wunsch; die Röte dominant scheinend, die Bläue hält die Szene fest wie das Zeltgerüst das Leinen; dazwischen mehren sich tummelnd die Schenkel, sich reibend aneinander, einzelne Mondsplitter abschüttelnd.
 Mit Stella ein Versinken im Wasser & die Wellen schlagen über ihm ein.
 Die Vibrationssplitter überfliegen ganze Landstriche, in ein in die Weite gezogenes Land, das noch zu Fuß begangen sein will, denn ein Fahrzeug steht nicht zur Verfügung; Gewitterwolken verdunkeln den Mond, ein Blitz entlädt über den Donner Wasser vom Himmel, tränkt das Leinen der Zelthaut & lässt das nasse Tuch fallen auf ihre dampfenden Häute.
 Stella Europa auf nassem Stier.
 Gefangen in nassem Tuch.
stella.jpg