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Category Archives: poem

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Fria Elfen                                                                          jenseits des schreibens

Karmeliterkirche Wiener Neustadt 2004, Foto von  Franz Helmreich

LEERE MITTE

Am 11.11.1959 begab sich Fria Elfen in Begleitung des deutschen Künstlers Wil Frenken, mit dem sie damals gemeinsam die Meisterklasse von Albert Paris Gütersloh an der Wiener Akademie der Bildenden Künste besuchte, von Wien aus per Autostop ins Burgenland. Ihre erste Mitfahr-Etappe endete an der niederösterreichischen Peripherie in Wimpassing. Zu ihrer Überraschung war der Lenker des nächsten Autos, das anhielt, Monsignore Otto Mauer, der auf dem Weg nach St. Margarethen war, wo der Bildhauer Karl Prantl im Römersteinbruch eine bunt internationale Künstlerschar zu einem Bildhauer-Symposion zusammengerufen hatte. Otto Mauer war zu dieser Zeit Domprediger von St. Stephan in Wien und gründete als begeisterter Kunstsammler fünf Jahre zuvor die Galerie Naechst St. Stephan in der Grünangergasse in Wien. Mit dieser Plattform hatte er nach dem Art-Club, einer Künstlervereinigung, deren herausragender Mentor Fria Elfens Lehrer Albert Paris Gütersloh war, ein neues Epizentrum zeitgenössischer österreichischer Kunst ins Leben gerufen. Das Informell – ein Kürzel für abstrakte Kunstströmung – hielt mit Otto Mauer über St. Stephan wie vormals der Surrealismus aus Paris endlich Einzug in das Wien des Phantastischen Realismus.

fria-elfen-portrait2„Die Farben des Winters sind die Farben des Widerstandes”

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Ich treffe Fria Elfen im Dezember letzten Jahres in Breitenbrunn, farbmodisch 2008 aktuell in violett gekleidet mitten in den Farben des Winters. Zuallererst zeigt sie mir die „Rauchkuchl” ihres alten Hauses, dann betreten wir gemeinsam einen großen Raum, bedacht von der Stichkappe eines Kreuz-Gewölbes aus der Zeit der Renaissance, von einer schwebenden Leichtigkeit am Raumhimmel, wie ich es noch selten gesehen habe. „Frisch restauriert vom Denkmalamt, hier ist der alte Verputz zu sehen”, deutet sie.

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Die teilweise mit verschieden gekörntem und farbigem Sand gefüllten Scheibengläser in den beiden Fensteröffnungen brechen das Licht in den Raum, worin dieses dann reflektiert über die Deckenbögen den Boden mit großem bestuhltem Tisch in seiner Mitte abzuheben scheint. – ICH schwebe.   – EGO –   „Relikte von Aktionen”, meint Fria Elfen auf meine Frage nach den Scheiben-Sandfüllungen, „spiel mit will frenken / sand spiele” werde ich später aufklärend am hölzernen Rahmen einer einzelnen Glaskassette im Obergeschoß lesen.

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EGO

– Wie uns beide doch das Wort & das Spiel damit nähert und zusammen bringt. Als sie dann noch nebenbei erwähnt, dass „Fria Elfen” ein anagrammatisches Spiel mit ihrem Vornahmen „Elfriede” sei, freut sich „René Desor” mit „Roseneder”, als er ihr Atelier betritt. Sie lehnt Plexiglasscheiben an die Wand und beleuchtet diese mit einer elektrischen Handlampe, Buchstaben werden als Schatten geworfen und gespiegelt, verkehrt, in sich gekehrt und letztlich darüber hinaus außer sich,  aus ihrem – meinem – unserem – Kontext geschleudert: buchstäblich zerstäubt. Wo ich doch zu aller erst eine auf einem Stuhl liegende Wortcollage auf Papier mit folgendem Text: Hand / klopf an die Wand! / Dein Einsatz / steht gegen den Tod / setze dein Wort / das der drohenden / Flammenschrift / droht erblickt und diese im Geiste mich gefangen, ja gefesselt hatte – und ich auch die Wochen zuvor dem Tode selber bei seinem minutiös zerstörerischem Werken nicht bloß zugesehen, sondern auch Hand an meinem Puls anlegen gefühlt hatte.

Doch nun – plötzlich –  eine Zentrifuge des Lichts zerstäubt im Augenblick Buchstäblichkeit im Raum.

Erschafft neuen Raum, läßt atmen darin.

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Nobody saw me writing this

Nachdem ich mit meiner Leica eine Portraitserie von der Künstlerin durch ein Spiegelobjekt Adolf Luthers (siehe post: Elfen looks through Luther´s) geschossen habe, erblicke ich auf dem die hölzerne Wohnraumdecke tragenden Querbalken eine Inschrift mit Kreide geschrieben: Nobody saw me writing this – ein ungarischer Künstler hat in den 70-er Jahren hier versteckt apodiktisch agiert. Kein Buchstabe davon ist seitdem  von irgend jemandem weggewischt worden. – Zwischen fast nichts und nichts – Fria Elfen drückt mir auf meine Frage nach einer Biografie die so betitelte Broschüre von der Kunsthistorikerin Eva Maltrovsky aus dem Jahre 1996 in die Hand. Dies war eben jenes Jahr, in dem ich mit ihr gemeinsam in den Beirat für Bildende Kunst in die Burgenländische Landesregierung berufen wurde. Nach meinem vorzeitigen Abgang 2000 in Unmut über gemeine Umtriebe sei sie inzwischen selber enttäuscht über die burgenländische Kulturpolitik. Die Beiräte hätten sie nicht einmal persönlich informiert über ihre Abwahl als Vorstand, ein offizieller Abschiedsbrief sei Monate danach zugesandt worden. „Verschollen im Burgenland”, lacht sie heute darüber.

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NEIN – Widerstand gegen das Wort der Verweigerung?

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– Sie hat gut lachen. Im Künstlerhaus Wien wird  vom 24. April bis 17. Mai dieses Jahres eine Personale FRIA ELFEN  gezeigt. Am 2. Januar erst wurde die Ausstellung BEST OF AUSTRIA – Eine Kunstsammlung im Lentos Kunstmuseum Linz eröffnet, es wird unter anderem ihr Objekt Sich verlieren und finden in Gesellschaft von Der Rhein des deutschen Malers Anselm Kiefer präsentiert. – & Linz stellt die Bühne als diesjährige Europäische Kulturhauptstadt dazu – in dem Fria Elfen auch ihren fünfundsiebzigsten Geburtstag feiert. – Lachen wir mit ihr!

Ausstellungen:        BEST OF AUSTRIA- Eine Kunstsammlung

Lentos KunstmuseumLinz
Ernst-Koref-Promenade1
A-4020 Linz

bis 10. 5. 2009

k/haus wien

karlsplatz 5
a1010 wien

FRIA ELFEN  –  24. April – 17. Mai 2009

René Desor for PANNOrama

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photo of a performance-sequence staged by Hawi Rahman at Cselley-Muehle, image = link to Anonymous Soldiers – don´t tell your mother, video by Haim Ben Shitrit

dialogue at our shared table in the courtyard of Cselley-Muehle:

Iraki Hawi to Israeli Haim: ” Never thought to meet an Israli without a weapon!” Haim´s response: “- & I never thought to meet a not dead Iraki!”

Andreas Roseneder    the 2 tongues balloon    watercolours dichromatic on Ecus Sistina, still wet at studio light

 
ein liebestag

schwere der lider
mattet die augen 

beider

meine lippen saugen
alte wehmuts – lieder
aus deinem mund

deiner haare strahlenschicht
trägt dein weisses gesicht
über den schlund
unserer seele

beide

nicht sich zu schleppen
über steile treppen
die wörter quälen
in anderer zeit

                                  (1977)

 

Andreas Roseneder    first kiss balloon    watercolours dichromatic on Ecus Sistina

tulip or lily?  –  that´s the question!

lily of the valley!  –  that´s the call!

 

wo?

 lichterfarben

blumen benisten gräber

und nußschalen – rissig geädert

schwimmende inseln auf körnigem kies

 

in spiegelspielendem tropfen

an innenwandung

herzens

da!

                     ( 1977/2008 )

 

wer wagt den ersten schnitt für mich

den eignen schritt zu öffnen?

wer macht die tat zur sach´

so klar, dass ich sie verfehlen mag?

 

für Hertha Kräftner 

 

la nudité des fleurs c´est leur odeur charnelle

qui palpite et s´émeut comme un sexe femelle

et les fleurs sans parfum sont vêtues par pudeur

elles prévoient qu´on veut violer leur odeur

 

Guillaume Apollinaire

erwachen im walde: jetzt da die sprossende blüte erzählt ruhendem stamm von neuem morgen / an die unstete seele den wachen körper zum ausbrechen & ausschneiden spornt

 

   foxes earth-eye  

herzlippe

rein nichts kommt über meine lippen

da die ganze welt darin verschlossen

längst zugang zum herzen gefunden

&

über alles spricht mein herz

wenn auch nur leiser hauch

kommt mir über die lippen

 

Andreas Roseneder        left heart hand       watercolours on Ecus Sistina

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kurz vor Ostern: bei der autofahrt begegnung am waldrand des Leithagebirges: wirklich der letzte besenbinder von Stotzing?

short time before Easter: one of the last regional broom-makers leaves the wood with his harvest on the way home

Der Besenbinder

1. Hab mir mein’ Weizen aufs | : Bergl gsät, : |
Hat mir’n der böhmische | : Wind verweht, : |
Hat mir’n der böhmische Wind verweht.

2. Böhmischer Wind, ich | : bitt dich schön, : |
Laß mir mein Weizen am | : Bergl stehn, : |
Laß mir mein Weizen am Bergl stehn.

3. Der Apfel ist sauer, | : ich mag ihn nicht, : |
‘s Mädel ist falsch, | : ich trau ihr nicht. : |
‘s Mädel ist falsch, ich trau ihr nicht.

4. Wenn ich kein Geld im | : Beutel hab, : |
Geh ich ins Holz, schneid | : Reiser ab, : |
Geh ich ins Holz, schneid Reiser ab.

5. Geh ich nach Haus, mach | : Besen draus, : |
Krieg ich bald wieder | : Geld ins Haus, : |
Krieg ich bald wieder Geld ins Haus.

6. Wenn ich die Besen | : ‘bunden hab, : |
Geh ich in die Straßen wohl | : auf und ab: : |
Leute, wer kauft mir Besen ab?

 “Los Angeles ist wie eine offene Wunde, die niemand zu verbinden versucht. Sie ist der äusserste Vorposten einer untergehenden Zivilisation, und wenn Sie die unkaschierte Version der westlichen Welt “Now” sehen wollen, dies ist der Ort. Manchmal komme ich mir vor wie in Blade Runner, wo der Zusammenbruch aller Werte eine neue comic-hafte, apokalyptisch-surreale Ästhetik gebiert.”
                                              
                                                                                         Gottfried Helnwein 1995
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striped-star-hero, charcoal & acryl on plotted canvas, 03 2003
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prime test on Middle East, charcoal & acryl on plotted canvas, 2003 03 18

good luck to our guys in Chad – Tchad, Tschad, تشاد

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more images on artport zero: 1 2 3 4

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out of guilt, acryl on plotted canvas, 2003

“We don’t need an art exhibition to tell us what we ought to think about legalized murder.” Ken Johnson, New York Times, more:

Under Pain of Death – exhibition at the Austrian Cultural Forum, NYC

toys-in-nyc.jpg desert-storm-toys in the streets of NYC, 1991

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To Nobodaddy
*

Why art thou silent & invisible
Father of jealousy
Why dost thou hide thyself in clouds
From every searching Eye
*
Why darkness & obscurity
In all thy words & laws
That none dare eat the fruit but from
The wily serpents jaws
Or is it because Secresy
gains females loud applause