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Category Archives: poem

gezeitenauge

BildANDREAS ROSENEDER:  SHORT CUT FERRIES watercolour AquaBrique on Arches paper 86 x 113 cm

*

heute ist vergangen

wie auch wir

die gebrechlichsten

unter der sonne am ball

*

gestern ist gekommen

wie auch ich

der unglaublichste

vom monde der kugel

*

morgen ist geboren

wie auch ihr

die tapfersten

der wueste im kreise

*

gehab´dich wohl

deiner weislichen zeit

*

Willy Puchner mit Kommilitonin Elke Mischling, Mitte der 70er Jahre in Selbstinszenierung für eine fotografische Übung an der “Graphischen” in Wien

Heute im aktuellen „Selbstportrait“ zeigt sich der Österreichische Künstler, Fotograf, Zeichner und Autor Willy Puchner ganz anders – mit Linse vor Augen, im Spiegel eines der Scheiben eines Reisevehikels, von Gesichtern umgeben: In Addis Abeba fotografierte er Oktober und November letzten Jahres eine ganze Serie von Menschenbildnissen,  Individuen eines Volkes, die sich über eine Reihe von 250 Portraitphotos zu Gesichtslandschaften Äthiopiens formieren. Keine sogenannten Sehenswürdigkeiten bildet er ab, “denn die Kultur des Alltags ist ein anderer Zugang zur Kultur überhaupt, ich brauch nicht die sogenannte Hochkultur”.

„Es läuft sich nicht gut in den Straßen von Addis Abeba. Die Mischung aus Höhenluft, Feinstaub und Abgasen raubt dem Spaziergänger, zumal dem Fremden, den Atem. Und doch flaniere ich leidenschaftlich gern durch die Stadt…“

„Indem man noch die nebensächlichsten Orte und Augenblicke festhält, verwandelt man sie in Monumente der Muße: Das Foto soll und wird auf ewig bezeugen, dass man Muße gehabt hat – und überdies die Muße, sie ins Bild zu bannen. Muße in Afrika. Muße auf dem Eiffelturm. Muße an finnischen Seen.“

Das Reisen, die Reise an sich war und ist ein zentrales Thema Willy Puchners künstlerischer Arbeit, auch wenn er heute seine Reisen vermehrt virtuell zuhause auf dem Papier unternimmt. “Wo immer ich hinfahre, trage ich eine g­­eräumige Bühne in mir. In dieser bin ich aufgewachsen, immer wieder verreist, manchmal auch verloren. Manchmal nenne ich diese Bühne meine kleine Welt, sie ist voll faszinierender Farben, Schattierungen und Kolorierungen, enthält Texte, Filme und jede Art von Bildern. Zu Hause versuche ich die Dinge zu ordnen, ich mache mir eine Notiz, entwerfe ein Bild, versetze mich noch einmal in die Reise, beginne zu phantasieren. In meiner Erinnerung sind es weniger die Gerüche oder Geräusche, die ich einem Ort zuordne, es sind die Bilder, und es ist die Sprache.” , schreibt Willy Puchner im Vorwort seines neuesten Buches “Die Welt der Farben”, ursprünglich Einzelblätter als Periodikum “Farbenlehre” in der FAZ abgedruckt und jetzt zusammengefasst als Buch im Residenz Verlag erschienen. Erst vor kurzem bekam er dafür den “Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2012” überreicht.

Wer kennt sie, diese Sprachen: Edo, Komi, Sango, Aseri, Kiribati? Willy Puchner coloriert oft unbekannte Sprachen auf der Palette und erweitert damit sein himmlisches Firmament assoziativ mit narrativer Kunst. Auf diesem Blatt setzt er  auch elektronische Bildbearbeitung ein, der große Vogelschatten besteht aus 2200 Einzelvögel. Zuallererst suche er die Schönheit zeichnerisch im Detail, der Computer biete ihm dann die einzigartige Plattform auf dreißig, vierzig oder gar fünfzig Ebenen diese Schönheiten neu zu formieren. – “Bilder um Milimeter zu verschieben, das ist nicht möglich, wenn ich zeichne.”  Er ist ein akribischer Arbeiter, der andrerseits doch alles gern nach wie vor händisch herstellt. Erst vor kurzem hielt ich ein kleines seidenes Kuvert, das er einem gemeinsamen Freund geschickt hatte, in den Händen: sorgfältig genäht, mit einem Knopf  & einer kleinen Lasche als Verschluß versehen, alleine schon liebevolle Botschaft, ohne den Inhalt gesehen zu haben.

Seine Farbenpalette hat der leidenschaftlich Reisende in seinem Buch auch an Städten verankert: Wien, Frankfurt, Venedig, Paris, Lissabon… – nach einem Hamburgbesuch sah ich zuhause seine  Hamburgseite in der FAZ abgedruckt, das sprichwörtliche “illustrierte Fernweh” packte und versetzte mich augenblicklich zurück in die Atmosphäre der Hafenstadt. Mit seinem letzten Blatt ist Willy Puchner bereits mit Sternen wie Antares, Kapella, Deneb und Morzin im Farbkasten des Universums angelangt. “Beim Illustrierten Fernweh war es noch die Reise an sich, jetzt sitze ich vor Ort und zeichne. Ich bin, so gesehen, bei dieser Arbeit schon zu Hause angekommen.” (Puchner im Interview mit Silke Rabus)

Willy Puchner schreibt und zeichnet nicht nur für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, unter anderem auch seit 1989 für die Wiener Zeitung, in der er sonntäglich in der Beilage extra einen Künstler dem Leser vorstellt – wohl auch mit ein Anlaß, ihm 2011 den Award Kunstmediator  der Österreichischen Interessensgemeinschaft Galerien für zeitgenössische Kunst zu verleihen.

Joe & Sally, die beiden Pinguine, mit denen Willy Puchner über den ganzen Erdball reiste, um das Paar vor den vom Massentourismus zu Tode geknipsten Sehenswürdigkeiten dieser Welt zu fotografieren, die Protagonisten des Projekts “Die Sehnsucht der Pinguine”, mit dem er international bekannt wurde – hier auf einer Briefmarke aus der Hand des Zeichners portraitiert. 2004 erschien darüber ein Bildband mit 166 Fotos im Münchner Verlag Frederking & Thaler – jetzt hat er die beiden Polyester-Pinguine „in Pension geschickt“: „Im Grunde genommen haben mich damals Joe und Sally um die Welt gebracht und nicht ich habe sie um die Welt getragen. Heute mache ich eine ganz andere Art von Reise, als wenn ich am Bahnhof sitze. Wenn ich zum Beispiel am Anfang und am Ende des Monats sehe, was sich alles im Garten oder rund um das Haus verändert hat, empfinde ich das als eine unglaubliche Reise. Ich bewege mich dabei aber nicht.“

Neu erscheint demnächst ein Bilderbuch im Berliner Verlag Bloomsbury:

Ist dies das Ende der Reise oder erst ihr Anfang?

Ich habe so
insgeheime Geheimnisse,
die ich mir oft abends ausdenke.

Da liege ich im Bett
und überlege:
Wer bin ich eigentlich?

Wer bin…

René Desor fuer die editionDasLabor, Muehlheim an der Ruhr  –

Zeremonienmeister des Augenblicks

 kulturnotizen –  grenzüberschreitende artIQlationen

Gustav Courbet L´Origine du monde / The Origin of the World / Der Ursprung der Welt

oil on canvas, 1866

Andreas Roseneder Rosa Wolke / Pink Cloud acrylics, interference & iridescent acrylics on canvas embeded in polyethylene, 2011

*

L’ORIGINE DU MONDE

für Courbet & Lacan

Die Innenlippen blinzeln aus den äußern.

Im Lebenswasser spiegelt sich das Land,

lachendes Ufer aller Landungswünsche.

Hier springt die Welt zur Welt bei der Geburt,

nachdem zuvor die Welt zur Welt gedrungen.

                                                                      Hanns Remus  (November 1996)

DER URSPRUNG DER WELT / ROSA WOLKE

die innenlippen nach aussen

nach innen die aussenlippen

es kehrt um der spiegel

die verhaeltnisse

wie der mond die erde hebt

die erde den mond erlebt

in geburt zur welt

                             René Desor (April 2012)

THE ORIGIN OF THE WORLD / PINK CLOUD

the inner lip to the outside

and inside the outer lips

the mirror reverses

the ratios

as the moon rises the earth

the earth experiences the moon

through birth to world

                                   René Desor (April 2012)

Forgotten are the sorrows which once caused her heart to grieve,

Like to the wealth of golden light that flooded yestereve.

She came, and now is gone – a short while of the day

Was hers to live, to sorrow, strive, to love- to pass away (?)

René Desor, Melbourne 1930

Elke Mischling “81” acrylic & ink on canvas  100 x 80 cm , 2009/11

“…zwei Jahre später… endlich fertig!”

Ernst Molden & Willi Resetarits the 23rd of october 2010 on stage at Stand Up Club, Fischamend, Austria

Ernst Molden – numma zum waana – video

is a dod da mau
(M + T: Ernst Molden)

is a dod da mau is a dod da mau
is a dod da mau is a scho gschduam
is a dod da mau is a dod da mau
is a dod da mau oda schdiabd a easchd muagn 

en berger en blaha en sedladschek
aan wiads heit no dawischn
zwischn krizznduaf und da kuchelau
weaman ausn wossa fischn

is a dod da mau …

waun da aana vo schuid darzöd
sog eam du kennsd nur schuldn
und waun eam des ned in sein schedl ged
na daun muass a se no geduldn

is a dod da mau …

a haufn rozzn rennd en easchdn beziak
zeen zwöfdosnd oda mea
vü z vü rozzn fi a so an klaan beziak
und ma frogd se wo kummans hea

is a dod da mau …


Willi Resetarits

die presse

Andreas Roseneder  icewatercolour with Aquabrique on Arches-paper 113 x 80 cm, 2010

JANUAR; GESTÜTZT

permafrost auf papier
ist geduldig

winterschlaf erstarrt den buchstab
versunken im schnee von gestern
und rundung der linie
führt gradwegs in holzweg
similaunig kettengespannt

die maer von der saga
ist der mann im schnee
von gestern
der nichts
nichts

und wiederholt betont
NICHTS
bezeugt

als bildbeschirmte ungeduld

Andreas Roseneder  icewatercolour with Aquabrique on Arches-paper 113 x 80 cm, 2010

concerning icewatercolours see also post of origin:  feather´n´brush on ice

HAUKLEIN

in hoffnung trägt sich das silber
ueber kaemme und korn
zu kreuze
den gipfel erstürmt

der geschmack des wassers erstarrt
von erdbeer zu erz
im salzigen klumpen
des balls

hauklein dieser funke in nacht
von waeldern der rest
zu baum des lebens
erwachsen

das gesicht des feuers erblaßt
von greller fratze zu maske
einer gleißenden gestalt
im schnee

poems by René Desor ” SUD#SATZ – interessiert mich nicht die bohne / aber den kaffee / den trink ich”, 1992

Andreas Roseneder   melting time patch vinyl on canvas & clockwork in poliethylen masterBatch enbeded, 2009

TAGWERK

der minutenzeiger
hinter stundenglas
durchs tagebuch
im wochenbett
der monatswehen
jahreszahl

SEKUNDENSCHNELLE

by René Desor “SUD#SATZ – interessiert mich nicht die bohne / aber den kaffee / den trink ich”, 1992

Apfelbaum

London Pepping

Am hellen Tag Idee als Wurm gekleidet
Der Keim zur Frucht des Apfelbaumes
Bringt mich zur Rast
Zum staunend Stehen

Ein Bild hat mich verführt zum Pepping
Denn schon auf der Zunge eine Süße
bei saurem Schmelz
Als Vorgeschmack am Gaumen

Jetzt Gatter hält mich ab vom Nähern
Spiegelt mir gar China vor
– & eine leise Ahnung
“London” Nachgeschmack

zuhaus1

gewissensbissensbrocken

in gewisse eigenart eingeboren
empfängnis wohlgebettet unverhohlen
versehends umgeschaut

wo darin daraus
wohl kein verhehl
im augenblick
dann doch

geplant gerahmt verbrämter strich
an hindernissen
hinweg der ursprung
eigenart

zuhaus
daheim

wir wissen essen
bereits im keim
machen pause
unterlassen essen ruhn

bereit
zuhaus  daheim

idee:

gib mich hin
gib mich her

vergib dich mich
vergib dich mir
dem gewissen bissen


zuhaus