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Category Archives: Literatur

DIAlog der gestandenen Vernuft mit  erahnter Vision? – gebiert dies Ungeheuer? –  “Die Phantasie, verlassen von der Vernunft, erzeugt unmögliche Ungeheuer; vereint mit ihr ist sie die Mutter der Künste und Ursprung der Wunder” spricht  Franciso de Goja zu seinem dreiundvierzigsten Blatt der Caprichios  – Wenn der Stift im Schreiben zum zeichnenden wird, wenn die Worte nicht zu genügen scheinen und die Linie das Erschaute besser alliteriert: Dieser künstlerische DIAlog zwischen Wort und Bild ist in meiner Arbeit immer wieder aufgekommen  – Wechsel wirkend jeweils als bildhafte Sequenz einer Erzählung oder als unikales literarisches Bild. Auch der Hang, ein Bild zu betiteln, rührt aus dieser Wechselwirkung her – ein tristes oT (ohne Titel) erschien mir immer als Galgen einer Vision. Aber wie verläuft dieser Dialog zwischen fremder Fiktion und eigener Vision?

Andreas Roseneder   “…traf ihn die Erleuchtung wie ein Keulenschlag…”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Die Tankstelle” von Dorothea Zeichmann, 2013

DIAbolisch ist zwar in unserem alltäglichen Wortschatz zumeist mit dem Begriff des „Teuflischen“ belegt, hieße aber doch einfach „zweifach gespalten“. In meiner Jugend haben mich die Nachzeichnungen Alfred Kubins von Edgar Allen Poes Visionen in ihrer DIAbolischen Steigerung besonders fasziniert: kein Wunder,  Kubin war von seiner Anlage her ebenso DIÁbolos, ein Entzweiter – Durcheinandergeworfener –  wie Poe gelebt.  Mit der Fiktion der Traumstadt Perle in seinem Roman „Die andere Seite“  hat Alfred Kubin nicht nur literarisches Zeugnis darüber abgelegt, sondern im Epilog die Conclusio aussprochen:  “…Die wirkliche Hölle liegt darin, daß sich dies widersprechende Doppelspiel in uns fortsetzt. Die Liebe selbst hat einen Schwerpunkt zwischen Kloaken und Latrinen.  Erhabene Situationen können der Lächerlichkeit, dem Hohn, der Ironie verfallen. – Der Demiurg ist ein Zwitter.

Andreas Roseneder   Franz K :  “…Schreiben als Form des Gebetes, dachte er…”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Der Wunsch” von Dorothea Zeichmann, 2013

Demiurg –  . Franz Kafka war für mich immer präsent.   In Form eines  Satzes. In Form einer Erscheinung:

kafka1

Franz Kafkas Zeichnungsskizzen “über das Schreiben & Malen”

  “oT”? – oder doch “Der Demiurg”? 

Andreas Roseneder “Das schwarze Schaf” & “the black sheep profile”, chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Das schwarze Schaf” von Dorothea Zeichmann, 2013

Auf die Anfrage der österreichischen Autorin Dorothea Zeichmann hin, ihr Erzählkompendium mit dem Arbeitstitel “Das Schwarze Schaf”  zu illustrieren, kamen in mir all diese an der eigenen Arbeit erfahrenen Schwierigkeiten auf. Nach Zusage & begonnener Arbeit wurde mir klar, daß es denn doch etwas anderes ist, einen fremden Text in Zeichnungen zu übersetzen: der Galgen aus der biographischen Selbstreflexion wurde zum Schaffott der souveränen Vorgabe eines anderen Geistes.

Andreas Roseneder   “…daß dich der Teufel hol´…”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Wie ich fluchen lernte” von Dorothea Zeichmann, 2013

Mit scharfem Schnitt wollte diese Übersetzung gesetzt sein. Die Technik der Federzeichnung mit schwarzer chinesischer Tusche erschien mir zu aller erst als das geeignetste Medium, dies in adäquater Schärfe zu tun. Doch dann wurde mir im Zuge der Arbeit immer mehr bewußt, wie sehr die Handhabung der Feder mit dem Schreiben verwandt ist, wie sehr sie zwischen Dorothea Zeichmanns Wort & Satz kratzte. Der weiche chinesische Kalligraphiepinsel löste im Handumdrehen die spitze Feder ab. Der schnell gesetzte Pinselstrich, mehr verwandt mit dem sicheren & großzügigen Duktus des Malers war plötzlich Sache.

Andreas Roseneder   “speed limits”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier, 2013


Andreas Roseneder   “…ein Wesen, das sie, wenn es will, zum Beispiel auch vernichten kann…”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Ameisen” von Dorothea Zeichmann, 2013

Text &  Zeichnungen sind in der Zwischenzeit zum Druck entlassen.

 

Andreas Roseneder   “…Ein Mann war an Händen und Füßen angekettet….”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Die Wiederkehr” von Dorothea Zeichmann, 2013

Andreas Roseneder   “Ich habe das verdient”,  chinesische Tusche auf deutschem Papier

Illustration zur Kurzgeschichte “Die Wiederkehr” von Dorothea Zeichmann, 2013

Das Buch wird demnächst unter dem Titel “Der Wunsch / Želja” in deutscher & kroatischer Sprache im burgenländisch-kroatischen Verlag HKDC in Eisenstadt erscheinen.

Dieser Artikel wurde von René Desor fuer KUNO erstellt

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Andreas Roseneder  Any (?) Whizzle  watercolours on paper,  Bermuda Islands 1999

ein manko an geeigneter infrastruktur zur allfaelligen kunstaeusserung kann man ja leicht als “poetischen naehrboden” bezeichnen; wie auch von “poetischem akt” sprechen, wenn man als bildender kuenstler in ermangelung eines reelen geeigneten werkraumes zur umsetzung einer aktuellen groessenwahnsinnigen idee in sein so genanntes “buchatelier”, sein ideen- & skizzenbuch, antritt. ja wirklich drin zu leben & arbeiten beginnt. auswege aus einer offenbaren misere stehen in der kunst mannigfaltig offen: dies sollte aber nicht als ausrede fuer jene gelten, die auch heutzutage noch darin das ideal der kuenstlerischen produktion sehen wie: je mehr der kuenstler im reelen leben am boden, desto eher die erwartung himmelsstuermender ideen. – darob ziehe mich jetzt auf die insel meines buchateliers zurueck.

Joop Lieverse

            

& dedicate trees for that round´n´up : – I´ll set & plant them if you bring in the slips!

… oh gott ogott- wie mir das English ins Deitsch gebricht …

“…Im Allgemeinen Krankenhaus dachte ich gerne an die Natur und ihr Erwachen. Ich sagte zu niemandem Schellings Satz: “Die Natur schlägt im Menschen die Augen auf und bemerkt, dass sie da ist.” Ich hatte den Satz für mich gehütet wie ein Geheimnis, aber dann, lange bevor Rüdiger Safranski auch damit im Fernsehen auftrat, fand ich den Satz in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht. Obwohl ich ihn auswendig weiß, beeindruckt er mich zusätzlich, wenn ich ihn lese. Ist es die Natur, die in mir die Augen aufschlägt, und was bemerke ich dabei? Sicher bin ich es, der die Neue Zürcher Zeitung aufschlägt, im Café Klinik, um mithilfe einer Lektüre über die Runden zu kommen, die der Schmerz diktiert: erste Runde, zweite Runde – über wie viele Runden der Kampf gehen wird, weiß man am Anfang noch nicht…”

Franz Schuh, Café Klinik im standard, vorabdruck aus seinem neuen buch Der Krückenkaktus

1001 thanks to Florian & Hans!

www.dada – dada.tv

youtube: dadadada-tv

Gelder erwachte.

& im anfang war das wort: als das wort noch wort war –  bevor man es be + igte & be x te.

hier bin ich – Simon Gelder.

„Ich beginne”, sagte er sich. von hinten her dräute ihm ein großes drängen, – auf den kopf zu? – keine gerichtetheit, kaschierte er doch nur willkürserscheinungen mit dem metaphermantel großes drängen, mit erahntem, besser:  gefühltem ziel:  KOPF

„bin noch bereit zur auseinandersetzung. bin noch bereit zur auseinandersetzung… – bin. – NOCH – be – reit – zur – aus – ein – an – der – setz – ung.”

er setzte neue struktur in bereits erstarrte kopf füllende masse, benannte dieses agieren angebot zur revision. stochern im erinnerungsvermögen wäre wohl angebrachter, revidierte sofort seine angestammte vernunft &: „selten traf ich einen menschen, der sich selbst so im wege stand…”, wird ein eingebildeter ehemaliger deutschprofessor nach seinem ableben dies als „notierte seelische zustandserörterungen” abtun.

dachte er;  dachte ein ihm irgendwann eingebläuter schicksalswahn.

beginn wurde großraum, anfang, entwickelte sich vor der zeit & damit außerhalb des geschehens; er fußte darin.

er sagte: „Ich beginne”.  sagte er.  sagte er jeden morgen. sagte er diesen morgen. „dieser morgen hat von sich aus die bereitschaft zum ansatz, beginn, der beginn muss im wort sein wie der beginn im morgen ist.” –  dies kam ihm in letzter zeit jeden morgen. aber kurz danach erkannte er: ich falle zurück ins geschehen ich setze fort ich fahre fort im spiel, wenn ich meine vorher gefasste linie nicht verfolge – „beginne ich?”

er fasste die linie am morgen: nach dem ersten lidaufschlag erschautes & noch währende schlafbildverzerrungen hatte er im kopf, schlafbilder, die sich lösten aus einem dunklen dreidimensionalen kosmos, flächig & gerahmt wurden aus ihrer endlosen ausdehnung, auch in ihrer bestimmtheit, denn er agierte nicht mehr, sah sich hingegen agieren, schlafbilder, auf welche raumgegebenheiten projiziert wurden, stuhl, schrank dort mit scharfen konturlinien in schlafbilderlandschaften, – da zog das auge plötzlich scharf trennende linie zwischen beiden bildebenen, kippte ein gefälle, auf dem kein stand mehr möglich schien, sein blick wechselte ab- aufwärts ausm- ins licht, sein körper fiel noch in schlafspannung wieder zurück aufs bett.

er fasste die linie am morgen & sagte wieder:

„Ich beginne”

weiterlesen…

Andreas Roseneder  UnderCover – neon fish reloaded for AJ Weigoni
digital graphic 2011

“Die Wirklichkeit eines gespeicherten Bildes ist seine fast universelle Einsetzbarkeit; die Tatsache, dass es uns einfach zur Verfügung steht und ungeachtet seiner einstigen Bedeutung immer wieder neu erscheinen kann. Lassen sich Original und Wirklichkeit in der Welt der Medien eigentlich noch unterscheiden oder ist die Authentizität des Produzenten die Wirklichkeit? … Kreativität entsteht durch das Wechselspiel von Imitation und Erneuerung; Regeln sind dazu da, dass man sich von ihnen läßt, und unsere Sprache bleibt dadurch lebendig, daß wir sie im Umgang mit ihr immer wieder verändern. Es sind diese Wechselwirkungen zwischen Gegebenem und Neuem, zwischen Wiederholung und Veränderung, die das Denken prägen. Man muß eine Kulturdebatte über Medien und Medienentwicklung führen, da bieten sich Literatur, Bildende Kunst oder auch alles, was multimedial stattfindet, natürlich an, weil sich die Künstler, auch über die spezifischen Fachgrenzen hinaus, gerade in den letzten zehn Jahren mit gesellschaftlichen Fragestellungen befaßt haben.”             A.J. Weigoni

Andreas Roseneder  UnderCover – neon fish digital graphic 1999/2000

“Das kleine Format ist bei bildenden Künstlern nicht sehr beliebt  in einer Welt, in der Aussagen nur noch auf Plakatwänden auffallen, so scheint es.
Wenn die Geschichte der Medien die Geschichte einer Konkurrenz ist, begann sie mit einem Vorsprung. Die Dichter hatten die Montage entdeckt, als die ersten Fotografen noch Stunden brauchten, um ein einzelnes Bild zu entwickeln.
Es war, als hätte die Literatur den Film erahnt und als er kam, genossen sie gemeinsam den Rausch der sich überstürzenden Eindrücke. Das Drehbuch wurde erfunden, später der Rundfunk mit dem Hörspiel begrüsst. Als das Fernsehen sich breit machte, fand es die Schriftsteller schon in skeptischer Distanz. Multimediales Spiel mit Video, Performances und Installationen dachten Maler und Musiker sich aus, deren Zaungäste manchmal auch Dichter waren.
Gerade mit den neuen Medien läßt sich auf alte Techniken zurückblicken, so jedenfalls Weigonis Erfahrung bei Projekten der letzten Jahre. Bei seinem HörBuch ”Gedichte” verläßt er sich auf den ältesten Special–Effekt, den die Menschheit besitzt: Die Stimme!
Neben einem „normalen Cover“ hat ein Hör–Buch als Künstler–Buch herausgegeben, will sagen: befreundete Künstler gebeten, eine limitierte Auflage als Künstler–Buch zu gestalten.
Das CD–Format ist 120 x 120 mm ein, kleines Format, das einen Versuch wert ist.”

zitiert aus dem Bilder-Raum, mehr zu sehen & lesen: Bilder-Raum/UnderCover

Das Labor im “Rheintor” – Linz am Rhein Anno Domini 2011:  Nach dem erfolgreichen Auftakt der Reihe mit dem “Heimspiel” von Klaus Krumscheid und einer Lesung von Andreas Noga steht am 19. Februar ab 17.00 Uhr die nächste Veranstaltung ins Haus, bzw. das Rheintor. Keine Einsicht ohne “R(h)einsicht” lautet der Titel der Veranstaltung der Artistin Charlotte Kons und dem Essayisten Joachim Paul.

aktuelle informationen: Edition Das Labor +++ Werkstattgalerie DER BOGEN

Haimo Hieronymus A.J. Weigoni  UnderCover

 

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<a href=”http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx”><div id=”WriteLikeCert” style=”width:400px; height:150px; background-image: URL(http://www.faz.net/f30/Images/diverse/WriteLikeCert.jpg); “><div style=”width:285px; padding: 40px 0px 0px 15px; color:#0b0b66; font-size:25px; line-height:30px; font-family:Georgia; font-style:italic; ” ><span>Melinda Nadj Abonji</span></div></div></a>

<a href=”http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx”><div id=”WriteLikeCert” style=”width:400px; height:150px; background-image: URL(http://www.faz.net/f30/Images/diverse/WriteLikeCert.jpg); “><div style=”width:285px; padding: 40px 0px 0px 15px; color:#0b0b66; font-size:25px; line-height:30px; font-family:Georgia; font-style:italic; ” ><span>Peter Handke</span></div></div></a>

 

zum schreibstilvergleich meiner manuskripte per mausklick verleitet (vom russen Dmitry Chestnykh entwickelt & auf der F.A.Z.-site fuer jeden schreibenden oder lesenden nutzbar), gab ich der reihe nach die 7 auf meiner website publizierten kurzgeschichten ein. wer mag, kann sie im vergleich in gleicher folge wie die HTML-zertifikate oben hier lesen.

zuerst semiologisch enttaeuschendes wie dann doch den quicken literalsinn unterhaltendes ergebnis: 7 verschiedene autoren von psychoanalytiker Siegmund Freud bis Deutscher-Buchpreis-gewinnerin Melinda Nadj Abonji standen pate zum schreibstil René Desors. daraufhin stille – fragen an mich als kreator selbst:

sind René Desors geschichten stillos? – schier unvergleichbar?

oder ist mein eigen schrift mit René Desor als zeichnenden autor gar schizotym stilimmanent geworden?

 

daraufhin ohne antwort & frustriert gab ich die HTML-ergebnisse fuer die web-veroeffentlichung der erhaltenen zertifikate ein – & erhielt damit einheitlich folgendes ergebnis:

HTML GOETZ – welch schoenes alias fuer literarische publikationen!

PS:. lieber Rainald, verzeih´mir bitte,  dass ich der impertinenz der journaille auf den leim gegangen bin! – aber ich denk´ & hoff´ zumindest, dass  ich mir nach dieser webperformance nicht mehr die stirne vor versammelter jury in Klagenfurt blutig schneiden muss!

meine eigen brustzüge zum aquarellieren

Ich ging diesen sommer 2010 vehement & mit entschiedenem nachdruck daran, mir ein „wörterbuch“ zur kommunikation meiner ureigensten bilderwelten jenseits des wortes zusammenzustellen & fand dabei als leitfaden über körpersprache die gewandte bewegung bei der ausübung des schwimmens im meerwasser (nun mal von der ertüchtigung des körpers abgesehen) als die für mich am leichtesten erlernbare sprache: im medium schwimmend ganzkörperlich über das erwählte medium zu reflektieren & diese erfahrung dem körper einzuschreiben: die im winter 2010 zu den jahreszeiten begonnene aquarellserie seasonal aggregates für die ausstellung AQUA – simply waqtercolours?  /  water portrait body image gab ja sozusagen die schwimmrichtung vor. Auf der der türkischen küste vorgelagerten griechischen insel Ikaria fand ich in bucht von Faro, region Fanari, das dafür mir geeignete scheinende trainingsarreal vor: hier war vorherrschend die den geist blendende, den körper lähmende sonne & die ins wasser treibende hitze; das klare meerwasser zu tagesbeginn in leise saeuselnden wellen an den strand kriechend, den abend zu in sich steigernden schüben an die gestade schlagend. Ich nahm mir die markantesten punkte der küstenvorsprünge in gesteigerten distanzen als imaginäre ziele der sprachübungen meines körpers vor: die fische, vögel & ziegen mit ihren bewegungen munterten mich dabei auf, dies einsame vorhaben auch einzuhalten – am abend schließlich auch Paul hinter der theke der bar Fos Fanari mit seinem griechisch – deutsch – griechischen wörterbuch, nachts dann im erwachen, von Hölderlin / Hyperions rede getragen: „… ich weiß nun, was ich oft geahnt, der mensch ist ein gewand, das oft ein gott sich umwirft, ein Kelch, in den der himmel seinen nektar gießt, um seinen kindern vom besten zu kosten zu geben …“

ein paar wochen später durfte ich diese einsicht auf der ionischen insel Zakynthos geniessen  / foto: Nino Wallisch


jeder gärtner schwärmt gern augenblicks vom zauber seines gartens – & hat zuvor viel vom eigen werken, graben, stechen, binden, düngen, “umdrehen”, dann vom kurzen glück im wachsen, gedeihen seiner pflänzchen darin geprochen:

“ALLES dreht sich um”, sagt er, aber in seiner stimme kommt kein zeitlos blitz auf wie LICHT, hier wie dort ewig im ursprung.

doch nicht nur er, auch sein gast hat darauf hin  beim anblick der blendend blüte ROSE plötzlich ein lächeln auf den lippen, ja beide tragen es gemeinsam breit & stolz augeknospt in ihren gesichtern:

kurz entlockt die rose eine ahnung für beide, was denn LICHT sei –  auch wenn´s hier in nachhinein nur blendend widerscheinend auf papier aufblitzt, bloss gespiegelt im fließend wasser darauf.

– kurz gefasst durch die erdung im rahmen der krautig wuchernd stechenden DISTEL.

ma palette d´AquaBrique – exposée au midi; et moi,  j´attends la lumière du soleil

enfin –  fini:   schlußendlich blendend papier, gesättigt, bemalt:

Andreas Roseneder  seasonal aggregates III: distelrose / thistlerose watercolours on paper, 152 x 96 cm, 2010

Andreas Roseneder  seasonal aggregates III: rosenspirale / rosehelix watercolours on paper 113 x 80 cm, 2010

„Das Nachzuahmende wird nicht leicht erkannt.“ (J. W. v. Goethe, aus Wilhelm Meisters Lehrjahre)

„Werde der, der Du bist!“

Schon als 16-Jähriger Schreibender auf Sinnsuche griff ich zu den Büchern Also sprach Zarathustra & den Dionysos-Dithyramben des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche. Erst viel später wurde mir klar, vor allem als ich mitbekam, dass Nietzsches letztes Werk, die Dionysos-Dithyramben 1888 erst kurz vor seiner „geistigen Umnachtung“ geschrieben hatte, warum mir diese Werke angesehen von der bildsprachlichen Lehre bei meiner jugendlichen Sinnsuche nicht all zu sehr geholfen hatten: ich hatte selbst noch zu wenig erfahren im Leben. Aber Sätze wie „…Und hier wird auch mit Einem Male die Aufgabe der modernen Kunst deutlich: Stumpfsinn oder Rausch! Einschläfern oder betäuben! Das Gewissen zum Nichtwissen bringen, auf diese oder die andere Weise! Der modernen Seele über das Gefühl von Schuld hinweghelfen, nicht ihr zur Unschuld zurück verhelfen! Und dies wenigstens auf Augenblicke!..“ hatten sich dem jungen Hirn eingeprägt – Da zerriss jemand den traditionellen Kontext in Sprache und baute Neues damit auf. Das musste ja auch in der Malerei möglich sein. Im „Dionysischen Rausch“ warf ich mich auf die expressive Malerei, den kommerziellen Erfolg der „Neuen Wilden“ in Deutschland und auch Österreich bestärkend im Rücken. 1984 wachte ich in Berlin/Kreuzberg auf: Ich stieß auf eine Schwebende Dithyrambe, auf eine so betitelte Leinwand, bereits in den 60er Jahren bemalt und von „MARKUS“ signiert. Ein visueller Dithyrambus, ein ekstatisches Loblied auf den Gott Dionysos aus der griechischen Antike.

Markus Lüpertz Dithyrambe – schwebend 1964 Courtesy Galerie Michael Werner Berlin Köln NYC

Dieser Markus hatte es  offenbar geschafft, der richtungslosen Ekstase, in der ich mich befand, eine Form & Farben zu geben – und dies schon 20 Jahre zuvor. Meine eigenen Versuche kamen mir plötzlich vor, als hätte ich versucht, den Dionysischen Ausdruck rein durch die Zerstörung und Überwindung der apollinischen Versuchung zu erreichen,  sah da Fetting, Middendorf, Salomé, Zimmer im gleichen Bemühen verstrickt & da kam dieser Markus so frank & frei aus entgegengesetzter Richtung & setzte eine gänzlich neue Form vor meine Augen!

„werde der, der du bist und lebe!“

Ein dejá-vu ähnlicher Art mit Markus´ Werk hatte ich gestern in der Wiener Albertina bei der aktuellen Präsentation Metamorphosen der Weltgeschichte/ Metamorphoses of World History. Diesmal „bloß“ eine Ähre und ein paar Reifenspuren auf Papier:

© foto: Albertina Wien

Die Ähre steht einfach prägnant überdimensional 159 x 124 cm auf einem ziemlich monochromen weißen Hintergrund mit ein paar raschen Pinselstrichen “hingemalt”, auf dem unteren Bild durchziehen Reifenspuren eine Landschaftsserie Ohne Titel (Deutsches Motiv – Reifenspur, 1966) hinweg über kleine Papierblätter:

1988 hielt ich diese beiden Elemente kurz nach meiner Rückkehr aus Berlin aufs österreichische Land in Öl auf Leinwand fest. Unter dem Titel “DAS LAND WIRD GEDACHT – DIE MUTTER UNSERER EISERNEN HERZEN”  versuchte ich, die Metamorphose eines Traktorreifens in die Gestalt einer Ähre bildlich zu binden. –

Andreas Roseneder  Das Land wird gedacht – Die Mutter unserer eisernen Herzen Öl auf Leinwand 100 x 140 cm, 1988

eine andere Ähre Lüpertz´, gefunden auf Ernst Vollands blog bei blogs.taz.de:

Markus Lüpertz Ähre dityrambisch    Öl auf Leinwand, 160 x 130 cm, 1971

–  contrary to all longings concerning my experiences in Berlin: nicht zu zerstören, sondern weiter durch versuchte Symbiose aufzubauen. – Deutsches Motiv? – Ich saß damals an der österreichisch-ungarischen Grenze!
„Das Aufregende an der Kunst ist doch auch, dass sie nicht ausstirbt, dass sie von einem zum anderen geht. Dass einer auf die Leistung des anderen aufbaut. Daher hat die Kunst eine so unendliche Überlebenskraft.“*
Markus Lüpertz´  Wege der Malerei hatte ich damals nicht vor Auge.
„In der Malerei gibt es keine Zeit. Man ist auch als 100-Jähriger jung, wenn man vital bleibt. Man ist als 30-Jähriger ein Greis, wenn man nichts mehr zustande bringt.“*
–  nun gut, meine Bemühungen gehen zur Halbzeit weiter… – siehe post FÜLÖP

* cit. Markus Lüpertz, Katalog Albertina

Nachfolgend ein kurzer Rundgang durch die Ausstellungsräume – klein aber fein – in der Albertina Wien:

ALBERTINA WIEN

MARKUS LÜPERTZ

METAMORPHOSEN DER WELTGESCHICHTE

11. März 2010 – 6. Juni 2010

Markus Lüpertz Serie Hl. Sebastian – Graphit laviert auf Papier

Markus Maillol mit Daphnen – bemalte Bronzen vor Mischtechniken

Markus Lüpertz Daphne 9 Bronze bemalt  2005

im Gang vor den Ausstellungsräumen von Markus Lüpertz´Kollege & Freund  Jörg Immendorf (1945-2007):  Bronzen, schwarz-grün patiniert, aus der Serie Malerstamm 2004-06:

unter “unsergleichen”                                     foto: © artstage

im Museumsshop: Oster-, Lüpertz & Dürer-Devotionalien

der frühling treibt stammknospen | sprachblüten …

…während Hans Holleins Soravia-Flügel schwingt ein / ausladend hin auf den Albertinaplatz: Alfred Hrdlickas “Skulpturenparkplatz” frisch restauriert & gereinigt:

es ist mir jetzt mit bald 50 “auf dem buckel” kein leichtes, die folgende erzählung, die ich vor mehr als 30 jahren salopp hinter meine schulter warf, wieder zu veröffentlichen. es ist mir auch nach wie vor unerklärlich, was mir damals den anstoß zur malerei gab und was mich die letzten jahrzehnte daran hielt, weiterzuarbeiten.  Ich weiß nur eins: für einen maler gibt es keinen schrecklicheren augenblick als den, in dem er merkt, dass ihm der antrieb zum malen verlorengegangen ist, dass er stagniert in seiner arbeit. mit der aus dieser arbeitshemmung gewonnenen erkenntnis, dass es der fülle des allgemeinen lebens nichts hinzuzufügen gäbe, sieht der maler seinen impetus per se zerstört: seine lebensberechtigung. – und dies wird keiner nachvollziehen können, der niemals einen pinsel zu dieser schlussfogerung gebraucht hat. jedenfalls habe Ich als noch nicht mal zwanzigjähriger bereits sämtliche klischees zur beschreibung dieses gemütszustandes bemüht. aus heutiger distanz muss ich sagen: leider mit suizidalem ausgang.


FÜLÖP
Das schwere Getöse der Stadt war zu leisem Lispeln gebrochen. Vögel setzten ihre scharfen Stimmen in die Luft, die von Sonnenschein überquoll. Fülöp saß unter den Dächern der Bäume und atmete die Herrlichkeit ein, die ihn umfloss, um das Gefühl der Schwer, das auf ihm lastete, aus seinem Leib zu treiben und in den Himmel zu schicken. Vor seinen Augen glänzten die sattesten Farben, frühlingsdurchflutete Luft zog darüber hinweg und Töne der Natur fielen vom Himmel. Auch Menschenstimmen drängten durch das Geäst, doch er hörte sie nicht, sie waren ihm wie Löcher im Käse: sie sind zwar vorhanden, aber man schmeckt sie nicht. Die Schönheit der Natur brach augenblicklich auf ihn ein, öffnete sein Herz und ließ ihn lächeln.
Fülöp sah dies alles mit den Augen des Malers. Er sah Farben, sah Licht und Schatten; und er nahm sich die Freiheit, die Natur auszubessern, wo ihm etwas zu blaß oder zu feurig erschien, setzte er Farbe hinzu oder nahm welche weg – seine Augen wurden zum Pinsel: hier mehr Ultramarinblau, da eine Spur weniger Karmesinrot, dort eine dichtere Schicht Chromgelb – und hie und da setzte er Lichtpunkte hinzu, um das Bild aufzuheitern. Seinen geübten Augen entging kein Fehler der Natur, und er freute sich darüber. Er war Herr über sie, konnte sie beliebig verändern und gestalten und musste keines ihrer Bilder als gegeben hinnehmen. Seine Gedächtnisbilder wurden bald so perfekt, dass sie für göttliche Wände bestimmt schienen; sie blieben dennoch den anderen fremd, auch wenn sie sich tief in sein Gehirn eingegraben hatten. Sobald er, von seiner Motivsuche zurückgekehrt, in seinem aAtelier versuchte, das Geschehene und Empfunden seinem Bilde im Gedächtnis gerecht nachzuvollziehen, stand er vor einem schwerwiegendem Problem: Seine Hände streikten, das Gedächtnisbild ließ sich nicht auf die Leinwnd bannen, und das Endergebnis war stets der Versuch eines diletierenden Sonntagsmalers. Aber dennoch lag der Atem der Natur, den er durstig eingesogen, feucht auf jedem seiner Bilder, Und die Käufer spürten diesen Hauch und freuten sich, ein Bild Fülöps zu Hause hängen zu haben.
Die Bilder gefielen also den Leuten, doch Fülöp war weit entfernt davon, Schönes auf seiner Leinwand zu entdecken. Er suchte gar nicht danach, er hätte wohl auch nichts gefunden, denn in ihm steckte nur das Abbild der Natur, und er pflegte alles damit zu vergleichen. Fülöp verkaufte daher seine Bilder sofort, wenn der Firnis getrocknet war, und Bilder, welche die Leute nicht zum Kaufe reizten, verschenkte er unter seinen Bekannten, um sie seinem eigenen Blickfeld zu entziehen und das perfekt gespeicherte Abbild in seinem Gehirn nicht durch den Anblick zu zerstören.
Fülöp hatte ein gutes Gedächtnis, er verlor auch keines seiner idealen Bilder aus seinem Kopf und war imstande, sie chronologisch geordnet aus seinem Gedächtnis abzuberufen – um es dann wieder in die Tiefe seines Gehirns zu versenken. Und wenn einmal ein solches Abbild aus dem Rahmen gefallen und verschwunden wäre, Fülöp hätte dies sofort bemerkt und sich auf die Suche begeben, wie jeder Hirte ein verlorengegangenes Schäfchen so lange sucht, bis er es in einer dornigen Hecke verstrickt findet.
Fülöp saß nun im Park der großen Stadt, hatte ein neues Motiv gefunden, ließ es auf sich einwirken und tiefe Rillen in sein Hirn prägen. Er wusste, dass er in seinem Atelier wieder vor der Schwierigkeit stehen würde, seine gesammelten Eindrücke wiederzugeben. – Doch was kümmerte ihn das nun, da er die prächtigsten Farben bereits im Kopf hatte und ein schillerndes Gemälde von ungeheuren Ausmaßen in seinem Kopf hing. Stundenlang war er nun schon gesessen, als er sich entschloss, das Gedächtnismalen zu beenden, denn er hatte seine Arbeit mit voller Befriedigung seiner selbst abgeschlossen, um sein Atelier im Getümmel der Häuserblöcke ausfindig zu machen. Er erhob sich von seinem Ruheplatz, ging durch den Wald von Stämmen und bedauerte schließlich, aus der Geborgenheit, die ihn im Wald umwoben hatte, auf den freien, frischen Kiesweg, der den Park mit seinem Netz gliederte, zu stoßen. Je näher die Stadt rückte, desto mehr Menschen liefen auf den Kieswegen und hasteten durch seine Bilder, durch all die Schönheit, die sie gar nicht zu sehen wussten wie er selber es verstand. Im Park wurde es lauter, und mit dem Namen der Stadt, deren Häusermeer wogte, Fülöp zusehends trauriger. Als sich das riesige Tor, das die Mauer durchbrach, welche den Park von der Stadt abgrenzte, vor ihm breitmachte, zögerte Fülöp, sein Paradies zu verlassen und in die Hölle der Stadt einzutreten. Hatte er doch die Schönheiten aus seinem Paradies erhascht und gleichzeitig die Furcht, sie hinter dem Tor wieder zu verlieren. Er festigte die Anker, an denen seine Bilder hingen, welche sie auch am Fortfliegen hinderten, und durchstieß mit gebeugt vorgestrecktem Kopf die Grenze.
Fülöp tappte durch die Röhren der Stadt, sah ringsum sich eingegrenzt durch Wände, Mauern, Gitter… hörte wieder die Stimmen der Menschen während dessen seine Bilder immer tiefer in sein Unterbewusstsein sanken. Die kalte Atmosphäre der ‚Stadt sog sich an seinem Kopf fest.
„Der heutige Tag will auch nicht vergehen“, hörte Fülöp einen Mann sagen. Und diese Worte brannten auf seinem Herzen, wie der da mit der Zeit umging als wär sie ein Trittball. Diese Worte schlossen alle Öffnungen, die kurz zuvor noch zu Fülöps Herzen geführt hatten. – Alles prallte daran ab.
Die Wände um ihn engten sich immer mehr ein, die Röhren, durch die er zu schreiten glaubte, schrumpften mit jedem seiner Schritte. Schlussendlich fand er Einlaß in einer Wand, öffnete eine Tür darin, schnell, riegelte sie hinter sich ab, presste seinen Körper an sie und atmete tief ein. Es war ihm als hätte er sich auf eine einsame Insel gerettet.
Auf dieser Insel war alles ziemlich ungeordnet. Auf dem Boden lagen Farbtiegel, Pinsel, Leinwandreste, Bücher, Zeitschriften. Fülöp las gern und viel, in den Regalen glänzten Buchrücken mit Namen wie Nietzsche in Goldlettern. – Wenn Fülöp kein Motiv gefunden hatte und dadurch nicht zum Gedächtnismalen gekommen war, versank er in die Zeilen seiner Bücher, mischte Gelesenes mit seinen Bildern, Personen wandelten sich durch den Glanz seiner Malereinen, Reime klangen in die Farben, die in seinem Kopfe staken. – Hatte er doch auch selber des Öfteren versucht, Reime zu formen und dabei stets gescheitert, konnte mit Pinsel und Farbe arbeiten, aber Feder und Wort waren bei jedwedem Versuch kalt geblieben: Die Feder wollte nicht so fließen wie der Pinsel über die Leinwand huschte.
Fülöp ließ sich in einen weichen Fauteuil fallen, er streckte die Füße über den Tisch und wollte das erst kürzlich Festgehaltene an Bildern vor seinen Augen wie einen Film abspielen. Allein – es gelang ihm nicht, sein Gehirn im Gedächtnis versagte, war doch grau und leer vom Gang durch die Röhren der Stadt.
Die umgreifende Öde färbte auf sein Herz ab, nun schwamm dieses grau und kalt in ihm, und er wusste nicht wie davon befreien. Zudem hatte sich die Stadt tief in sein Fleisch gekrallt mit ihrem Gewicht und wollte nun nicht mehr loslassen. – Fülöp rief buchstäblich nach seinen Bildern, schrie verzweifelt, fand sie nicht. Kramte in seinem Inneren, doch blieben sie verborgen in ihm selbst und offenbarten sich nicht.
Fülöp hatte seine Bilder verloren.
Schnell griff er nach einem Pinsel, sammelt die verstreuten Farbtuben, spannte ein großes Stück Leinwand auf einen Keilrahmen, stellte ihn auf seine Staffelei und begann in einem Zuge die grellsten Farben aus seiner Palette darauf zu spritzen.
Kräftig wühlte er mit seinen Pinseln in der Farbschicht, nahm wieder Farbe von der Palette, alle verfügbaren Farben wurden über den Canvas gewirbelt, mischten sich dabei untereinander, wurden dann von Fülöp nochmals dicker aufgetragen, verteilt, der Pinsel zuckend hindurch, kratzend an der Leinwand. Fülöp legte dabei eine Schicht auf die andere, grub sich in die untere Farbschicht, nahm weg, fügte hinzu.
Die Stunden verrannen und stürzten sich auf Fülöp wie ein Bergbach. Es war nicht leere Zeit, denn sie furchten tiefe Spuren in Fülöps Wesen, das hier trunken vor Eifer tobte. – Die Stunden brachten Vollendung. – Fülöp stand vor der Staffelei, legte Pinsel, Palette mit Farben nieder, wich einige kurze Schritte zurück und ließ das geschaffene Bild auf sich einwirken.
Es war Fülöps erstes wahres Bild. Es war eines seiner Gedächtnisbilder, nur jetzt ohne Gedanke. Prachtvoll eigenständig stand es vor ihm auf der zarten Staffelei. Aber plötzlich ging das Erscheinungsbild in Nebel über, ein Schleier fiel über Fülöps Augen, und er wusste nicht, wie ihm wurde – als ob sich Blei auf seine Glieder gesenkt hätte. Er fiel in den Fauteuil.
Fülöp schlief über Tage hindurch einen tiefen, klaren Schlaf. Als sich der Schlaf von ihm hob, sah er das Werk von wenigen Stunden vor sich stehen. –  Es ist eines meiner Gedächtnisbilder, dachte Fülöp und versuchte, den Ursprung in den Tiefen des Gehirns aufzustöbern. – Aber es fehlte, auch alle anderen, sie hatten sich allesamt losgerissen aus ihren Verankerungen, aus Fülöps Kopf geflüchtet. Seine ihm heiligen Bilder waren aus ihren Rahmen gefallen, hatten Fülöp ausgetrickst und ihn seines einzigen Lebensinhaltes beraubt.
Fülöp fühlte sich leer, sein Gehirn war zur leeren Wüste ausgetrocknet. – Dort auf der Staffelei stand jedoch eines seiner Bilder. Es glich dem Gedächtnisbild aus seiner Erinnerung aufs Haar, – nur dass es Wirklichkeit geworden war, seinen Kopf verlassen und seine Spuren auf der Leinwand gezogen hatte: Ein Bildnis der Natur selbst.
Auch die nächsten Tage erschienen die Gedächtnisbilder nicht mehr. Fülöp hatte auch die Gabe, die Natur selbst zu bessern und dadurch für sich zu läutern, nicht mehr in der Hand. Es war ihm entglitten, der Schlaf hatte alles ausgelöscht. Die Fähigkeit zu malen besaß er noch, aber die Bilder, die er malte, die waren leer, ausdruckslos und kalt wie die Stadt, in der er sein Atelier hatte.
Fülöp legte schließlich die Pinsel nieder, er konnte nicht mehr. Er hatte kein Leben mehr, und es wunderte schlussendlich auch niemanden, daß man eines Tages Fülöps Leiche aus dem grauen kalten Fluss zog, der sich träge durch die Stadt wand.