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Category Archives: essay

„Die Albertina“

foto © Albertina Wien

Eine aquarellierte Federzeichnung des Zeichners Jakob von Alt aus dem Jahr 1816 zeigt das Palais Albertina vom heutigen Standort des Hotel Sacher gesehen erhöht vor luftig leicht gegliedertem Wiener Weichbild. Heute liegt es mittig eng am Wiener Herzschlag neben dem von Alfred Hrdlickas skulpturenbesetzten Albertinaplatz zwischen Oper, Hotel Sacher & Volksgarten eingebunden. Dank des Flügels “Soravia Wing” aus Titan, von Architekt Hans Hollein über der Empore in den Himmel kragend gesetzt, hebt es sich jetzt aber wieder ein bisschen höher über all die historischen Bauten ringsum ab.

Der Albertinaplatz selbst war für mich immer eine der ersten Anlaufstellen bei meinen Wienbesuchen aus dem Ausland. Nicht weit von Kunstakademie, Naschmarkt, den Cafés Museum, Hawelka, Alt-Wien & Kleinem Café. Mit Anzingers Bonbons, mit denen man sich bei mitgebrachten Gästen gleich auf gut wienerisch einschmeicheln konnte – oder dem besten Zwetschken-Streuselkuchen Wiens zur Melange im Café Tirolerhof daneben. Dabei bot sich das die Wiener Kulturpolitik polarisierende Skulpturenensemble „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ des letzten Jahres verstorbenen Bildhauers Alfred Hrdlicka als Diskussionsanstoß an. Oder die zahllosen Glas-, Metall- & Splitt-Container daneben – Verschandelung oder Ausdruck einer lebendigen Stadt?

Das klassizistische Palais Albertina dort hatte mich Jahre zuvor als Kunststudent kaum zum Betreten eingeladen, man wusste Bescheid über die historisch bedeutungsschwangere grafische Sammlung, deren Bedeutung wie jedem österreichischen Schüler auch mir schon in der Volksschule über Albrecht Dürers Feldhasen auf einem Zeichenblock ins Unterbewusstsein eingebläut wurde:

der “Ursus-Hase” & der Osterhase im Museumsshop der Albertina:

Ein neues Logo aber, ein walfischähnliches Fabelwesen, verführte den Kunststudenten dann doch dazu, in dem im Gebäude der Albertina untergebrachten Filmmuseum einen Vortrag des Filmemachers Peter Kubelka oder den neuesten Kurzfilm des Kanadiers Michael Snow zu besuchen.

Metamorphosen im und ums Haus

Heute ist das alles ein bisschen anders: Der Hrdlicka fällt einem nur auf, weil seine Skulpturen sich gewaschen und vermehrt haben, die Gäste aus dem Inland wollen zu den Ausstellungen „Markus Lüpertz´ Metamorphosen der Weltgeschichte“ oder „Cars“  von Andy Warhol in die Albertina, fürs Kaffeehauspendeln oder Filmeschauen hat man weder Muße noch Zeit. Einzig der Anzinger und der Tirolerhof sind als profane Gustostückerl geblieben.

Corriere della Siera zur Melange im Tirolerhof

„Die Albertina“ wurde so benannt nach dem Begründer der Sammlung, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, dem Schwiegersohn Maria Theresias, der von 1770 bis zu seinem Tod 1822 systematisch an die 14.000 Zeichnungen und 200.000 druckgrafische Blätter zusammentrug. Heute hat ein reger Museumsdirektor in dem alt-ehrwürdigen Haus eine zeitgemäße Ausstellungsmaschinerie in kurzer Zeit so versteckt untergebracht, dass man sich nur wundern kann, was da alles an Kunst aus jeder Zeit an Raum und Beachtung findet: Seit der Jahrtausendwende hat der Linzer Kunsthistoriker Klaus Albrecht Schröder aus dem Museum der Sammlung, Bewahrung & Pflege eines sowohl für Kunstliebhaber wie auch für Künstler selbst geschaffen. Oft gegen die Bedenken von Denkmalschützern, Restauratoren, Kunsthistorikern und Museumsexperten schuf er bauliche und thematische Querbezüge, die manch fachlichen Puristen nicht erfreuten, aber etliche Kreative ins Haus lockten.

Rekorde, Unwetter und Nischen

Immense Besucherzahlen sprechen jedoch für sich: Bereits die erste Ausstellung im Jahre 2000 „Cezanne: Vollendet – Unvollendet“ brachte über 300.000 Besucher ins Haus, Albrecht Dürer bescherte 2003 bereits fast eine halbe Million, mit Van Gogh wurde 2008 diese Zahl überschritten und damit beinahe eine Million Menschen in die Albertina gebracht.

“action hero” painter Van Gogh as playmate for kids – to find in the museum´s shop

Im Österreichischen Fernsehen begeht der Direktor publikumswirksam mit dem Kabarettisten Alfred Dorfer die Schau, die „Freunde der Albertina“ werden über Mitgliedschaft, Veranstaltungen & Führungen „als Teil einer lebendigen Kunstszene“ in die Museumsarbeit miteinbezogen, webtauglich wird kommuniziert: „Albertina Fans ist bei Facebook“. Selbst nach der Gefährdung der grafischen Sammlung durch die Unbill eines Wassereinbruchs im Sommer 2009 wurde dem nachfolgenden Schwall an Kritik über die Bauänderungen durch rechtzeitige Rettungsmaßnahmen mit Bravour Einhalt geboten. 950.000 Werke der graphischen Sammlung waren betroffen und Michelangelo, Dürer und Rembrandt wie auch Picasso und Baselitz für die Nachwelt ohne Schaden bewahrt.

Jörg Immendorf: Kopf einer Bronze aus der Serie “Malerstamm”

Wenn da nicht noch die interessanten Nischen zwischen den Highlights wären…: über ein Zugpferd wie den Star Andy Warhol werden Zeichnung und Airbrush-Arbeit von Robert Longo, Videofilme von Silvie Fleury und durch digitale 3D-Technik entwickelte Skulpturen von Vincent Szarek  vorgestellt. Zur aktuellen Ausstellung „Markus Lüpertz´ Metamorphosen der Weltgeschichte“ wird man über die Skulpturengruppe „Malerstamm“, Bronzen des deutschen Malers und Bildhauers Jörg Immendorf geführt. Und wenn man weiß, dass Lüpertz und Immendorf ein künstlerisch-freundschaftliches Verhältnis verbunden hat, bekommt der öffentliche Raum der Albertina einen beinah persönlich-privaten Touch – trotz dem öffentlichen “Eklat” der letzten Tage rund um “einen Zentimeter” durch den Oberaufseher Wolfgang Dorn verschobene Tafeln eines Ensembles von Silvie Fleury.

René Desor für PANNOrama

Albertina

Albertinaplatz 1,  A-1010 Wien,  Tel.: +43 (0)1 534 83

Öffnungszeiten Museum und Shop:

Täglich 10.00 – 18.00 Uhr   Mittwoch 10.00 – 21.00 Uhr

MARKUS LÜPERTZ – METAMORPHOSES OF WORLD HISTORY

siehe auch post: amidst Markus Lüpertz´metamorphoses

bis 6. Juni 2010

nächste Ausstellungen:

ALEX KATZ – PRINTS

28. Mai 2010 – 19. September 2010

HEINRICH KÜHN – DIE VOLLKOMMENE FOTOGRAFIE

9. Juni 2010 – 5. September 2010

WALTON FORD

18. Juni 2010 – 10. Oktober 2010

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„Das Nachzuahmende wird nicht leicht erkannt.“ (J. W. v. Goethe, aus Wilhelm Meisters Lehrjahre)

„Werde der, der Du bist!“

Schon als 16-Jähriger Schreibender auf Sinnsuche griff ich zu den Büchern Also sprach Zarathustra & den Dionysos-Dithyramben des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche. Erst viel später wurde mir klar, vor allem als ich mitbekam, dass Nietzsches letztes Werk, die Dionysos-Dithyramben 1888 erst kurz vor seiner „geistigen Umnachtung“ geschrieben hatte, warum mir diese Werke angesehen von der bildsprachlichen Lehre bei meiner jugendlichen Sinnsuche nicht all zu sehr geholfen hatten: ich hatte selbst noch zu wenig erfahren im Leben. Aber Sätze wie „…Und hier wird auch mit Einem Male die Aufgabe der modernen Kunst deutlich: Stumpfsinn oder Rausch! Einschläfern oder betäuben! Das Gewissen zum Nichtwissen bringen, auf diese oder die andere Weise! Der modernen Seele über das Gefühl von Schuld hinweghelfen, nicht ihr zur Unschuld zurück verhelfen! Und dies wenigstens auf Augenblicke!..“ hatten sich dem jungen Hirn eingeprägt – Da zerriss jemand den traditionellen Kontext in Sprache und baute Neues damit auf. Das musste ja auch in der Malerei möglich sein. Im „Dionysischen Rausch“ warf ich mich auf die expressive Malerei, den kommerziellen Erfolg der „Neuen Wilden“ in Deutschland und auch Österreich bestärkend im Rücken. 1984 wachte ich in Berlin/Kreuzberg auf: Ich stieß auf eine Schwebende Dithyrambe, auf eine so betitelte Leinwand, bereits in den 60er Jahren bemalt und von „MARKUS“ signiert. Ein visueller Dithyrambus, ein ekstatisches Loblied auf den Gott Dionysos aus der griechischen Antike.

Markus Lüpertz Dithyrambe – schwebend 1964 Courtesy Galerie Michael Werner Berlin Köln NYC

Dieser Markus hatte es  offenbar geschafft, der richtungslosen Ekstase, in der ich mich befand, eine Form & Farben zu geben – und dies schon 20 Jahre zuvor. Meine eigenen Versuche kamen mir plötzlich vor, als hätte ich versucht, den Dionysischen Ausdruck rein durch die Zerstörung und Überwindung der apollinischen Versuchung zu erreichen,  sah da Fetting, Middendorf, Salomé, Zimmer im gleichen Bemühen verstrickt & da kam dieser Markus so frank & frei aus entgegengesetzter Richtung & setzte eine gänzlich neue Form vor meine Augen!

„werde der, der du bist und lebe!“

Ein dejá-vu ähnlicher Art mit Markus´ Werk hatte ich gestern in der Wiener Albertina bei der aktuellen Präsentation Metamorphosen der Weltgeschichte/ Metamorphoses of World History. Diesmal „bloß“ eine Ähre und ein paar Reifenspuren auf Papier:

© foto: Albertina Wien

Die Ähre steht einfach prägnant überdimensional 159 x 124 cm auf einem ziemlich monochromen weißen Hintergrund mit ein paar raschen Pinselstrichen “hingemalt”, auf dem unteren Bild durchziehen Reifenspuren eine Landschaftsserie Ohne Titel (Deutsches Motiv – Reifenspur, 1966) hinweg über kleine Papierblätter:

1988 hielt ich diese beiden Elemente kurz nach meiner Rückkehr aus Berlin aufs österreichische Land in Öl auf Leinwand fest. Unter dem Titel “DAS LAND WIRD GEDACHT – DIE MUTTER UNSERER EISERNEN HERZEN”  versuchte ich, die Metamorphose eines Traktorreifens in die Gestalt einer Ähre bildlich zu binden. –

Andreas Roseneder  Das Land wird gedacht – Die Mutter unserer eisernen Herzen Öl auf Leinwand 100 x 140 cm, 1988

eine andere Ähre Lüpertz´, gefunden auf Ernst Vollands blog bei blogs.taz.de:

Markus Lüpertz Ähre dityrambisch    Öl auf Leinwand, 160 x 130 cm, 1971

–  contrary to all longings concerning my experiences in Berlin: nicht zu zerstören, sondern weiter durch versuchte Symbiose aufzubauen. – Deutsches Motiv? – Ich saß damals an der österreichisch-ungarischen Grenze!
„Das Aufregende an der Kunst ist doch auch, dass sie nicht ausstirbt, dass sie von einem zum anderen geht. Dass einer auf die Leistung des anderen aufbaut. Daher hat die Kunst eine so unendliche Überlebenskraft.“*
Markus Lüpertz´  Wege der Malerei hatte ich damals nicht vor Auge.
„In der Malerei gibt es keine Zeit. Man ist auch als 100-Jähriger jung, wenn man vital bleibt. Man ist als 30-Jähriger ein Greis, wenn man nichts mehr zustande bringt.“*
–  nun gut, meine Bemühungen gehen zur Halbzeit weiter… – siehe post FÜLÖP

* cit. Markus Lüpertz, Katalog Albertina

Nachfolgend ein kurzer Rundgang durch die Ausstellungsräume – klein aber fein – in der Albertina Wien:

ALBERTINA WIEN

MARKUS LÜPERTZ

METAMORPHOSEN DER WELTGESCHICHTE

11. März 2010 – 6. Juni 2010

Markus Lüpertz Serie Hl. Sebastian – Graphit laviert auf Papier

Markus Maillol mit Daphnen – bemalte Bronzen vor Mischtechniken

Markus Lüpertz Daphne 9 Bronze bemalt  2005

im Gang vor den Ausstellungsräumen von Markus Lüpertz´Kollege & Freund  Jörg Immendorf (1945-2007):  Bronzen, schwarz-grün patiniert, aus der Serie Malerstamm 2004-06:

unter “unsergleichen”                                     foto: © artstage

im Museumsshop: Oster-, Lüpertz & Dürer-Devotionalien

der frühling treibt stammknospen | sprachblüten …

…während Hans Holleins Soravia-Flügel schwingt ein / ausladend hin auf den Albertinaplatz: Alfred Hrdlickas “Skulpturenparkplatz” frisch restauriert & gereinigt:

Andreas Roseneder   snow-self-portrait temporary sculpture 2010

Lovis Corinth death & artist,  danse macabre 1921

self-portrait

a self-portrait is a reference of the artist to the nearest – & himself inherent – appearance of form of human life.  reflecting the meanings of life on the canvas of his own face he seeks sympathy or rousing attention of other beholders: best case the mirror image of his own scarfaced „drawn by life“ human facade as understandable interpretation of general life´s circumstances.

the self-portrait could be seen as an effective attempt of an artist for attentiveness or advertising himself, too. – or the artist´s focusing the status quo as biographical notice of his artificial work.

finally artists often start an obsession at the end of their life & carreer in reflection of themselves faced with nearing death; they look back & bring up central themes of their artwork in confrontation with final selection of human destiny, a last stock-taking under supervision of Father Time. Death haunts everybody, even the beauty.

in that case I just felt the childish longing to form my environment without implements but my body & its characteristic features. my only thought was to captivate the fate of melting away like snow at the moment. just me, alone, fading away in natural surroundings, that made the game more interesting.
but curious I am, next day I could not help to return to the scene of yesterday´s performance: the night´s wind had changed the prints & inserted them as elements into natural environment. – I cannot deny I felt in selfish vanity importance to save some images for posterity by shooting some photos of the scene.

Lovis Corinth, 1896. Flesh and bone



see also post: mein flecken land

Andreas Roseneder   finch on ice interference acrylic on poliethylen masterBatch 2010

some of the bird´s feathers still ahere to the windowpane he flaped against & let its body die on the glassroof beneath

seasonal aggregates I
winterwatercolourpainting

the paper tightened on a board streched on frozen snow: stress from the first moment. cold water in a cup getting a thin ice-layer on surface. I break twith a watered & frozen brushtip through the iceskin , moving the brush to defrost it in the icy water. the prepared dissolved watercolours in their metalbox are nearly frozen too, the tip of he brush must absorb them at the moment with one movement & paint the paper by rush wipers: the colours slowly run over the surface & get chilled imediately on the paper: the second stroke already moves along an icetrack, must be done fast, the third or fourth the tip of the brush will be frozen again & stop the painting. time to camber the board with the paper to crush the icelayer where wanted, to defrost the tip of the brush & the metalcase with the colours to start the proceeding a second time. doing that the colour will freeze on the first layers, colour the spots without ice  & sink into the crevices of the broken layers to the bottom of paper. in the best case you will see developing iceflowers. to conserve them on the paper keep it some days outside at weather conditions of minus degrees – the icelayers have to evaporate slowly to keep the tender & vulnerable flowers.

see also post: das obsolete aquarell

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“Der Kurator ist der Diener der Künstler”

Dr. Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle im Wiener Museumsquartier, hält das Interview für “eine besonders geeignete Form der Auseinandersetzung zwischen künstlerischem Urheber und dessen Distributor”. Ich treffe ihn für PANNOrama zu solcher Gelegenheit mit zur Reise vorbereitetem Lederköfferchen im Wiener Büro, kurz vor seinem Abflug zur Frieze Art Fair nach London.

Von Wien in die Welt und zurück

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Kurz zuvor besuche ich die aktuell in der Kunsthalle Wien laufende und von ihm kuratierte Ausstellung  “1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft? – Anmerkungen zum Epochenbruch”. Dort treffe ich über die Bricolage* Alte Welt : Neue Welt auf den Allgäuer Künstler Stephan Huber, dessen sculpturale Arbeiten ich noch aus meiner Münchener Zeit kenne. Eine surreale grafisch-literarische Reinszenierung des virtuellen Raumes der klassischen Kartografie über eine sich eine verändernde Welt  überrascht mich hier als intellektuelle Navigationshilfe. In einem extra bespielten Raum bekomme ich dann mit der Raum-Videoinstallation der englischen Zwillingsschwestern  Jane & Louise Wilson einen Einblick in die Räume der ehemaligen Verwaltungsgebäude des DDR-Staatssicherheitsdienstes – eine poetisch sensible, auf mich  beklemmend klaustrophobisch wirkende künstlerische Arbeit Stasi City von 1997:  Einblicke über das Auf- & Ab des Paternosters in  Überwachungsräume und Verhörzellen. Ein emotionaler flashback für mich, Erinnerung an die zwei Jahre, die ich aus meinen Atelierfenstern in West-Berlin/Kreuzberg auf die Mauer und dahinterliegende Gebäudekomplexe der real existierenden DDR geschaut habe.

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35 künstlerische Positionen aus 20 Nationen in Ost und West sind in der Ausstellung vertreten. Im Nachhinein werde ich Gerald Matt fragen, wie er als Kurator einen solch komplexen Umfang an Arbeiten rekrutiere.  “Ich habe diese oft schon lange zuvor gesehen. Ein nachhaltiges Gedächtnis befähigt dann zu solchen gezielten Positionierungen.” – In diesem Sinne trifft er dieser Tage Oscarpreisträgerin Tilda Swinton, die mit ihrer neuesten Arbeit “The Invisible Frame” auf der Viennale gastiert, wo sie als “ Derek Jarmans Brutal Beauty”  selbst als Muse und Protagonistin auferstehen wird.

GM Foto: Rüdiger Ettl/Kunsthalle wien

“Annus mirabilis”

1989.

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Die Jahreszahl ist für mich selber ein privater, gesellschaftspolitischer und beruflicher biographischer Markstein: über längere Aufenthalte aus Berlin und München kommend im burgenländischen Wulkaprodersdorf ansässig und kurz vor meinem Umzug nach Prag. DDR- BürgerInnen nutzen am 19. August an der Grenze zwischen den benachbarten Orten St. Margarethen und Sopron das “Paneuropäisches Picknick” zur Flucht nach Österreich. Die sogenannte “Samtene Revolution” beginnt am 17. November als Volksaufstand in der Tschechoslovakei. Ein Jahr darauf werde ich selber schon mein Atelier in Prag bezogen haben, die Mittlerin, die slowakische Künstlerin Irena Mudrová, wird schon in Berlin weilen. Die mitteleuropäische Kunstwelt wird kurzfristig aber nachhaltig neu “durchmischt”. Selbst Politiker sind mit von der Partie. In “meiner” Vinárna (Weinstube) um die Ecke treffe ich danach öfter auf den tschechischen Präsidenten Vázlav Havel im Gespräch mit Künstlern.

Vitrine statt Container

Bei meinen damaligen Wienbesuchen stoße ich auf dem Karlsplatz, zwischen Sezession und Technischer Universität auf ein gelbes Containergebäude mit interessant zeitgenössisch “jungem” Ausstellungsprogramm. Von Adolf Krischanitz ursprünglich temporär geplant,, ändert dieser Container seit 1992 dermaßen die Wiener Kunst- und Ausstellungsszene, dass 2001 im neuen Museumsquartier eine Kunsthalle eröffnet wird, die Keimzelle des Containers wandelt sich später in einen Glaskubus. “Unsere Vitrine”, verbessert mich Gerald Matt, als ich den “Container” anschneide, ”sie beherbergt heute das project space und spricht vor allem Besucher unter 40 an”. Letztens erst habe ich im Vorbeifahren Verbalinjurien wie “… Tex Rubinovitz ist ein Fischverunstalter … Gerald Matt ist ein Steckdosenbefruchter …” auf LED-Band über der Kunsthallenvitrine laufen sehen, eine künstlerische Aktion des Cartoonisten Tex Rubinovitz. – ganz in österreichischer Tradition der Publikumsbeschimpfung durch Peter Handke und der “Nestbeschmutzung“ von Thomas Bernhard. Gerald Matt goutiert offensichtlich diesen Affront  gegen ihn selbst, macht dabei gerne mit. “Als nächstes kommt Gerhard Rühm zum Zuge”, sieht er literarische Schwerpunkte als wichtige Bezüge zum aktuellen visuellen Kunstgeschehen. “Da passieren täglich an die 50.000 Autos, ein idealer Projektionsstandort!”. Diese Kontroversität spiegelt auch das Innenleben der Kunsthalle.

Der Kurator und der Künstler

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Der Kurator ist auf dem Sprung zur Kunstmesse nach London. “Eine Viertelstunde”, hat er kurz zuvor unser Treffen mit Blick auf die Uhr terminisiert, aber nach einer halben Stunde sind wir noch im Gespräch: Die Kunstvermittlung ist ihm ein Anliegen: für Kinder, Jugendliche und vor allem Studenten sieht er den public space als praktischen Ort für kreative Verwirklichung –  als “Traumlösung“. Durch die NYTimes mit dem Siegel “Mekka für zeitgenössische Kunst” geadelt und über eine Besucherzahl von 179.000 Kunstinteressierten im letzten Jahr wird er darin bestätigt.

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Gerald Matt zeigt seinen noch ungepackten kleinen ledernen Reisekoffer alter Machart her. Der Anblick ruft in mir eine Installation von Pavel Althamer, die ich vor drei Jahren in der Fondazione NicolaTrussardi, in der Arena Mailand gesehen habe, hervor: Der Künstler mit ein paar Habseligkeiten im Koffer wohnend. Das reelle Kuratorenleben scheint dem fiktiven Künstlerleben augenblicklich sehr nahezustehen: “Der Kurator ist nicht der Künstler, sondern der Diener des Künstlers.” – Diesen nachklingenden Satz nehme ich beim Abschied als bedeutungsschweres Andenken mit. – In einem leichten Rucksack.

*
Bricolage (manchmal auch sampling genannt) bezeichnet in der Jugendkultur die Technik, Gegenstände in einen neuen Kontext zu stellen, der nicht den ursprünglichen Normativen entspricht – Kleidung, Symbole und Embleme künstlich zusammenzustellen. Dabei kann deren ursprüngliche Bedeutung verändert oder sogar aufgehoben werden. Diese Begriffsverwendung von Bricolage geht auf den Ethnologen Claude Lévi-Strauss zurück, der 1962 sein Konzept des „Wilden Denkens“ („nehmen und verknüpfen, was da ist“) vorstellte und diesen Begriff so in die Sozialwissenschaften einführte. Für ihn ist Bricolage die nicht vordefinierte Reorganisation von unmittelbar zur Verfügung stehenden Zeichen bzw. Ereignissen zu neuen Strukturen.

link:
www.kunsthallewien.at

Buchtipp:
GM1
Interviews                        (Die Presse)
Band 1, 2
Gerald Matt interviewt Künstler unterschiedlichster Herkunft
“Kunst darf nie populär werden, das Publikum muss künstlerisch werden” (Oskar Wilde)
KUNSTHALLE wien
Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln

Ausstellungen:

1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft? Anmerkungen zum Epochenbruch
KUNSTHALLE wien halle1
Museumsplatz 1 1070 Wien
09. 10. 2009 – 07. 02. 2010

leuchtband: Gerhard Rühm „fiktive Ereignisse“
KUNSTHALLE wien public space
01. 10. 2009 – 28. 02. 2010

sculptur: Not Vital “Schlafendes Haus”
KÖR am KUNSTHALLE wien public space Karlsplatz
30. 10. 2009 – 15. 04. 2010

Videorama – Kunstclips aus Österreich
KUNSTHALLE wien
04. 11. 2009 – 10. 01. 2010

René Desor für PANNOrama 009 06

see also recent post: the curator´s house

last week I commuted every day between factory & nature, at first forming new polyethylen MasterBatches for my art-patches at SAXpolymers factory, then cutting trees & hedges in our homegarden, at least spreading out for mushrooms in the woods, thinking rhizoms – by the way – I always felt accompanied by French philosophers´thoughts I recognized first time in the 80th´s of last century:

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…Wir sind des Baumes müde. Wir dürfen nicht mehr an die Bäume glauben, an große & kleine Wurzeln, wir haben genug darunter gelitten. Die ganze Baumkultur ist auf ihnen errichtet, von der Biologie bis zur Linguistik. Nur unterirdische Sprößlinge sind schön, politisch und verlieben sich…*

rhizom2

…Der Baum & die Wurzel zeichnen ein trauriges Bild des Denkens, das unaufhörlich, ausgehend von einer höheren Einheit, einem Zentrum oder Segment, das Viele imitiert….*

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…Seltsam, wie der Baum die Wirklichkeit und das gesamte Denken des Abendlandes beherrscht hat, von der Botanik bis zur Biologie, der Anatomie, aber auch Erkenntnistheorie, Theologie, Ontologie, der ganzen Philosophie…: der Wurzelgrund, Grund, roots & foundations…*

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…Wir haben nicht vor, eine Schule zu gründen; auch Schulen, Sekten. Cliquen, Kirchen. Avantgarden & Arrièregarden sind Bäume, die in ihrer lächerlichen Erhabenheit & durch ihren lächerlichen Sturz alles zermatschen, was sich Wichtiges ereignet…*

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…Zu n, n-1 schreiben,  Schlagworte schreiben: macht Rhizom, nicht Wurzeln, pflanzt nichts an! Sät nicht, stecht! Seid nicht eins oder viele, seid Vielheiten! Macht nie Punkte, sondern Linien! Geschwindigkeit verwandelt den Punkt in eine Linie! Seid schnell, auch im Stillstand! Glückslinie, Hüftlinie, Fluchtlinie. Laßt keinen General in Euch aufkommen! Macht Karten, keine Photos oder Zeichnungen! Seid der rosarote Panther, und liebt Euch wie Wespe & Orchidee, Katze & Pavian…*

*Textzitate aus: Gilles Deleuze / Félix Guattari:    Rhizom ,   Merve Verlag Berlin 1976

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delete  ON / OFF  &  feed  H / B

Ctrl yourself  –  dieser kurze link , über die abbildung der Strg-taste einer computertastatur & “selbst” in weißen lettern prangend auf dem mintgrünen T-shirt eines kaffeehausbesuchers gesehen in Chalandri, einem schicken Athener stadtteil, entfachte diesen sommer beim glas Ouzo einen gedankensturm auf meiner cerebralen festplatte: erst tage zuvor hatte sich darauf der satzfetzen

“…to burn out all visions may reset  the artist to the start…”

eingebrannt gemeinsam mit

“…no work but progress…”

& nun kam da plötzlich ein attischer bürger mit einer offensichtlichen losung auf der brust daher, die das e zu einer plausibel erscheinenden loesung einzufügen schien, was für mich einer empfehlung gleichkam, den entscheidenden delete-button am dashboard des blogpits zu drücken. – selber hatte ich zwei jahre zuvor den blogpit (pit ohne cock, dafür mit dem kürzel für weblog) für mich als schreibenden gefunden, als ersatz für den verlorenen “klassischen” schreibtisch. Die schreibunterlage war im zuge meiner schreiberischen arbeit sozusagen verlustig gegangen, wo ich mich doch als blogger mit meinem blog “poesis & crisis” elektronisch ständig “auf Draht” über funk schrift-stehlerisch mit der welt verbunden gefühlt hatte. Dies hat in folge mein ursprüngliches autorenleben, für das der bleistift- & kugelschreiber-kontakt zum papier immer seismographisch lebensnotwendig war, einigermaßen korrumpiert und die sogenannte “haptische” ebene des lesens auf news-niveau geschraubt, auch damit jene des schreibens auf post-niveau.
Dabei hatte ich diese zwei jahre zuvor auch kein verständnis für die “avantgardistischen” laptop-anarchisten, sah in ihnen jene nun erwachsenen kinder aus meiner Jugend, die damals ihre stamm- & tagebücher mit schlüsseln absperrten. Ich habe sie zugegebener maßen damals dennoch beneidet. Um den schlüssel natürlich. Wie danach um den laptop, auch wenn ich ihn für mich selber nicht wollte, denn ich hatte seit der jahrtausendwende einen einfachen PC zur textverarbeitung und bildbearbeitung liebgewonnen (wenn auch diesen lebensabschnittspartner vor kurzem durch einen nettop PC ersetzt). Für jedermann zugänglich. Den laptop muss man zwar auch nur „auf- & zuklappen”, aber trotzdem verhält es sich wie mit dem schlüssel damals: Die insignie der herrschaft über auf & zu, an & ab gibt dem ganzen, das da drinnen stehen mag ein gewisses gewicht an bedeutung… – Nur zeitgemäß mit möglichen elektronischen verschlüsselungen.

Soviel ich weiß, sind viele dieser tagebücher auf irgendwelchen dachböden verschwunden, & wenn sie dann mal unvermutet auftauchten, war kein Sshlüssel dran. & dann entdeckte man in der werkstatt im keller verschiedenste schachteln mit so genannten kleinteilen: schrauben, nägel & eine unmenge an schlüsseln in jeder form & größe. Von denen hat natürlich keiner gepasst. Da blieb nur noch die gewalt der zange. – & diese ganze mühe für das lesen ein paar abstruser gedankengänge!

Der blogpit-captain selber bleibt von haus aus im geheimen, auch wenn er mit seiner botschaft gleich direkt rausrückt. – & man weiß ja nie, wer die maschine ins Bermuda-dreieck fliegt, auch wenn der captain per durchsage die passagiere zu beruhigen versucht, dass „das Bermuda-dreieck bloß eine viel zitierte mär seit seefahrerzeiten” sei. Da kann sich dann jeder seine eigenen gedanken dazu machen, die “seefahrerzeit”  vorstellen oder der geschichte virtuell vielleicht auch noch was dranhängen.
Was man vom laptop-user ja nicht unbedingt sagen kann. Dieser zeigt einem aktuell auch in traditionell abgewetzter Wiener kaffeehaus-möbelage mit klassischer tageszeitungsleseverschleißstelle virtuell gebroused die neuesten anflugschneisen auf Singapur. Inklusive GPS-grafik selbstverständlich. Das haut einen natürlich im ersten moment um – flashback zurück auf den Wiener Karlsplatz mit all seinen umtrieben.

Vielleicht sollte ich jetzt wieder einen einfachen schulbleistift hernehmen, um das auszusprechende über die reine schrift zu äußern. Oder den beliebten HB-stift, die  quicklebendige quintessenz der 9-er reihe H & B, mich dabei wundern, dass sich F in die auf- & ab-sequenz HB geschoben hat. – nicht ohne zuvor all die letzten sätze mit dem delete-button in das schwarze loch des virtuellen cyberspace geschickt zu haben. – artstage sei dank!

ein Beitrag für: schriftbilder / Literaturhaus Mattersburg

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IM FEENREICH – Schloß Esterházy in Fertöd

Es scheint ein märchenhafter Wink zu sein, dass Tünde uns empfängt im Foyer des Schlosses. Der ungarische Frauenname Tünde heißt Fee im Deutschen, klärt sie uns auf, – eine Schöpfung des Dichters Vörösmarty Mihály für das Drama “Csongor és Tünde”. Zudem hat der deutsche Dichter Wolfgang von Goethe die Wortkombination  “Esterházysches Feenreich”  kreiert – in Anspielung auf die Huldigungen durch großartig angelegte Feierlichkeiten des Fürsten Nikolaus I Esterházy als Krönungsbotschafter für Kaiser Joseph II. Er wird in der Esterházyschen Genealogie “der Prachtliebende“ genannt. Und in der laufenden Ausstellung, die gänzlich diesem Sproß der Familie gewidmet ist, hat man noch bis Ende September 2009 die Gelegenheit, zum Abschluss einen Abglanz der Kulissen und pyrotechnischen Zaubereien auf eine Videoleinwand gebeamt nachzuempfinden. Wahrhaft märchenhaft und prächtig!

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umfasst im Hufeisen

Die Fahrt Richtung Fertöd (ehemals Esterháza) geht über die offene grüne Grenze in St. Margarethen, erst am 26. Juni dieses Jahres haben sich hier die hochrangigsten politischen Vertreter beider Länder Österreich und Ungarn zum Gedenken “20 Jahre Fall des Eisernen Vorhanges”  und des “Paneuropäischen Picknicks” getroffen. Also kann jetzt manch Reisender um den See hier einen “Abschneider” nach Fertöd nehmen – auch nördlicher im Seewinkel über Pamhagen ist ein solcher möglich.

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Schon beim Eintritt durch das breite Schmiedeeisenportal wird der Besucher durch die einladend offene Hufeisenform des Baues umarmt. Dadurch fühlt er sich trotz der immensen Anlage des historischen Rokokobaues vielleicht nicht ganz verloren. Bei anschließendem Näherkommen und Betreten der Prunksäle kann man aber dieses erste Sicherheitsgefühl schnell wieder verlieren – Schloss Esterházy, auch gern als das “ungarische Versailles”  bezeichnet – will beeindrucken wie das Vorbild.

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Schichtkaffee und Bahnübergang

Tünde verwöhnt uns im Büroraum am Ende eines endlos scheinenden und prunkvoll ausgestatteten Ganges Caffe Macchiato. Sie nennt ihre Milch-Kaffee-Milchschaum-Kreation “Schichtkaffee“. Wir werden Frau Erna Udvardi anvertraut, sie wird uns als deutschsprachige Fachfrau durch die Schlossräume führen.

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Diese entschuldigt sich zuerst in korrektem und beinah akzentfreiem Deutsch über ihre mangelnden Kenntnisse der Sprache. In Ungarn habe ich mich als österreichischer Besucher durch dieses Understatement schon des Öfteren entblößt gefühlt: Selbst im Grenzbereich aufgewachsen und die Ungarischkenntnisse auf Köszönöm szépen! – Danke schön!  oder néma – sprachlos kurz gehalten, – und dann gab mir einmal eine Frau in Sopron, die sich vorab des Deutschen als nicht mächtig bezeichnete, als Antwort auf meine Frage nach dem Weg mit: Bahnübergang und dann nach links abbiegen!
Erna meint, sie hätte erst vor ein paar Tagen den deutschen Botschafter durch die Räume geführt, wir seien ihre zweiten Gäste und sie sähe die Sache als Test für ihre zukünftige Arbeit hier an. Wir nehmen es ihr nicht übel, so prominent nach dem Herrn Botschafter gereiht zu werden.
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Spieglein, Spieglein an der Wand

Es wäre jetzt müßig, nachfolgend die Führung in Chronologie der Gänge, Räume und Säle aufzuzählen: allzu sehr verliert man sich hier, aber die Details und die Geschichten, die Erna dazu erzählt! –

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– Kaiserin Maria Theresia war auch da. Ihr damals hergerichtetes Bett hat man letztes Jahr nach alten Fotos rekonstruiert. Wie auch alle historischen Einrichtungsgegenstände aus ganz Ungarn neu zusammengetragen werden mussten, da russische Soldaten während der Besatzungszeit sämtliche verheizt hätten, die Parkettböden und Gemälde inklusive.

f18 – in der nachfolgenden kommunistischen Zeit wurden in der Sala Terrena und den unteren Räumen Traktoren auf den Marmorböden repariert. –

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– und hier der Kaiserin Himmelbett, gegenüber an der Wand ein gold gerahmter Spiegel, in den zu schauen ewige Jugend verspräche! – Jedem?

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Haydn, Kunst und Blumen

Eine Tulpenvase steht auf einem Tischchen. Sie hat nur fünf Öffnungen. Tulpen hatten damals einen horrenden Preis.

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Nikolaus beschäftigte in den Gartenanlagen  50 Gärtner, die wöchentlich 60.000 Blumen neu auspflanzten. Hier sollte immer alles blühen, auch die Kunst.

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Der dieses Jahr gefeierte Komponist Joseph Haydn hat hier viele Jahre gearbeitet, seine Abschiedssymphonie wurde 1772 im Konzertsaal des Schlosses uraufgeführt. Zum  Abschied wird mir dann noch in einem Seitenflügel für August 2009  ein Ausstellungsraum für meine Bilder- & Objektschau HAYDN RELOADED geöffnet: Das mit Fee Tünde eingeleitete Märchen wirkt hinein in die für einen bildenden Künstler nüchterne Gegenwart!

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Links:

www.mag.hu
http://haydn2009.wordpress.com

Ausstellungen:

Feenreich des Fürsten Nikolaus Esterházy
bis 30. September 2010

Andreas Roseneder : HAYDN RELOADED
8. August bis 6. September 2009

Das Schloss ist bis 31. Oktober 2009 täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, montags geschlossen
Vom 1. November 2009 bis 14. März 2010 freitags, samstags und sonntags von 10.00 bis 16.00 Uhr und die Parkanlage ist täglich von 6.00 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet

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René Desor für PANNOrama 009 04

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KATZENSTEIGE & TSCHARDAKE / Dorfmuseum Mönchhof

Ihr Mann sei „irgendwo unterwegs im Dorf“ unterwegs, meint Christl Haubenwallner an der Kassa am Eingang. Sie meint damit eigentlich ein Museumsgelände, das mit historischen Gebäuden der Umgebung besetzt ist – besser über mehr als 20 Jahre hinweg zusammengesetzt wurde durch die Energie ihrens Mannes Josef, seines Zeichens Maurer, Fliesenleger und Steinmetz. Zusammen mit fünf Handwerkern hat er das Dorf sogar mit einer echten Kirche „Zum Heiligen Josef“ gekrönt, in der auch wirklich Messen gehalten werden. Es ist Mittag, und vor der Kirche treffe ich Herrn Haubenwallner in der blauen Arbeitskluft an: Er sei auf dem Weg runter ins Wirtshaus, dort träfe ich ihn an, wenn ich mit dem Fotografieren fertig sei. „Na welches denn?“, frage ich, es gibt wohl mehrere in Mönchhof, denke ich. „Gleich das da unten links“, ist Herrn Haubenwallners Antwort. – Natürlich, auch ein Wirtshaus gehört zum richtigen Dorf!

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Auf dem Weg zurück sehe ich eine gerahmte Tafel an einer alten Hauswand mit einem Text, übertitelt: Die Katzensteige. Hier wird bildhaft erklärt, dass es sich dabei um den treppenartigen Abschluss des Hausdaches mit gebrannten Ziegeln handelt. Ein typisches Merkmal an den pannonischen Giebeldächern, das ich immer für reine Zierde gehalten hatte. Jetzt erfahre ich, dass der Wind, der auch heute noch ungebremst über den Heideboden fegt, oft Dächer weggeblasen und die Dachdecker zu dieser auffallenden Aufmauerung an den Dachrändern veranlasst hat.

Katzensteige

Wie ihm überhaupt die Bewahrung und Weitergabe solcher Details, Merkmale und Traditionen nicht nur der Architektur der Umgebung vor allem für die Jugend am Herzen liege, erzählt mir Herr Haubenwallner nun am eigenen Wirtshaustisch. Als Sammler habe er schon immer alle alten Werkzeuge, Utensilien und Möbel vom Sperrmüll gerettet und restauriert. Die Häuser sind damit liebevoll und mit Sorgfalt eingerichtet und bis hin zur „schön gewalzten Wand“ ausgestattet. Am so genannten Handwerkstag im Juli wird dann in den Werkstätten und Geschäften mit den Werkzeugen und Maschinen sogar vor den Besuchern in traditionellem Stil gearbeitet. Sogar der Projektor im alten Kino wird dann aktiviert.

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Auch von Ungarn und Zigeunern hat er viel requiriert, vor kurzem sogar einen vollständigen Zigeunerwagen mit Inventar, die Strohmatratze dazu schon länger: es werde ja immer schwieriger, unversehrte Stücke wie diese zu bekommen. Nach der Grenzöffnung und dem Schengener Abkommen bekam er sogar das Zollhaus von Andau und stattete es gemeinsam mit dem Zollmuseum Wien aus.  Sogar der Grenzbalken ist da.  Und Frau Dr. Gertraud Liesenfeld vom Institut für Europäische Ethnologie wird im Mai mit Studenten der Volkskunde kommen, um seine letzten Errungenschaften zu inventarisieren und katalogisieren, erzählt er stolz.

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Auf die Frage nach Besonderem im Dorfe nennt er die Tschardake , eine überdachte Konstruktion aus Holz, die im Herbst über den Winter mit den Maiskolben behangen wurde und dann, durch die Fütterung an die Tiere entleert, ab dem Frühjahr von den Kindern der Bauern als Spielhaus genutzt wurde. „Eine lebende Puppenstube“.

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Jetzt hat er auch noch das Grundstück hinter der Kirche erworben und will expandieren:  alt her gebrachte bäuerliche Streckhöfe, mit Tieren belebt & landwirtschaftlichem Betrieb nach hinten auf die Felder hinaus, das schwebe ihm noch vor. – Die Kirche müsse ja in der Mitte des Dorfes stehen!

Kirche
Dorfmuseum Mönchhof
Bahngasse 62 A-7123 Mönchhof

Öffnungszeiten:
Täglich  von 10 bis 18 Uhr 30, Montag geschlossen,
in den Monaten Juni, Juli und August ist an allen Tagen geöffnet!
Handwerkstag: 26. 07. 2009
Infos, Reservierungen:
T: +43 2173 80642, F: +43 2173 80642 4

link:  www. dorfmuseum.at

René Desor für PANNOrama 009 03

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“…with his personal language evocated through his vivid observations Franto-Andreas Uhl unveils his heads to ascending signs, metaphoric transformations. they tell from fail, revival & repetition. …”, writes the Viennese painter Wolfgang Pavlik about Andreas Uhl´s work in a catalogue. this pictorial work is litterary itself, besides his heads Uhl always writes attendant words & sentences under & on his drawings & paintings. artist Pavlik shows in his Atelier Rotenhausgasse 10 since yesterday the recent works of companion & artist Andreas Uhl under the headline Ich spiele Leben / I play life

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Wolfgang Pavlik, Antonella Anselmo & Franto-Andreas Uhl at the opening  Ich spiele Leben

Franto-Andreas with his daughter Johanna:

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the story-teller Franto-Andreas Uhl gives comments to his drawings

“in his drawings I see a remarkable relationship to the Austrian drawing tradition – Fritz von Herzmanovsky-Orlando & Alfred Kubin. the wit & pun is similar deep burlesque & .”, says Wolfgang Pavlik at the moment I glance at a drawn reference to Austrian painter Franz Ringel:

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au14Franz Ringel at the Infeld-Haus der Kultur last week

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Viennese draughtsman Hari Schütz

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ICH SPIELE LEBEN

FRANTO-ANDREAS UHL /neue arbeiten

20.-23. Mai 2009

Mi-Fr 17.00 – 19.00

Sa 12.00 – 14.00

Atelier Rotenhausgasse 10 A-1090 Wien,  Austria