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Category Archives: Friedensreich Hundertwasser

Adolf Tuma   post . WERT :  [zeichen]

“Miniaturmalerei”  –  Tusche & Acryl auf Papier, 4,2 x 3,4 cm, 2009

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“…Es gibt Bilder für jede Börse; von Briefmarken zu 1 DM (ca 0,50 Euro, Anm.), die wahre Meisterwerke der Stechkunst sind (mit der Lupe zu betrachten) über die Postkarten, Reproduktionen in Büchern und Kalendern…
Friedensreich Hundertwasser, zitiert aus einem Brief an Leute, die ihn um das Geschenk eines Originalwerkes bitten

Im Jahr 1974 initiierte der Maler Friedensreich Hundertwasser eine „moderne Kunstserie“ auf Briefmarken bei der Österreichischen Post. Die Künstler sollten dabei unentgeltlich ohne Honorar dieses kleine Format bespielen. Der Lithograph Adolf „Hugo“ Tuma hat damals im Zuge dieses Projektes in der Österreichischen Staatsdruckerei gemeinsam mit dem Stecher Wolfgang Seidel unter Supervision durch den Künstler Hundertwasser selbst dessen Werke auf Briefmarkenformat gebracht: „Hundertwassers Gefühl für das Detail, für die Kleinheit des Formats und ist eigentlich unbeschreiblich – das ging damals so weit, dass er mit seinem Farbentausch bei den Probedrucken die Drucker an den Rande des Wahnsinns gebracht hat.“
Heute schwindet diese Wertschätzung in der allgemeinen Rezeption des „Kunstwerkes Briefmarke“: Kein Wunder, da bald alle Mitteilungen per SMS, Email, facebook & twitter versandt werden, die wenigen aufgegebenen Briefe durch Frankiermaschinen laufen und die letzten Marken per Computergraphik entworfen werden. – „Ein kultureller Verlust“, sagt Adolf Tuma, dessen Profession damit obsolet & sein Werk daher nicht nur im Format  zur Marginalie geschrumpft scheint. Dennoch hat er letztes Jahr für seine Sondermarke zum150-sten Geburtstag von Gustav Mahler die “Yehudi Menuhin Trophy” für die schönste Musikbriefmarke des Jahres erhalten.

Adolf Tuma:  Gustav Mahler – 150. Geburtstag

Professor Tuma spricht von „Ikonen“, wenn er die Arbeit an seinen Portraits anschneidet, von „Tiefe“, was die Auseinandersetzung mit dem Sujet betrifft: „Gustav Mahlers Haar habe ich farbig räumlich ausgeleuchtet – hat er doch als Direktor der Wiener Hofoper als Erneuerer der Bühnen- & Lichtregie gegolten!“. Es braucht ein halbes Jahr „Vorlaufzeit“ für solch ein „Kleinod“, wie er sein Werk nennt.

Anders geht der Maler Adolf Tuma in den Preziosen seiner „Miniaturmalerei“ vor. Als Bildträger verwendet er Perforationsmuster aus der Druckerei, die er direkt mit Pinsel & Farbe bemalt. –  „Kleinode“ – entstanden ohne Auftrag, Vorgabe und nachträglich geplanter Reproduktion – „Einfach von der Inspiration zur Abstraktion“, sagt Adolf Tuma, der zeitlebens als Lithograph & Briefmarkenstecher das kleine Format bis in den letzten Winkel erkundet hat & nun als Maler dieses wieder öffnet, um seinen eigenen Bilderwelten Raum zu schaffen.

mehr über Adolf Tuma siehe blogpost auf poesis & crisis:

A.TUMA : Markenzeichen

dieser post wurde von René Desor exclusiv geschrieben für den blog der Edition Das Labor – Verlag der Artisten:

Kulturnotizen. Grenzüberschreitende artIQlationen

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some photos of the official press reception held the morning before the evening opening of the exhibition Der Unbekannte Hundertwasser / The Yet Unknown Hundertwasser at the KunstHausWien this week. more about the exhibition, the KunstHausWien & the common reception of Hundertwasser´s art in Vienna you may see & read in my article for the pannonian magazine PANNOrama here: The well known, The unknown & The common Hundertwasser

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from left to right: Eugen Freund ( a portrait of him at the age of 4 painted in acquarell by Hundertwasser is the prominent subject of the poster for the exhibition), Joram Harel, Sabine Schmeller & Univ.Prof. Dr. Bernd Lötsch at the introduction of their personal view of relation to the Austrian artist Friedensreich Hundertwasser

detail of the image “the cinema”:

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& some other details of my personal interest at the exhibition:

hu6Ungarische Grube – Grab / Hungarian pit – Grave

this painting was begun one day after the start of the revolution in Hungary in the studio of Kiki Kogelnik at the Academy in Vienna. Hundertwasser had spent the night before at the Hungarian border. (from: Hundertwasser 1928-2000, Catalogue Raisonné, Vol.2, Cologne, 2002)

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calligraphy for the Seoul International Art Festival

Joram Harel tells me, Friedenreich Hundertwasser has got this Hanji paper by the organisation of the exhibition “Works on Mulberry Paper” at the National Museum of Contemporary Art in Seoul with the invitation to create an artwork on it – but just wrote following message:

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tapestry

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wooden objects

“when I go for a walk on the Beach of Pellestrina with my friend Oreste Weitmayr or alone, I find real treasures washed up and polished to round shapes by the sea: doll torsos, all kind of shoes, plastic bottles, but also wonderful pieces of wood, some with the paint still on them, some charred, all beautiful smoothed over. when put together they already form a picture in relief without beiing painted. it is comparable to the pieces of wood I find at Paris at dawn.”  (from: Hundertwasser 1928-2000, Catalogue Raisonné, Vol.2, Cologne, 2002)

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at least I found some interesting coincidences in use of colour to my own recent work, see the lines of colourstripes below (eco-activist Hundertwasser would be undoubtly disgusted if he became aware I am experimenting with polymer colours on acryl & vinyl basis & testing polyethylen surfaces of industrial tailings remaining after the production of so called MasterBatches) :

some photos concerning the KunstHausWien & it´s surrounding in Vienna.

on november 19th this year there will be opened an exhibition under the title Der unbekannte Hundertwasser – The unknown Hundertwasser in memory of  the Austrian painter Friedensreich Hundertwasser´s  80th birthday. – an article about for the magazine PANNOrama:

„Der unbekannte Hundertwasser” ist ab November im KunstHausWien zu entdecken, in der Öffentlichkeit kaum gezeigte Werke eines seit Jahrzehnten doch sehr publikumswirksamen Künstler-Oevres. Bei meinem Besuch vor einigen Tagen läuft noch „JEAN TINGUELY – Eine Retrospektive”, die ans Jahr 1991 zurückerinnert, als auf Friedensreich Hundertwassers Wunsch hin das Haus mit den „Nachtschattengewächsen” des Schweizer Allrounders Tinguely eröffnet wurde. Abgesehen von dem allseits bekannten Hundertwasserhaus in der Löwengasse begegnet mir auf dem Weg hin zum Museum selber in der Oberen & Unteren Weißgärberstraße & der Weißgerber Lände der von den Wienern in der Öffentlichkeit bereits „gelebte” Hundertwasser.

Freundliche Bewohner im freundlichen Haus

Als ich die im KunstHausWien ständig präsente Hundertwasser-Ausstellung und auch die aktuelle Wechselausstellung durchschreite & nach einer Frage an einen offensichtlich volontierenden Studenten an eine Mitarbeiterin mit großem Schild „Petra” an der linken Brust verwiesen werde, stellt sich diese als versierte Hundertwasser-Kennerin heraus. – und nicht nur das, sie bewundert und verteidigt den Meister, nachdem ich so heikle Themen wie Autoschilder & Müllverbrennungsanlage anschneide. „Die Wiener können ja Hundertwasser die extrem wirksamen Filter in der Fernwärmegewinnung verdanken”, die eben Hundertwasser dem damaligen Bürgermeister Zilk als Gegenzug für seine Gestaltung auferlegt hätte. „Seine internationalen Recherche-Unterlagen von damals in Sachen Filter sind heute noch einsehbar”. „Na ja, und das mit den Autonummern war halt so ein interessanter Test mit der Reflexion der individuellen und nationalen Identität”, verweist sie auf eine aufklärende Foto-Dokumentation an der Wand über nächtliche Reflektionsversuche an verschiedenen Autonummerntafeln. Bei meiner durch die Schilderungen eines betroffenen Freundes zugegeben etwas überspitzten Kritik an der mangelnden Rollstuhl-Geeignetheit der unebenen Böden im Haus weist sie gleich auf Stammbesucher hin, die sie „bewundere, wie sie diese Schwierigkeit mit Leichtigkeit meistern” & wie „wunderbar es wäre, den Kontakt mit den Füßen am Boden zu spüren.” Sie laufe täglich 9 km auf & ab im Haus & verspüre trotz Arthritis weniger Belastung als nach 2 km auf bloßem Asphalt. Hier lebt der Geist Hundertwassers.

„Ich glaube, dass Malerei eine religiöse Beschäftigung ist.”

oder „Die Farbe ist heilig” und „Meine Studenten sollen Paradiesvögel sein”, das sind Hundertwasser´sche Aphorismen, die an den Wänden des Foyers seiner Meisterklasse in einer schwarz verglasten Rahmenreihe aufgehängt wurden unter dem Titel „Richtlinien für die Meisterklasse Hundertwasser”, als ich selber 1981 als Student der Malerei an der Wiener Akademie der Bildenden Künste in der „Turmklasse” von Maler Anton Lehmden werkte und Friedensreich Hundertwasser gemeinsam mit Arnulf Rainer an die Akademie berufen wurde. Obschon als „Postexpressionist” oder „Neuer Wilder” Etikettierter ein glühender „Rainerianer”, dem die Farbe mehr als Wurfgeschoß denn Heiligtum galt, schienen mir beide als bekennende Anti-Akademiker suspekt in der Annahme dieses die Jahre zuvor von ihnen öffentlich gebrandmarktem Posten. „Die soziale Plastik” von Joseph Beuys war für mich die einzig mögliche Diktion von Akademie. Aber schon damals wurde mir klar, dass auch scheinbar kompromisslose Künstler vor den Kompromisszwängen des Lebens nicht gefeit sind und jeglicher Idealismus an sich ein artifizielles Gespinst sei, das der Gesellschaft hinterherhinkt, weil die Künstler oft im selbst geschaffenen Vakuum agieren. – Aber endlich tat sich etwas in dem verstaubt ehrenwerten Gebäude, riesige exotische Pflanzen wurden angekarrt, die Hundertwasser-Klasse in ein Gewächshaus verwandelt, das berühmte Humus-Klo installiert & sogar von einem gesonderten Eingang zur Klasse im Erdgeschoß von der Straße her war die Rede! Als ich dann jedoch nach einiger Zeit mit Studenten aus seiner Klasse über ihr Befinden ebendort sprach, erschienen mir die Sprüche an den Wänden wie Pamphlete gegen die knöcherne akademische Realität, zumal als ich vernahm, dass der Meister aus seinem neuseeländischem Domizil nur per Tonband mit ihnen kommunizierte & bloß zur den Studenten lebensnotwendigen Testur-Signatur des Meisters an der Akademie weilte.

„Eben Hundertwasser”

Auf dem weiten Feld der Kunst sind die Grenzen zwischen Visionären, Schamanen  und Mahnern, Missionaren und Scharlatanen so eng beieinander, dass die Wegweisung einzelner Herausragender für den selbst Kreativen schwierig zu beurteilen ist: auch viele Religionen und Sekten verbreiten dem Glaubenden in bestem Glauben die tradierte dualistische Lehre von Himmel und Hölle als Heil ohne Gewähr. „Ein Wissender. Ein Träumer. Ein Realisierer von Utopien. Ein Romantiker. Ein Poet des inneren Auges. Eben Hundertwasser” beendet Joram Harel einen Nachruf. Als Förderer und Bewahrer gemeinsam mit der Hundertwasser Stiftung um sein Werk wie in dieser geplanten Ausstellung noch heute bemüht. Dessen Freundschaft mit dem Künstler hatte bereits zehn Jahre vor dessen Professur begonnen, als das Hundertwasser-Auge in der telegenen Sendung „Wünsch-Dir-Was” die Sicht vieler Zuseher in ein farbenfrohes Universum öffnete. Das Postulat des Fensterrechts mit dem Aufruf zur Beschreibung durch die eigene Armführung eines Pinsels zwecks farbiger Gestaltung rund um eine öffentlich sichtbare Maueröffnung verankerte damit Friedensreich Hundertwasser im allseits plakativen Kunstverständnis der meisten Österreicher für immer. Ich kann das Schwarz-Weiß-Bild dieser Demonstration im Fernseher meiner Eltern noch heute vor meiner Retina erstehen lassen wie die Geburt der emotionalen Farbsuche durch mein eigenes Auge.

Hundertwasser war Kosmopolit, ohne festen Wohnsitz mit seinem Schiff Regentag nach Venedig, von dort in sein französisches Bauernhaus La Picaudière, dann auf seine Länderein in Neuseeland, wo er unter einem Tulpenbaum auch begraben liegt. Die Ausstellung wird sich der Dokumentation der Hundertwasser´schen Verwandlung seiner Umgebung in verschiedenen Ländern widmen wie auch unbekannten Jugendwerken und Entwürfen aus seiner Hand, die teilweise nie verwirklicht wurden. Und wer hätte jemals gedacht, dass 1996 Henry Maske vor dem Boxkampf gegen John Scully in Leipzig einen Mantel nach Entwürfen des Meisters trug? – Die Ausstellung wird sicherlich einige neue Facetten des Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser aufblättern.

KunstHausWien

Untere Weißgerberstraße 13 A-1030 Wien,   Ausstellungsdauer: 20.November 2008 – 15. März 2009, täglich 10.00 – 19.00 Uhr  www.kunsthauswien.at

zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel Verlag, München

erhältlich im KunstHausWien MuseumShop

– & Hundertwasser´s obvious influence in the surrounding streets, Obere & Untere Weißgärberstrasse & Weißgärber Lände…

plants & flowers outside the Urania Hotel…

creativity of the pupils of a Viennese primary school (& their teachers too) on the walls of a municipial gas pressure regulator building…

a signboard on a souvenir shop round the corner: Toilet of Modern Art Vienna…

driving home an advertising hint: the painters bring colour to your life…

see also the additional article The Yet Unknown Hundertwasser