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Category Archives: film

M ESSL ATTE

ESSL MUSEUM – Kunst der Gegenwart

Die Kunstsammlung von Agnes und Karlheinz Essl präsentiert sich seit mehr als 10 Jahren als „Österreichs größte private Kunstsammlung zur Kunst der Gegenwart im neuen Ausstellungshaus von Heinz Tesar in der Nähe von Wien.“ Ich besuchte das Museum in Klosterneuburg anlässlich der letzten 2 aktuellen Termine zu Notizen zwischen den Slogans „I do it my way“ und „Gratis ist nicht umsonst“, hin zu “passion for art” in weissen Lettern auf pinkfarbigen Einkaufstaschen.

Maßbänder, Maßstäbe und Maßnahmen

Das Maß der imaginativen Latte wird bei Präsentationen von Kunst im Essl Museum in Klosterneuburg immer hoch gesetzt, egal, ob es sich nun um eine Schau junger Gegenwartskunst aus osteuropäischen Ländern oder kunsthistorisch abgesegnete österreichische Avantgarde handelt. Einerseits Maßbänder im Baumarkt verkaufen, andrerseits Maßstäbe in Sammlung, Pflege, Restauration und Präsentation moderner Kunst setzen. „2 Seelen schlagen in meiner Brust“ und „ich sehe mich ja auch in der Rolle des Baumaxes“, sagt Professor Karlheinz Essl beinah als Rechtfertigung, Geld für Kunstgenuss zu verlangen, als er die „schwierigen Zeiten der Krise“ anspricht, aber gleichzeitig zum 10-Jahres-Jubiläum sein Museum die ersten 10 Wochen des Jahres 2010 zum freien Eintritt öffnet. 2 Monate später setzt er Maßnahmen mit der Reduktion der Eintrittspreise des Museums, „denn die Auseinandersetzung der Menschen mit Kunst dürfe auch in einer angespannten Situation nicht stoppen“.

„Mein Kind“

Es ist ein helles, lichtgeflutetes Haus, im letzten Stock, der erste Empfang durch Frau Professor Agnes Essl auf mein Zögern hin mit freundlichem Deut in den Bookshop mit Cafébar: „Nicht so schüchtern, treten Sie bitte ein“. Es ist ihr Tag. 18 PreisträgerInnen des Essl Art Award CEE 2009 & JournalistInnen füllen den Raum. Mit René Block, dem bekannten deutschen Kurator, ihrem Mann Karlheinz & Sponsorvertretung führt sie die Pressekonferenz an: „It´s my child“, bekundet sie stolz die Ergebnisse „ihres“ Awards & entschuldigt sich schon vorweg in gewandtem Englisch über ihre schlechte Aussprache der tschechischen, slowakischen, ungarischen, slowenischen, kroatischen & erstmals auch rumänischen Namen. „I wish you with all of my heart the best for the future to develop your carreers“, spornt sie engagiert die jungen KünstlerInnen an.
Neben mir am Tisch sitzen die ungarischen Teilnehmer: Diána Keller aus Budapest sieht große Chancen durch ihre Nominierung. Beim nachfolgenden Rundgang durch die Ausstellung zeigt sie mir ihr verspielt-romantisches Video-Stilleben, in dem ein bunter Strauß Blumen tröpfchenweise die Farbe aufs weiße Tischtuch verliert. – Die meisten Beiträge sind auf multimedialen Elementen aufgebaut, die reine klassische Malerei scheint der Jugend nicht zukunftsweisend. Maxim Liulca aus Cluj, Rumänien, Josef Ponik aus dem slowakischen Presov sind mit malerischen Arbeiten die Ausnahmen, Uroš Potocnik aus Slowenien brilliert mit akribisch perfekt gemaltem Großformat, ein Veranda-Stilleben: “einfache Dinge aus unserem Alltag in Slowenien”, kommentiert er lapidar sein Bild. Beim Abschluss des Galerierundganges fasziniert mich Dávid Adamkó aus Ungarn: “Ich habe seit 40 Stunden nicht geschlafen”, entschuldigt er unter dem Arbeitstitel Liberty and Love / Szabadság, szerelem / Sloboda, láskal den improvisierten Arbeitplatz mit Leiter und Fahne, eine Büste Michelangelos´ David davor, auf die er ein mimisches Video projizieren will. Er ist mit einem Techniker beim Justieren, die Szenerie hat einen Hauch von „happening“:

„Das Bestreben, junge Künstlerinnen und Künstler aus Zentral- und Südosteuropa zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, in einem internationalen, musealen Kontext auszustellen, führte uns zu der Idee, mit der Unterstützung von bauMax einen Kunstpreis auszuschreiben, der alle zwei Jahre verliehen wird.”, unterstreicht Agnes Essl die fördernden Bemühungen des Hauses.

Agnes Essl empfängt die PreisträgerInnen mit fliegendem Schultertuch zu gedecktem Tisch

Fette Enten

Mein zweiter Besuch gilt der Schau >fat ducks< des bekannten österreichischen Malers Hubert Scheibl. Karlheinz Essl betont, dass er bereits 1983 einen „jungen“ Scheibl erworben & in Folge immer wieder Bilder aus Werkserien des Künstlers angekauft hätte. Zur Austellung liegt ein Katalog auf, der auch diese Ankäufe des Sammlers dokumentiert. Auf die Frage nach dem Grund des Titels gibt Scheibl schelmisch: „Bloß eine metaphorische  Falle!“ zur Antwort.

In der Rotunde des Museums hat Hubert Scheibl eine Installation platziert. „8 Tonnen geschredderte Autoreifen“, ein Schädelmodell eines Krokodils mit eingefügtem menschlichem Cranium auf gestapelten Ferrari-Pneus präsentiert, rundum sensible Zeichnungen an den Wänden. Der Gang rundum ist schwankend, es riecht nach verbranntem Gummi. In den angrenzenden Hallen & Räumen läuft >Corso<, ein Einblick in die Sammlung österreichischer Malerei ab 1945:

Kunstvermittler Andreas Hoffer deutet Werke von Adolf Frohner, Hermann Nitsch & Alfons Schilling

Nächster Programmpunkt, der direkt an Hubert Scheibl anknüpft – Hubert Scheibl ist an der Wiener Akademie unter anderen durch  seine Malerschule  gegangen: “Die Natur der Malerei” von Max Weiler, “Bilder von Max Weiler in Gegenüberstellung mit chinesischen Literatensteinen” lautet der Untertitel,  man kann also auf einen Kunstgenuss mit kulturübergreifend kosmologischem Weltverständnis gespannt sein. Mit 50 Bildern von Max Weiler umfasst die Sammlung Essl das größte Konvolut aus Weilers Oevre, daraus & zahlreichen Leihgaben wird die von Edelbert Köb kuratierte Schau – am 18. März Eröffnung – bestallt sein.

Max Weiler (1910-2001) in den 70er-Jahren, wie ihn Hubert Scheibl an der Akademie der Bildenden Künste in Wien wohl angetroffen hat. Ich selber jedenfalls hab das Treffen mit ihm dann später in den 80ern noch in solch juveniler Strahlkraft & Freundlichkeit in Erinnerung (Fotograph unbekannt, © Yvonne Weiler)

Karlheinz Essl im >CORSO< – Dialog zwischen Werken von Friedensreich Hundertwasser & Johannes Avramidis

mehr details siehe auch posts (in English): stars for a day & >fat ducks< by Scheibl

ESSL MUSEUM – KUNST DER GEGENWART
An der Donau-Au 1, A-3400 Klosterneuburg / Wien
Öffnungszeiten: DI – SO 10.00 – 18.00, MI 10.00 – 21.00, Eintritt frei ab 18.00

AUSSTELLUNGEN:

aktuell in Gedenken an Bruno Gironcoli: Ein Gedächtnisraum

27.02.2010 – 15.05.2010,  Kleiner Saal

GIRONCOLI-MUSEUM

HUBERT SCHEIBL

>FAT DUCKS<  bis  09.05.2010
>CORSO<
Werke der Sammlung Essl im Dialog  bis  07.11.2010
>MAX WEILER (1910 – 2001) – DIE NATUR DER MALEREI<
Bilder von Max Weiler in Gegenüberstellung mit chinesischen Literatensteinen
19.03. – 29.08.2010

René Desor für PANNOrama

borsos-lorinc-lilla-borso

Eine Geschichte wie die folgende ereignet sich nicht oft in der Kunstwelt. Am Galaabend der Esterházy-Stiftung im Kunstgewerbemuseum Budapest (siehe dazu auch post: lost in time) erzählen mir das Ehe- und Künstlerpaar Borsos János und Borsos-Lörinc Lilla die Hintergründe ihrer nächsten Ausstellung in der Galerie OctogonArt in Budapest.

Der Wunderbleistift

Es gab in den achziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen polnischen Zeichtrickfilm mit dem Titel „Wunderbleistift“, in dem der Protagonist ein jeweils von ihm erwünschtes Objekt zeichnete, das dann schlussendlich real in seine Welt trat. Schier alles konnte er durch bloßes Zeichnen Wirklichkeit werden lassen. – Borsos Lörinc – die beiden Künstler arbeiten unter diesem Brand, wie sie es nennen, nehmen diese Filmvorlage als Beispiel und untermauern die Möglichkeit dieser Vision von Wunscherfüllung selbstbewusst mit dem Wirken von Jesus Christus, Marcel Duchamp, Andy Warhol und Christo. Und ihrem eigenen Wirken in Werken als Glaubensakt zur Wunscherfüllung: Abzahlung der Kreditschulden aus Lillas Studentenzeit, Unterstützung und Förderung als Künstler, Anspruchnahme humaner Ressourcen und technischer Medien etc. zu erlangen.

Meine Studentenkreditschulden in HUF

„Das Bild entstand aus Gewissensbissen im Sommer 2008. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mit meinem Mann, Borsos János versucht, die Raten für meinen Studentenkredit zu bezahlen, der bis zu dieser Zeit bereits ziemlich hoch geworden ist, doch die Bezahlung der durchschnittlichen Minimalsumme pro Monat war nicht einmal genug, um die Höhe der Summe auf einem unveränderten Stand zu halten. Wir haben eine effizientere Lösung gesucht, mit der ich mich sogar gegenüber meinen Eltern rechtfertigen konnte, da sie über meinen Fehler nichts wussten. Den Kredit aufzunehmen war ja von meiner Seite her ein großer Fehler gewesen, da ich ihn damals überhaupt nicht brauchte. Es mangelte mir ja an nichts, meine Familie hat mich unterstützt. Ich habe die Summe für keine klugen Zwecke ausgegeben und vor allem nicht für meine Studien im traditionellen Sinne. Ich habe den Kredit nur so beantragt, aus dem Grund „warum denn nicht?“ Mein unverantwortliches und extremistisches Denken, das sich gerade von der Aufsicht durch die Eltern befreien wollte, war schuld daran. Ein falscher Schein der Freiheit, wie ich jetzt weiss. Denn der größte Teil des Geldes floß für Unterhaltungszwecke ab, für sogenannte Bewußtheitszustandserweiterungen…“, erzählt Lilla ohne Scheu.

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Bilder in Zahlen

Ein Gemälde – 150×200 cm – entstand, in verschiedenen Techniken wie Tusche, Filzschreiber, Nagellack, Aquarellfarbe, Email-, Öl- und Acrylfarbe sind Bildgeschichten in die Zahlen der Kreditschulden gezeichnet und gemalt. Dabei repräsentiert jede Zahl in bedachter Chronologie und Dramaturgie der Schuldenanhäufung eine gewisse Periode aus Borsos Lörinc Lebenslauf, mit einem Ausgangspunkt links & einer Lösung rechts am Ende der Zahlenreihe.

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Bei seiner Recherche nach junger ungarischer Kunst stieß Dr. Alfred Weidinger, Kulturchef der Esterházy-Privatstiftung, auf diese Arbeit, und nachdem er vom erweiterten Ausstellungskonzept zu diesem Zahlensystem in Gemälden, Fotos, Video und Film für eine Präsentation in der Galerie OctogonArt in Budapest erfuhr, bot er an, im Namen der Esterházy-Stiftung das Bild zu kaufen und vor einem Plenum das ausstehende Geld den Vertretern des ungarischen Studentenkreditzentrums zu übergeben. – Generaldirektor Csillag Tamás vom Studentenkreditzentrum, der Kunsthistoriker Sturcz János, und der bildende Künstler Pinczehelyi Sándor haben ihr Kommen zugesagt und werden mit Dr. Alfred Weidinger und der Leiterin der Galerie OctogonArt, Frau Iványi Bianca auch zu Worte kommen. Gleichzeitig werden Paraphrasen der kunsthistorischen Vorbilder in der Sprache der Malerei und Installation in einem Sonderraum gezeigt.

Der rote Punkt

„So wird dem Ganzen das Pünktchen auf dem i aufgesetzt. – Wir konnten es kaum glauben, einen Mäzen gefunden zu haben, und hatten eine Schreckminute. Freuen uns natürlich spektakulär darüber & werden auch einen roten Punkt neben das Bild setzen“, meint Borsos Lörinc gemeinsam glücklich.

Galerie OctogonArt
Budapest, Várfok u. 7-9
Donnerstag, 28. Mai 2009 19.00 Uhr
Die Ausstellung ist vom 28. Mai bis zum 26. Juni zu besichtigen

links:

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Diákhitel tartozásom forintban

borsos lőrinc lilla

René Desor für PANNOrama oo9 03

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