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Rescue from Oblivion – der Vergessenheit entreißen

oder: Die Exegese eines Schildermalers

 “To rescue from oblivion even a fragment of a language which men have used and which is in danger of being lost – that is to say, one of the elements, whether good or bad, which have shaped and complicated civilization – is to extend the scope of social observation and to serve civilization.”   Victor Hugo

Andreas Roseneder  „Rescue from Oblivion I”    Öl auf Leinwand, 1982/1988

 Foto: Galerija Murska Sobota, Pannonia 89

 Rescue from oblivionder Vergessenheit entreißen, diese für mich als bildenden Künstler seit den 80er Jahren letzten Jahrhunderts in der Annäherung an ein Erinnerungsbild aus dem Hintergrund auftauchende Motto soll nun augenblicklich zum vordergründigen Leitsatz nachfolgender Erläuterungen werden – dies ist kein leichtes, vor allem da es sich bei dem Objekt der Betrachtung um ein heraldisches Element handelt, dem Adler, der in seinem Erscheinungsbild wie auch Symbolik über die Jahrhunderte nicht nur im Europäischen Raum gewandelt wurde. In der deutschen & österreichischen Gegenwart spricht man gern in amikaler Leichtfüßigkeit vom sogenannten „Bundesadler“.

Für einen Künstler gibt es keinen abwegigeren Auftrag, als ein solch historisch gewandeltes, über staatliche Politik raffiniertes & dadurch auch national besetztes Thema in ein ihm zeitgemäß erscheinendes Gewand zu kleiden – was wohl auch nicht seine dezidierte Aufgabe ist. Da er doch als mündiger Bürger des Öfteren einen inneren Wandlungsbedarf sieht, dem er auch ein äußeres Erscheinungsbild Ausdruck verleihen  sollte, maßt er sich jedoch ab & an solch Dreistheit zu.

1981 habe ich während meiner Studienzeit an der Akademie der Bildenden Künste in Wien im Keller eines Miethauses einen alten Jute-Kohlesack gefunden, der mit dem Emblem des Nationalsozialistischen Regimes bedruckt war.

Andreas Roseneder  „Rescue from Oblivion II” Öl auf Jute, 1988

hintere Ansicht

 Es war mir damals nicht Auftrag gegeben, dieses Symbol in meiner Arbeit abzuhandeln oder gar zu verwenden – das wäre ja auch ein staatlich verbotener Akt gewesen. Aber in studentisch jugendlicher Euphorie, einen neuen interessanten Webstoff mit grober Struktur zur Verwendung als Bildträger gefunden zu haben, spannte ich den Jutesack verkehrt herum auf einen Keilrahmen & grundierte ihn nach akademisch gelernter Manier klassisch mit Halbkreidegrund. Ich wagte es einfach nicht, das Emblem zu über – malen oder -decken & stellte die Leinwand beiseite. Auch die darauffolgenden Jahre konnte ich sie nicht be- oder über- malen, zu sehr schien mir die Leinwand  „stigmatisiert“. Ab 1982 eröffnete ich  Ateliers in Städten der BRD – auch ohne dort Hand an den leeren Bildträger zu legen. Von Berlin aus  beobachtete ich 1985 die politischen Entwicklungen rund um die Wahl Kurt Waldheims zum österreichischen Bundespräsidenten, die 1987 in der Aufnahme des Staatsoberhauptes auf die so genannte „Watch List“ der USA kulminierte. 1988, vor dem „Berliner Mauerfall“ wieder in Österreich, raffte ich mich in Wulkaprodersdorf an der ungarischen Staatsgrenze endlich auf, Zeichen auf den Bildträger zu setzen. 1989 ist allseits bekannte Europäische Geschichte.

Andreas Roseneder  „Rescue from Oblivion II” Öl auf Jute, 1988

vordere Ansicht

1994 erhielt ich von der Artothek der Bibliothek Treptow, ehemals Ostberlin, die Einladung zu einer Ausstellung. Bei der Hängung der Ausstellung „Eingegangen“ wurde ich von der Leitung aufgefordert, das beidseitig einsehbare Bild „Rescue from Oblivion II“ abzuhängen & es kam zum Eklat.

 Doch was hat dies alles mit nachfolgendem Logo zu tun?

 

Andreas Roseneder  Logo Österreichische Bundesfinanzierungsagentur

Öl auf Leinwand 1993/94

Foto: Österreichische Bundesfinanzierungsagentur

 1993 wurde die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur aus dem Finanzministerium ausgegliedert. Der damalige Geschäftsführer Helmut Eder & Vize Mag. Heinrich Treer aus dem Finanzministerium recherchierten in der Österreichischen Staatsdruckerei nach einem Logo and der Wand der neuen Agentur. Zurück kamen sie mit dem Ausdruck des Österreichischen Staatswappens & dem Hinweis, „eine Vergrößerung für die Wand wäre die Aufgabe eines Malers“. Der Anfrage meines Freundes Heinrich Treers zur Realisation gegenüber konnte ich nicht absagen, auch wenn ich mich nicht als Schildermaler sah; ebenso wenig, den Schriftzug „Rescue from Oblivion“ auf den Bildträger zu schreiben; wie auch letztlich der Bitte Mag. Christian Schreckeis gegenüber, nach 20 Jahren der Gründung Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur, zum Jubiläum das Geheimnis dieser für Nichteingeweihte wohl  kryptischen Notiz zu lüften.

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