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the Cosmopolitan Garden of the Europahaus Eisenstadt, capital of Federal State Burgenland, Austria, is growing – carpenters line up wooden lark beds for plantation. I cleared last days the plant installation 1001 – LAVENDER COSMOS again from weeds between the lavender plants – nature changes colours of green, the cornflower enlighten with their blue the polyethylene patches – even these are changed by sun, the wax parts are fading from the bodies, some plastics begin to brittle & emit new colours in the summer sun

1001 – LAVENDER COSMOS

Es gibt Projekte im Leben eines Künstlers, die eigentlich keine solchen sind: diese bezeichnet er vorab so & kommt dann drauf, dass sie eigentlich nur die Spuren seiner eigenen Versäumnisse sind – er ist sozusagen selber auf der Bühne des Alltags mit den eigenen Schattenprojektionen hintennach gehinkt. – Ein Gedankenkosmos zur Pflanzinstallation von Andreas Roseneder & Artstage im Kosmopolitischen Garten des Europahauses Burgenland in Eisenstadt

 Urban Gardening, Urban Farming – ich kannte diese gärtnerischen Initiativen, aus denen sich bisweilen auch ansehnliche Kunstblüten außerhalb der offiziellen städtischen Kunsthallen entwickelt haben, nur aus Großstädten wie Berlin, Hamburg, Paris oder New York, entstanden aus dem Bedürfnis der Bewohner, Grün ins Grau der Mauerschluchten & Häusermeere zu setzen  – aber in Eisenstadt?, – der kleinen provinziellen in den großen Pannonischen Garten eingebetteten Burgenländischen Landeshauptstadt, gelegen an den Flanken der waldigen Leithaberge, von seit Jahrtausenden gepflegten Weingärten zum Wasser- & Wärmespeicher Neusiedler See hin umzogen,  viele Bewohner in Eigenheimen mit angrenzenden Kleingärten, verwöhnt mit Früchten daraus wie auch aus ihren  traditionellen „Krautgärten“ an der Peripherie?

Wäre hier nicht gefragt, den Ansatz von anderer Richtung zu nehmen, dem ruralen status quo Kunstblüten ins Weichbild der Stadt entgegenzusetzen, um der allgemeinen Saturiertheit ein paar kreative Dissonanzen einzufügen?  –  dies war mein erstes fragendes Überlegen, als ich vom Plan des Europahauses Burgenland erfuhr, ein ca. 2 Hektar großes Stück Brachland zwischen Fachhochschule, Studentenheim, dem Technologiezentrum & der Kunststoffverarbeitung Iso Sport als Kosmopolitischen Garten – Eine Einladung zur Weltbürgerschaft zur Gestaltung in Eigeninitiative zur Verfügung zu stellen. Für mich als „im & am Land“  lebender zeitgenössischer Künstler sind die letzten Jahre auch noch andere bislang unbeantwortete Fragen aufgetaucht:

Warum in “unserer” Region die ehrwürdige Provinz Pannonia, dieses römisch-politische Konstrukt, ein mehr als Jahrtausend altes Logo des römisch-kolonialen Machtwillens, dermaßen lebendig hochgehalten wird, & warum diese fragwürdig freiwillige Unterwerfung sogar mit historisch reminiszenten Architekturen & gar schauspielerisch unterstützten Wiederbelebungsversuchen der alten Legionshauptstadt  Carnuntum aufgeführt wird.  Warum die Inszenierung einer solchen Chimäre? Erfasst von dieser Verwunderung frage ich mich neuerdings zusätzlich, warum der cast zu diesem pannonischen Schauspiel nicht in harten Sesterzen, sondern in immer labiler werdenden Euros ausbezahlt wird. Für einen römischen Legionärsoffizier war die Entlohnung in die Pension durch ein latifundium in Pannonien gleich einer Abwertung seiner Leistungen für das Römische Reich. – wie reagierte ein heute abdankender hochrangiger Funktionär der Europäischen Union auf ein solches Angebot?

***

als politiker wuerd´ ich sagen, damit sei ein schulterschluss zwischen kunst, kultur & wirtschaft wie industrie gelungen.

als wissenschaftler wuerd´ ich auf die ambivalenten beziehungen zwischen oekonomie & oekologie hinweisen.

als kuenstler betonte ich wohl die aesthetischen synergien von kuenstlerischen wie auch kulturellen, industriellen & landwirtschaftlichen zeichensetzungen des menschen.

als maler sehe ich die vier industriellen stahltuerme im hintergrund als farbtuben, aus welchen die polyethylen-patches wie violette farbpatzen auf die landschaftpalette gequetscht & unterschiedlich mit weiß abgetoent wurden, um die farbe des lavendels zu treffen, der darunter gepflanzt wurde.

als gaertner & landschaftsarchitekt sehe ich mich bemueht, die farbpalette der kunststoffobjekte zu betonen, indem ich die weissen & violetten lavendelpflanzen dem kunstprodukt entgegensetze, soll heissen die violetten pflanzen unter die weissen objekte & die weissen pflanzen unter die violetten so in gleichmaessigem verlauf setze, dass nach zwei jahren die pflanzenreihen in der bluete aus einiger entfernung wie abgetoente pinselstriche des farbsuchenden malers erscheinen moegen.

als bauer erlebe ich ueber meine haende die pannonische erde, begreife, harke, kruemle & waessere sie, weiss bald ueber das terroir bescheid, das sich oft nach ein paar metern schon aendern kann & damit die pflanzen unterschiedlich gedeihen laesst, befreie die zarten lavendelkinder von wuchernder ackerwinde & querspriessender kratzdistel, lerne so jede einzelne pflanze kennen.

als poet sehe ich in dem wundersam wachsenden projekt eine hommage an die impressionistische en plein air malerei des neunzehnten jahrhunderts in der franzoesischen  Provence & erwarte jeden moment das erscheinen der maler Vincent Van Gogh & Paul Gauguin, um auf dem feld in vorauseilender expressionistischer manier einen kuenstlerischen streit vom zaune zu brechen, der ins zwanzigste jahrhundert fuehrt.

als zeitgenosse zu beginn des ein&zwanzigsten jahrhunderts habe ich vor ein paar monaten den initiatoren des Kosmopolitischen Gartens im Europahaus Burgenland ganz einfach hingesagt:

„ich werfe die schatten der vier tuerme dort hinten hin!“

                                                                                                  Andreas Roseneder über 1001 – LAVENDER COSMOS im Juni 2011

***

Man kann den Bewohnern einer traditionellen Grenzregion wohl nicht den Mangel an Selbstbewusstsein vorwerfen, wenn sie plötzlich in den Mittelpunkt der Interessen eines Machtapparates gerückt werden. Initiativen wie der Interkulturelle Garten Berlin Kreuzberg oder der Kosmopolitische Garten des Europahauses Burgenland  –  beides Regionen, die zwar von ihrer urbanen Infrastruktur her nicht vergleichbar sind, aber jüngst historisch mit ähnlichem Joch belegt wurden, zeigen, dass vor allem das menschliche Urbedürfnis, die Natur in städtischen Freiräumen als Gestaltungselement kreativ mitspielen zu lassen, ein nach wie vor evidentes ist.

Die Installation 1001 – LAVENDER COSMOS wird die Wechselwirkungen zwischen menschlichen Anstrengungen und den Kräften der Natur im Laufe der Jahreszeit & jeweiligen Witterung anzeigen. Bereits jetzt im Sommer 2011 wird das Polyethylen der Skulpturen durch Entweichen der Wachse durch Wettereinfluss leicht spröde, der Kunststoff wechselt die Farbe im Sonnenlicht, die Lavendelpflanzen erstarken im Wuchs, die Blüten mehren sich. Zur Annäherung der Wuchsform des Lavendel mit den künstlichen Formen über seinen Köpfen wird es erst in zwei oder drei Jahren kommen – wie werden sich die Polyethylene verhalten? – Jedenfalls wird der Geruch der Verarbeitung dieses Materials aus der benachbarten Fabrik sie heimisch fühlen lassen & der Lavendel bei umschlagendem Wind die Arbeiter mit einem der feinsten Düfte der Natur beliefern.

even the pumpkins start for their fruits in autumn

follow the project preceding: 1001- LAVENDER COSMOS third & last run

4 Comments

  1. nice shots! how’d you get that “live traffic feed”…pretty neat

  2. I am on the edge of my seat waiting to see photos of the raised beds with plantings and art creations.

    • 3 days ago I had a look on our “1001 lavender-cosmos” and took pictures. the lavender plants, the flower seeds, the pumpkins and also the bad seeds have grown exuberantly! Andreas will be very surprised when he returns from Zakynthos, I’m sure!
      😉 here the pics-link: http://flic.kr/s/aHsjvAhEv4


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