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Wallys Rückkehr

Egon Schiele   “Bildnis Wally” – Bildnis Valerie Neuziel Öl auf Leinwand, 1912 (foto © Leopold Museum Wien)

Egon Schieles Totenmaske, 1918 von Gustinus Ambrosi abgenommen

Der Maler Egon Schiele lebte 1912 im böhmischen Krumau, als er Lebensgefährtin und Modell Valerie Neuziel in Öltechnik portraitierte. Das Gemälde wurde 1998 aus der Schau „Egon Schiele: The Leopold Collection, Vienna“ im New Yorker Museum of Modern Arts als so genannte „Raubkunst“ beschlagnahmt. Im September 2010 soll dieses „Bildnis Wally“ der Privatstiftung Leopold Museum über einen Vergleich mit der Erbengemeinschaft nach Lea Bondi-Jaray gegen eine Zahlung von 19 Millionen US-Dollar in die Wiener Sammlung zurückgestellt werden.

Leopold Museum MuseumsQuartier Wien

Besitzanspruch, Verkauf, Restitution oder Wechsel von Kunstwerken sind zumeist mit emotionalen Begleiterscheinungen verbunden und im Falle von Werken  österreichischer Maler wie Gustav Klimt oder Egon Schiele auch mit den Darstellungen schöner Frauen: Klimts „Goldene Adele“ übersiedelte 2006 als „Mona Lisa von Manhattan“ (Zitat des Käufers Ronald S. Lauder) nach New York, im August ist es für Schieles „Bildnis Wally“ soweit, aus der zwölfjährigen „Inhaftierung“ nach einer Ausstellung in New York den Weg heim nach Wien anzutreten, um in einer Sonderschau des Leopold Museums gezeigt zu werden.

Der Augenarzt & das Aquarell

Der Wiener Augenarzt und Kunstsammler Rudolf Leopold sah dieses Gemälde  zusammen mit Egon Schieles „Selbstporträt mit Lampionfrüchten“ und dem Werk „Kardinal und Nonne“ in einer Art Triptychon immer gemeinsam verbunden: Rudolf Leopold darf die Wiedervereinigung der drei Bilder in „seinem“ Museum nicht mehr erleben – auch nicht die Eröffnung der für September geplanten Eröffnung einer Ausstellung von Werken Picassos, Giacomettis und Cézannes der Foundation Beyeler in seinen Räumen – er ist dem Schweizer Galeristen Ernst Beyeler, der bereits im Februar dieses Jahres verstarb, nachgefolgt.

gefeiertes Aquarell in der Aula des Museums

Für mich als aktiven bildenden Künstler dauerte es fast ein Jahrzehnt, ins Leopold Museum zu gehen, die Zeitgenossen in den im MQ benachbarten Galerien hatten eher mein Interesse geweckt. Für Rudolf Leopold hatte es über 5 Jahrzehnte gedauert, eine Kunstsammlung zusammenzutragen und in einem eigenen Museum zu positionieren. Über einen Aquarellwettbewerb zur Ausstellung Verborgene Schätze der österreichischen Aquarellmalerei wurde eines meiner Bilder zu einer diese begleitenden Schau Die Meister von Morgen aufgenommen. – so hing mein Aquarell „eselsweg“ in Gemeinschaft mit den Meistern Schiele, Klimt & Kokoschka!

Der Tod, blauer Fluss & blaues Haus

Nachdem ich erfahren hatte, dass Rudolf Leopold selbst die Auswahl der Bilder für die Ausstellung getätigt hätte, fand ich es angebracht, den Sammler selbst über seine Leidenschaft, die Triebfedern und Ziele dazu zu befragen: mir war ja „der Leopold“ nur ganz unverbindlich über mediale Schlagworte wie Schiele, Wally, klassischer Expressionismus, Restitution oder eben Sammlerleidenschaft nahe. Ein ausständiges Engagement für die zeitgenössische Österreichische Aquarellmalerei war schon längst fällig – obwohl in diesem Land das Genre durch viele MalerInnen stark vertretenen ist, ist es in aktuellen Ausstellungskalendern eher spärlich vertreten. Leider kam es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu einem Gespräch mit dem Sammler zwecks näherer Erörterung.

Ich machte mich also auf zu einem spontan unbegleiteten Rundgang durch den hellen lichtdurchfluteten vierstöckigen Bau der Architekten Ortner & Ortner im Wiener Museumsquartier.  Man kommt nicht vorbei an Zugpferd Egon Schiele. Dem Tullner Wunderkind ist das Herz des Reigens an Bildern gegönnt, gleich nach dem Betreten des Museums über die Aula geleitet falle ich in die Bilderwelt seiner Meisterwerke: Tote Stadt III – Stadt am blauen Fluss, ein Bild, das dem Wanderschicksal Wallys knapp entgangen ist. – Schaurig fesselnd.

Egon Schiele: Tote Stadt III, Öl auf Leinwand 1917

Minutenlang suchte ich einen Ausweg aus dem ergreifenden Bann dieses kleinen Bildes, bis mir die Visualisierung von Malewitsch´ Schwarzem Quadrat auf weißem Grund, – jenes drei Jahre später entstandene kleine monochrom schwarze Bild des russischen Konstruktivisten & Suprematisten* mit seiner Abstraktion half, daraus auszusteigen:

“Das Schwarze Quadrat” von Malewitsch in der Kunsthalle Baden-Baden

Die Malerei lebt auch über jene Bildern weiter, die ihre eigene Auslöschung thematisieren. Das 1935 entstandene Aquarell Das Blaue Haus in St. Margarethen von Josef Dobrowsky in der Aquarellausstellung holt mich wieder zurück auf die heimatliche Erde.

Josef Dobrowsky   Das Blaue Haus in St. Margarethen, Guache & Deckweiß auf Papier, 1935

– Was mich zu den Fragenstellungen bringt: Wo ist ein Kunstwerk beheimatet? – Wo ist es besser aufgehoben? – In einem Museum?, in einer Privatsammlung?, im Banksafe eines Spekulanten? – Oder bei einem Kunst-Liebhaber?

* Suprematismus: Es handelt sich dabei um die erste konsequent ungegenständliche oder abstrakte Kunstrichtung, da eine von Gegenstandsbezügen befreite Kunst die Reduktion auf einfachste geometrische Formen in den Dienst der Veranschaulichung ‘höchster’ menschlicher Erkenntnisprinzipien bringen soll.

René Desor für PANNOrama

youTube: Leopold Museum: Welcome back, Wally!

Leopold Museum

MQ – MuseumsQartier Wien

Museumsplatz 1

1070 Wien

Täglich außer Dienstag: 10.00–18.00 Uhr
Donnerstag: 10.00–21.00 Uhr
Dienstag geschlossen

laufende & nächste Ausstellungen:

 Otto Muehl
Sammlung Leopold
Von 11.06.'10 - 04.10.'10


otto Muehl - ohne Titel - Friedrichshof

Jugendstil und Secession
Joseph Maria Olbrich
Von 18.06.'10 - 27.09.'10

Cézanne - Picasso - Giacometti
Fondation Beyeler zu Gast in Wien
Von 17.09.'10 - 17.01.'11
Sammlung Vienna Insurance Group Wiener Städtische
Österreichische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts
Von 21.10.'10 - 24.01.'11
Egon Schiele:
seine Kunst – sein Leben – seine Zeit
Von 22.09.'11 - 09.01.'12

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