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„Die Albertina“

foto © Albertina Wien

Eine aquarellierte Federzeichnung des Zeichners Jakob von Alt aus dem Jahr 1816 zeigt das Palais Albertina vom heutigen Standort des Hotel Sacher gesehen erhöht vor luftig leicht gegliedertem Wiener Weichbild. Heute liegt es mittig eng am Wiener Herzschlag neben dem von Alfred Hrdlickas skulpturenbesetzten Albertinaplatz zwischen Oper, Hotel Sacher & Volksgarten eingebunden. Dank des Flügels “Soravia Wing” aus Titan, von Architekt Hans Hollein über der Empore in den Himmel kragend gesetzt, hebt es sich jetzt aber wieder ein bisschen höher über all die historischen Bauten ringsum ab.

Der Albertinaplatz selbst war für mich immer eine der ersten Anlaufstellen bei meinen Wienbesuchen aus dem Ausland. Nicht weit von Kunstakademie, Naschmarkt, den Cafés Museum, Hawelka, Alt-Wien & Kleinem Café. Mit Anzingers Bonbons, mit denen man sich bei mitgebrachten Gästen gleich auf gut wienerisch einschmeicheln konnte – oder dem besten Zwetschken-Streuselkuchen Wiens zur Melange im Café Tirolerhof daneben. Dabei bot sich das die Wiener Kulturpolitik polarisierende Skulpturenensemble „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ des letzten Jahres verstorbenen Bildhauers Alfred Hrdlicka als Diskussionsanstoß an. Oder die zahllosen Glas-, Metall- & Splitt-Container daneben – Verschandelung oder Ausdruck einer lebendigen Stadt?

Das klassizistische Palais Albertina dort hatte mich Jahre zuvor als Kunststudent kaum zum Betreten eingeladen, man wusste Bescheid über die historisch bedeutungsschwangere grafische Sammlung, deren Bedeutung wie jedem österreichischen Schüler auch mir schon in der Volksschule über Albrecht Dürers Feldhasen auf einem Zeichenblock ins Unterbewusstsein eingebläut wurde:

der “Ursus-Hase” & der Osterhase im Museumsshop der Albertina:

Ein neues Logo aber, ein walfischähnliches Fabelwesen, verführte den Kunststudenten dann doch dazu, in dem im Gebäude der Albertina untergebrachten Filmmuseum einen Vortrag des Filmemachers Peter Kubelka oder den neuesten Kurzfilm des Kanadiers Michael Snow zu besuchen.

Metamorphosen im und ums Haus

Heute ist das alles ein bisschen anders: Der Hrdlicka fällt einem nur auf, weil seine Skulpturen sich gewaschen und vermehrt haben, die Gäste aus dem Inland wollen zu den Ausstellungen „Markus Lüpertz´ Metamorphosen der Weltgeschichte“ oder „Cars“  von Andy Warhol in die Albertina, fürs Kaffeehauspendeln oder Filmeschauen hat man weder Muße noch Zeit. Einzig der Anzinger und der Tirolerhof sind als profane Gustostückerl geblieben.

Corriere della Siera zur Melange im Tirolerhof

„Die Albertina“ wurde so benannt nach dem Begründer der Sammlung, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, dem Schwiegersohn Maria Theresias, der von 1770 bis zu seinem Tod 1822 systematisch an die 14.000 Zeichnungen und 200.000 druckgrafische Blätter zusammentrug. Heute hat ein reger Museumsdirektor in dem alt-ehrwürdigen Haus eine zeitgemäße Ausstellungsmaschinerie in kurzer Zeit so versteckt untergebracht, dass man sich nur wundern kann, was da alles an Kunst aus jeder Zeit an Raum und Beachtung findet: Seit der Jahrtausendwende hat der Linzer Kunsthistoriker Klaus Albrecht Schröder aus dem Museum der Sammlung, Bewahrung & Pflege eines sowohl für Kunstliebhaber wie auch für Künstler selbst geschaffen. Oft gegen die Bedenken von Denkmalschützern, Restauratoren, Kunsthistorikern und Museumsexperten schuf er bauliche und thematische Querbezüge, die manch fachlichen Puristen nicht erfreuten, aber etliche Kreative ins Haus lockten.

Rekorde, Unwetter und Nischen

Immense Besucherzahlen sprechen jedoch für sich: Bereits die erste Ausstellung im Jahre 2000 „Cezanne: Vollendet – Unvollendet“ brachte über 300.000 Besucher ins Haus, Albrecht Dürer bescherte 2003 bereits fast eine halbe Million, mit Van Gogh wurde 2008 diese Zahl überschritten und damit beinahe eine Million Menschen in die Albertina gebracht.

“action hero” painter Van Gogh as playmate for kids – to find in the museum´s shop

Im Österreichischen Fernsehen begeht der Direktor publikumswirksam mit dem Kabarettisten Alfred Dorfer die Schau, die „Freunde der Albertina“ werden über Mitgliedschaft, Veranstaltungen & Führungen „als Teil einer lebendigen Kunstszene“ in die Museumsarbeit miteinbezogen, webtauglich wird kommuniziert: „Albertina Fans ist bei Facebook“. Selbst nach der Gefährdung der grafischen Sammlung durch die Unbill eines Wassereinbruchs im Sommer 2009 wurde dem nachfolgenden Schwall an Kritik über die Bauänderungen durch rechtzeitige Rettungsmaßnahmen mit Bravour Einhalt geboten. 950.000 Werke der graphischen Sammlung waren betroffen und Michelangelo, Dürer und Rembrandt wie auch Picasso und Baselitz für die Nachwelt ohne Schaden bewahrt.

Jörg Immendorf: Kopf einer Bronze aus der Serie “Malerstamm”

Wenn da nicht noch die interessanten Nischen zwischen den Highlights wären…: über ein Zugpferd wie den Star Andy Warhol werden Zeichnung und Airbrush-Arbeit von Robert Longo, Videofilme von Silvie Fleury und durch digitale 3D-Technik entwickelte Skulpturen von Vincent Szarek  vorgestellt. Zur aktuellen Ausstellung „Markus Lüpertz´ Metamorphosen der Weltgeschichte“ wird man über die Skulpturengruppe „Malerstamm“, Bronzen des deutschen Malers und Bildhauers Jörg Immendorf geführt. Und wenn man weiß, dass Lüpertz und Immendorf ein künstlerisch-freundschaftliches Verhältnis verbunden hat, bekommt der öffentliche Raum der Albertina einen beinah persönlich-privaten Touch – trotz dem öffentlichen “Eklat” der letzten Tage rund um “einen Zentimeter” durch den Oberaufseher Wolfgang Dorn verschobene Tafeln eines Ensembles von Silvie Fleury.

René Desor für PANNOrama

Albertina

Albertinaplatz 1,  A-1010 Wien,  Tel.: +43 (0)1 534 83

Öffnungszeiten Museum und Shop:

Täglich 10.00 – 18.00 Uhr   Mittwoch 10.00 – 21.00 Uhr

MARKUS LÜPERTZ – METAMORPHOSES OF WORLD HISTORY

siehe auch post: amidst Markus Lüpertz´metamorphoses

bis 6. Juni 2010

nächste Ausstellungen:

ALEX KATZ – PRINTS

28. Mai 2010 – 19. September 2010

HEINRICH KÜHN – DIE VOLLKOMMENE FOTOGRAFIE

9. Juni 2010 – 5. September 2010

WALTON FORD

18. Juni 2010 – 10. Oktober 2010

One Comment

  1. Leider wissen viele Wiener nicht, so einen Kulturort wie die Albertina zu schätzen. Ich kenne viele Wiener, die Albertina noch nicht besucht haben!


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