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KATZENSTEIGE & TSCHARDAKE / Dorfmuseum Mönchhof

Ihr Mann sei „irgendwo unterwegs im Dorf“ unterwegs, meint Christl Haubenwallner an der Kassa am Eingang. Sie meint damit eigentlich ein Museumsgelände, das mit historischen Gebäuden der Umgebung besetzt ist – besser über mehr als 20 Jahre hinweg zusammengesetzt wurde durch die Energie ihrens Mannes Josef, seines Zeichens Maurer, Fliesenleger und Steinmetz. Zusammen mit fünf Handwerkern hat er das Dorf sogar mit einer echten Kirche „Zum Heiligen Josef“ gekrönt, in der auch wirklich Messen gehalten werden. Es ist Mittag, und vor der Kirche treffe ich Herrn Haubenwallner in der blauen Arbeitskluft an: Er sei auf dem Weg runter ins Wirtshaus, dort träfe ich ihn an, wenn ich mit dem Fotografieren fertig sei. „Na welches denn?“, frage ich, es gibt wohl mehrere in Mönchhof, denke ich. „Gleich das da unten links“, ist Herrn Haubenwallners Antwort. – Natürlich, auch ein Wirtshaus gehört zum richtigen Dorf!

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Auf dem Weg zurück sehe ich eine gerahmte Tafel an einer alten Hauswand mit einem Text, übertitelt: Die Katzensteige. Hier wird bildhaft erklärt, dass es sich dabei um den treppenartigen Abschluss des Hausdaches mit gebrannten Ziegeln handelt. Ein typisches Merkmal an den pannonischen Giebeldächern, das ich immer für reine Zierde gehalten hatte. Jetzt erfahre ich, dass der Wind, der auch heute noch ungebremst über den Heideboden fegt, oft Dächer weggeblasen und die Dachdecker zu dieser auffallenden Aufmauerung an den Dachrändern veranlasst hat.

Katzensteige

Wie ihm überhaupt die Bewahrung und Weitergabe solcher Details, Merkmale und Traditionen nicht nur der Architektur der Umgebung vor allem für die Jugend am Herzen liege, erzählt mir Herr Haubenwallner nun am eigenen Wirtshaustisch. Als Sammler habe er schon immer alle alten Werkzeuge, Utensilien und Möbel vom Sperrmüll gerettet und restauriert. Die Häuser sind damit liebevoll und mit Sorgfalt eingerichtet und bis hin zur „schön gewalzten Wand“ ausgestattet. Am so genannten Handwerkstag im Juli wird dann in den Werkstätten und Geschäften mit den Werkzeugen und Maschinen sogar vor den Besuchern in traditionellem Stil gearbeitet. Sogar der Projektor im alten Kino wird dann aktiviert.

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Auch von Ungarn und Zigeunern hat er viel requiriert, vor kurzem sogar einen vollständigen Zigeunerwagen mit Inventar, die Strohmatratze dazu schon länger: es werde ja immer schwieriger, unversehrte Stücke wie diese zu bekommen. Nach der Grenzöffnung und dem Schengener Abkommen bekam er sogar das Zollhaus von Andau und stattete es gemeinsam mit dem Zollmuseum Wien aus.  Sogar der Grenzbalken ist da.  Und Frau Dr. Gertraud Liesenfeld vom Institut für Europäische Ethnologie wird im Mai mit Studenten der Volkskunde kommen, um seine letzten Errungenschaften zu inventarisieren und katalogisieren, erzählt er stolz.

Tschardake-3.

Auf die Frage nach Besonderem im Dorfe nennt er die Tschardake , eine überdachte Konstruktion aus Holz, die im Herbst über den Winter mit den Maiskolben behangen wurde und dann, durch die Fütterung an die Tiere entleert, ab dem Frühjahr von den Kindern der Bauern als Spielhaus genutzt wurde. „Eine lebende Puppenstube“.

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Jetzt hat er auch noch das Grundstück hinter der Kirche erworben und will expandieren:  alt her gebrachte bäuerliche Streckhöfe, mit Tieren belebt & landwirtschaftlichem Betrieb nach hinten auf die Felder hinaus, das schwebe ihm noch vor. – Die Kirche müsse ja in der Mitte des Dorfes stehen!

Kirche
Dorfmuseum Mönchhof
Bahngasse 62 A-7123 Mönchhof

Öffnungszeiten:
Täglich  von 10 bis 18 Uhr 30, Montag geschlossen,
in den Monaten Juni, Juli und August ist an allen Tagen geöffnet!
Handwerkstag: 26. 07. 2009
Infos, Reservierungen:
T: +43 2173 80642, F: +43 2173 80642 4

link:  www. dorfmuseum.at

René Desor für PANNOrama 009 03

2 Comments

  1. wirklich witzig, ich habe “Katzensteige” gelesen und dachte sofort ans Dorfmuseum – ist wirklich sehenswert. Ich war letzten Sommer auch zwei Mal dort.

  2. Erreichbarkeit ist wichtig, weshalb müssen aber “Hintaus”wege für PKW’s befahrbar sein?
    Ein Güterweg ist meiner Meinung nach nur für Güter und nicht für Mopeds.
    Genauso Feuerwehrzufahrten: Da hat normaler PKW Verkehr nichts zu suchen, die bestehenden Strassen reichen sicher.
    Wenn der Verkehr einmal da ist, läßt er sich nicht mehr wegbringen.
    Ein etwas besorgter Deutsch Jahrndorfer


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