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ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT – Die Esterházy Privatstiftung

Der Blick aus der modernen Büroetage der Esterházy Privatstiftungstiftung zu einem der Symbole der Vergangenheit der Familie Esterházy:  Neues soll in Zukunft Verbindung mit alten Werten schaffen, Tradition erhalten, gewahrt und – angereichert durch Zeitgenössisches – ohne Patina präsentiert werden. Ein schwieriges Unterfangen, an dem viele Kräfte eines modernen Unternehmens arbeiten.

Sekt und Laune

Schon seit einigen Jahren merkt der flanierende Eisenstädter Bürger an Sanierungen und Umbauten (nicht nur am Schloss), dass frischer Wind in der Domaine Esterházy weht.  Seit kurzem kann er auch im Schlosshof auf der hölzernen Bühne des Cafés Maskaron oder in den ehemaligen Stallungen im frisch adaptierten Henrici, früher als Café Esterházy bekannt, über die Bedeutung der Schaffung von 850 Quadratmeter voll klimatisierten Ausstellungsräumen in der Sala Terrena mit seinen Freunden oder Gästen erörtern. Durch die Auslagerung des fürstlichen Weingutes an die Eisenstädter Peripherie vor Trausdorf wurde viel Platz im Schloss frei für Neues. Ausreichend Gesprächsstoff zur intellektuellen Auseinandersetzung liefert auch die derzeitige, fulminant multimedial inszenierte Schau Haydn Explosiv. Bei einem Gläschen QuinQuin über das ausgestellte Objekt „Haus der Laune“ zum Beispiel – eleganter Sparklingwein vom hauseigenen Weingut als am Gaumen prickelnde Hommage an den lebenslustigen Grafen Franz Qinquin Esterházy kreiiert. Aber was im Gebäudekomplex,  der Ende des 18. Jahrhunderts vom Architekten Johann Henrici geplant wurde,  heute darin in dem vom Architektenteam Pichler & Traupmann mit Stahl- und Glaskonstruktionen erweiterten Dachgeschoss  projektiert wird, bleibt ihm doch verschlossen, auch wenn von Seiten der Geschäftsleitung Transparenz und Offenheit als Botschaft betont wird. Hier entsteht die Zukunft, weit vorausblickend – was bei Esterházy die ehrwürdige Planung der nächsten 40, 50 Jahre bedeutet.

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Fürst Anton II Esterházy im Gespräch mit den Vorständen des Boards der Esterházy Privatstiftung

Lavabo und Sisyphos

Die wiederbelebte Esterházysche „Kunstförderung“ ist eine moderne Version des Mäzenatentums und betrifft nicht nur die Sparte Musik. Wenn man bedenkt, dass es sich allein aus der Vergangenheit um rund drei Millionen angesammelter Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten handelt – nicht nur auf österreichischem Territorium befindlich, sondern vor allem auch in Ungarn, in der Slowakei, in Rumänin und sogar in der Ukraine. Zwar werden sie teilweise in den nationalen Museen gezeigt, aber hier wie dort harrt vieles der Neuentdeckung und Restauration. Daher scheint es schwer vorstellbar, wie dies alles ohne buchstäbliche Sisyphos-Arbeit zur versprochenen Transparenz führen kann.

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Bassin der Lavabo-Garnitur von Losonczi aus dem 16. Jhdt, 1945 deformiert

Um so mehr erstaunte mich, als Dr. Alfred Weidinger, nach seinem Amt als Vizedirektor im Wiener Belvedere und zuvor als solcher an der Albertina Wien nun als neuer Chef der Esterházy-Kulturbetriebe zu allererst voller Enthusiasmus die Fortführung des Mäzenatentums der Sammlung Esterházy im Bund der Private Art Collection betont: „Unsere große Aufgabe ist es, die Tradition der Familie Esterházy fortzusetzen – und zwar im Bereich der zeitgenössischen Kunst.“ Der Stiftungszweck diene nicht nur dem Erhalt der historischen Großanlagen, sondern auch der Pflege der Sammlung und ihrer Erweiterung.
Der erste Schritt zu diesem Vorhaben führt in das Kunstgewerbemuseum Budapest: am 17. April lud das Unternehmen Esterházy zu einem großen Galaabend unter der Glaskuppel des Festsaales, um in diesem Rahmen das kulturelle Engagement der Esterházy Privatstiftung in Ungarn vorzustellen. Fürst Anton II Esterházy ist beim Empfang zugegen, die Direktorin des Museums, Frau Dr. Zsuzsanna Renner spricht über die historischen Wurzeln und das kulturelle Erbe der Familie in Ungarn, dann leitet Stefan Ottrubay, Generaldirektor der Esterházy Privatstiftung, nach Ausführungen über die Restaurierungsvorhaben der Bestände der Esterházyschen Schatzkammer über zu den aktuellen Bemühungen des Unternehmens, sich auch im 21. Jahrhundert für Kunst und Künstler in Ungarn zu engagieren. Zwischen den Ausführungen spielt das jugendlich klangvolle Accord Quartet aus dem Repertoire Joseph Haydns. Dr. Weidinger stellt mir danach ungarische KünstlerInnen der jüngeren Generation vor: Zsuzsa Moizer, Lilla Borsos Lörinc und János Borsos. Zsuzsa Moizer war bereits im Vorjahr in der von Lóránd Hegyi, Ausstellungsmacher zwischen Wien und Paris, kuratierten Ausstellungsfolge Central Europe Revisited in der Sala terrena des Schlosses Eisenstadt mit Werken vertreten, von denen auch welche angekauft wurden. Und heute ist Lohntag für sie.  Künstlerfeiertag!

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Schloss Esterházy / Sala Europa

Trauma und Befreiung

„Die jungen ungarischen KünstlerInnen sind heute unbeeinflusst vom Trauma der Isolation durch Kommunismus und Eisernen Vorhang, das die ungarische Kunst der letzten Jahrzehnte geprägt hat“, meinte Dr. Weidinger kurz zuvor.  Im Gespräch mit den beiden Künstlerinnen stelle ich jedoch fest, dass ihre Kunst ein doch auch gegenwärtig traumatisch geprägtes Erscheinen hat: durch Marktwirtschaft & die Auswüchse des Kapitalismus  und letztlich die sensible Befindlichkeit des Individuums darin. Was mir selbst hier in Österreich aus eigener Erfahrung als Künstler nicht fremd ist. Auch angesichts der aktuellen globalen wirtschaftlichen Krisenstimmung ein über nationale Grenzen hinweg verbindendes Thema, das vor allem in der Kunst Fragen zu neuen Gesellschaftsplänen aufwirft.
Dass junge Künstler an und für sich einen schweren Stand haben, ist Tatsache. Mit dem Esterházy Kunstpreis Ungarn sponsored by UNIQUA scheint jedoch eine professionelle Initiative gesetzt, die wesentlich die Arbeit junger Künstler erleichtert und nachhaltig fördert: durch Ankäufe, Ausstellungen,  Erstellung von Katalogen, WebSites etc.

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Schloss Esterházy / Sala Europa

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Dir Stefan Ottrubay, Dr. Alfred Weidinger & Herbert Lachmayer beim Presse Preview

back to future

Zweiter Schritt zurück: Im Schloss Esterházy in Eisenstadt wurde am 8. April des HaydnJahres 2009 die Schau Haydn Explosiv eröffnet. Kurator Herbert Lachmeyer hatte sichtlich Freude, Contemporary Art von internationalem Rang vorstellen zu dürfen. Schon der farbenfroh gestreifte und gepunktete Teppich des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein lädt zum Betreten ein, vorbei an güldenen Säulen, Tapeten von Margit Nobis, Rudolf Polanszky, hin zu Bildern und Objekten von Günter Brus, Franz West, Pipilotti Rist bis zur Künstlergruppe Gelitin. Otto Zitko hat die gesamte Decke eines Nebenraumes „bezeichnet“:

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Otto Zitko

Großartig die Wirkung des Brückenschlages der zeitgenössischen zu den historischen Künsten in Wechselwirkung, spartenübergreifend multimedial aufbereitet: Dazwischen historische Leihgaben aus vielen Europäischen Museen, thematisch weitergeführt über Wände und Decken der Sala Europa, Haydns Musik in Bild und Ton: Kulturphilosoph Lachmayer betont sein auf „sinnliche Wissenserfahrung“ bei der Gestaltung wie auch den erlebnisfrohen Wissensraum als Motto, sozusagen Haydn for Youngsters: „Der Mensch neigt dazu, Ereignisse – wie es damals Haydns Musik in ihrer Neuheit war – und die eine Erschütterung bedeuteten, später zu verharmlosen“. Und entlässt uns nachdenklich mit den schelmischen Worten: „Provinz ist kein Ort, sondern ein Zustand.“

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Kurator Herbert Lachmayer spricht über den österreichischen Künstler Franz West

HAYDN EXPLOSIV
täglich von 09.00 bis 17.00 Uhr
(Juli bis September bis 18.00 Uhr)
Sala Terrena, Schloss Esterházy in Eisenstadt

Links:   www.esterhazy.at
www.haydnexplosiv.at

René Desor für Pannorama 009 03

about this topic see also posts:   lost in time & maskaron

One Trackback/Pingback

  1. By back to future on 05 May 2009 at 8:09 am

    […] Original post by rené desor […]

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