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Eine Geschichte wie die folgende ereignet sich nicht oft in der Kunstwelt. Am Galaabend der Esterházy-Stiftung im Kunstgewerbemuseum Budapest (siehe dazu auch post: lost in time) erzählen mir das Ehe- und Künstlerpaar Borsos János und Borsos-Lörinc Lilla die Hintergründe ihrer nächsten Ausstellung in der Galerie OctogonArt in Budapest.

Der Wunderbleistift

Es gab in den achziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen polnischen Zeichtrickfilm mit dem Titel „Wunderbleistift“, in dem der Protagonist ein jeweils von ihm erwünschtes Objekt zeichnete, das dann schlussendlich real in seine Welt trat. Schier alles konnte er durch bloßes Zeichnen Wirklichkeit werden lassen. – Borsos Lörinc – die beiden Künstler arbeiten unter diesem Brand, wie sie es nennen, nehmen diese Filmvorlage als Beispiel und untermauern die Möglichkeit dieser Vision von Wunscherfüllung selbstbewusst mit dem Wirken von Jesus Christus, Marcel Duchamp, Andy Warhol und Christo. Und ihrem eigenen Wirken in Werken als Glaubensakt zur Wunscherfüllung: Abzahlung der Kreditschulden aus Lillas Studentenzeit, Unterstützung und Förderung als Künstler, Anspruchnahme humaner Ressourcen und technischer Medien etc. zu erlangen.

Meine Studentenkreditschulden in HUF

„Das Bild entstand aus Gewissensbissen im Sommer 2008. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mit meinem Mann, Borsos János versucht, die Raten für meinen Studentenkredit zu bezahlen, der bis zu dieser Zeit bereits ziemlich hoch geworden ist, doch die Bezahlung der durchschnittlichen Minimalsumme pro Monat war nicht einmal genug, um die Höhe der Summe auf einem unveränderten Stand zu halten. Wir haben eine effizientere Lösung gesucht, mit der ich mich sogar gegenüber meinen Eltern rechtfertigen konnte, da sie über meinen Fehler nichts wussten. Den Kredit aufzunehmen war ja von meiner Seite her ein großer Fehler gewesen, da ich ihn damals überhaupt nicht brauchte. Es mangelte mir ja an nichts, meine Familie hat mich unterstützt. Ich habe die Summe für keine klugen Zwecke ausgegeben und vor allem nicht für meine Studien im traditionellen Sinne. Ich habe den Kredit nur so beantragt, aus dem Grund „warum denn nicht?“ Mein unverantwortliches und extremistisches Denken, das sich gerade von der Aufsicht durch die Eltern befreien wollte, war schuld daran. Ein falscher Schein der Freiheit, wie ich jetzt weiss. Denn der größte Teil des Geldes floß für Unterhaltungszwecke ab, für sogenannte Bewußtheitszustandserweiterungen…“, erzählt Lilla ohne Scheu.

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Bilder in Zahlen

Ein Gemälde – 150×200 cm – entstand, in verschiedenen Techniken wie Tusche, Filzschreiber, Nagellack, Aquarellfarbe, Email-, Öl- und Acrylfarbe sind Bildgeschichten in die Zahlen der Kreditschulden gezeichnet und gemalt. Dabei repräsentiert jede Zahl in bedachter Chronologie und Dramaturgie der Schuldenanhäufung eine gewisse Periode aus Borsos Lörinc Lebenslauf, mit einem Ausgangspunkt links & einer Lösung rechts am Ende der Zahlenreihe.

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Bei seiner Recherche nach junger ungarischer Kunst stieß Dr. Alfred Weidinger, Kulturchef der Esterházy-Privatstiftung, auf diese Arbeit, und nachdem er vom erweiterten Ausstellungskonzept zu diesem Zahlensystem in Gemälden, Fotos, Video und Film für eine Präsentation in der Galerie OctogonArt in Budapest erfuhr, bot er an, im Namen der Esterházy-Stiftung das Bild zu kaufen und vor einem Plenum das ausstehende Geld den Vertretern des ungarischen Studentenkreditzentrums zu übergeben. – Generaldirektor Csillag Tamás vom Studentenkreditzentrum, der Kunsthistoriker Sturcz János, und der bildende Künstler Pinczehelyi Sándor haben ihr Kommen zugesagt und werden mit Dr. Alfred Weidinger und der Leiterin der Galerie OctogonArt, Frau Iványi Bianca auch zu Worte kommen. Gleichzeitig werden Paraphrasen der kunsthistorischen Vorbilder in der Sprache der Malerei und Installation in einem Sonderraum gezeigt.

Der rote Punkt

„So wird dem Ganzen das Pünktchen auf dem i aufgesetzt. – Wir konnten es kaum glauben, einen Mäzen gefunden zu haben, und hatten eine Schreckminute. Freuen uns natürlich spektakulär darüber & werden auch einen roten Punkt neben das Bild setzen“, meint Borsos Lörinc gemeinsam glücklich.

Galerie OctogonArt
Budapest, Várfok u. 7-9
Donnerstag, 28. Mai 2009 19.00 Uhr
Die Ausstellung ist vom 28. Mai bis zum 26. Juni zu besichtigen

links:

my student loan debt in hungarian forint

Diákhitel tartozásom forintban

borsos lőrinc lilla

René Desor für PANNOrama oo9 03

7 Comments

  1. Sehr guter Beitrag. Wurde gerne noch weitere Informationen daruber erhalten.
    Besten Dank und gruss

    • We have updated our blog. You can find there further information.

      Cheers!
      Jano

      thx for René!!!

      • I already discovered – even actualized the link to your English blog version on my post “the red dot” – & thx for presenting it on top of it! ys, René

        btw – I can´t comment your posts – something wrong…?

  2. sorry here is the link:
    http://mystudentloandebt.blogspot.com

  3. does not work! – sorry

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2 Trackbacks/Pingbacks

  1. By back to future « poesis & crisis on 05 May 2009 at 7:37 am

    […] René Desor YOUng ARTder rote punkt / the red dotgewissensbissensbrocken […]

  2. By Der rote Punkt | Neue Kinofilme on 04 Jun 2009 at 9:44 am

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