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HEINZ EBNER – MIDI

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Der Güssinger Künstler Heinz Ebner sitzt in seinem Arbeitsraum im sechsten Wiener Gemeindebezirk bezeichnenderweise am Computertisch, direkt an der Schnittstelle meines Interesses: Wie agiert ein aktuell engagierter bildender Künstler am Puls der Zeit mit all seinen Sinnen am vernetzten Mischpult? –

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Im Infeld-Haus der Kultur in Halbturn hatte ich Wochen zuvor erstmals Tafelbilder von ihm gesehen, bedruckt malerisch mehrschichtig in verschiedenen Techniken aufgebaut, begleitet von ausgestellten Glasobjekten. Sowohl Tafelbild wie „Scherben“ erschienen mir technisch perfekt produziert und inszeniert. Jetzt, am Computer, hält er mir ein Kabelende entgegen und spricht aus, als wäre es die Schlüsselstelle der Erkenntnis:

MIDI = Musical Instrument Digital Interface: Diese Kabelverbindung zwischen Computer und Bild – Projektor wäre 1992 für die Präsentation seiner „synästhetischen Interpretationen“ zur Musik von Franz Liszt, Alexander Scrjabin und Karl-Heinz Stockhausen wichtig gewesen. Heinz Ebner hat sich ab diesem Jahr gemeinsam mit dem Grazer Pianisten Norbert Frühwirth im Grenzbereich zwischen Musik und Bildender Kunst bewegt, der so genannten Synästhesie. Leider wären damals die Entwicklungskosten der Technik zu teuer gewesen, heute hätte man natürlich dies alles in perfekter Ausführung parat. Als vornehmlich intellektuell und visuell orientiertem Menschen hilft mir jetzt Friedrich Nietzsches´ Geist zumindest in philosophischem Sinnen über die Kunst der Musik:

„Die Musik vereint alle Eigenschaften in sich, sie kann erheben, sie kann tändeln, sie kann uns aufheitern, ja sie vermag mit ihren sanften, wehmütigen Tönen das roheste Gemüt zu brechen.“

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Dem bildenden Künstler gelingt dies mit seinem Werk nicht so leicht. Er agiert mit Stofflichem, das umgewandelt werden mag, um ergreifend zu wirken, aber die Sinne werden nicht so direkt getroffen wie durch den Ton. Eine Annäherung zur Musik erfährt der klassisch ausgebildete Maler über eben jene Schnittstellen der Technik wie MIDI, wodurch die Musik und die Malerei in ihrer Reproduktion und Wiedergabe sich nähern können. Heinz Ebner hat über Professor Anton Lehmden an der Akademie der Bildenden Künste in Wien die Lehre der Malschule des Wiener Phantastischen Realismus erfahren. Diese Schule wirkt auch bei RollOver nach, ein anderes Schlagwort als Schlüssel zu Heinz Ebners Werk, einem Bilderzyklus in Acrylmischtechniken über die Skizzen klassischer Maler wie Michelangelo, Raffael, Rubens und andere gelegt. Ebner sieht in den modernen Apparaturen Computer, Fotoapparat, Scanner und Plotter sein „Skizzenwerkzeug“, mit dem er die klassischen Meisterskizzen nachzeichnet, technisch auf Leinwand plottet, dann malerisch überarbeitet und damit „neue“ Ansichten und Interpretationen für den Betrachter kreiert:

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Zudem schafft er in seinen Bildräumen neue Seh-Welten mit Hilfe von Malflächen, die er verschieden gestaffelt und verschoben ins traditionelle Tafelbild integriert wie Scheiben, die durch verschiedene Lichtbrechung neue Räume schaffen. Von Raum zu Bild zu Bild im Raum. Dabei erscheint das Bildnis, das Portrait immer wieder vordergründig zugegen und das Pixel, die kleinste Einheit des digitalen Rasters eines Bildes, aus seiner minimalen Quadratur umgekehrt vergrößernd auf die Raumeinteilung im traditionell rechteckigen Bild.

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Da er schon seit 1987 mit dem Werkstoff Glas arbeitet, scheint mir diese Vision nicht von ungefähr zu kommen. – Seit 2003 hat er durch Fusing, eine Schmelztechnik, die ihm erlaubt, verschieden eingefärbte und bezeichnete Glasplatten mit einander zu verschmelzen zu einem Ganzen, einen Bildträger gefunden, der ihm diese Vision perfekt inszenieren lässt. Die Zeichnung und der Pinselstrich sind in diesen Arbeiten ebenso stringent dominant wie in seinen Acryl- & Ölbildern. Mit dem Medium Glas hat er auch schon einige Altäre, Amben und andere sakrale Objekte für verschiedene Kirchen in Ostösterreich geschaffen.

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Heinz Ebner arbeitet auch als Lehrer für Bildnerische Erziehung am Klemens Maria Hofbauer Gymnasium Katzelsdorf. Auf die Frage, wie er sich als solcher angesichts der aktuellen medialen Diskussion um den Lehrerberuf fühle, meint er nur, dass er „dies seit 25 Jahren sehr gerne in einem für ihn beglückenden Ausmaß mache und sich diesbezüglich von absolut inkompetenten Politikern und Medien-Propagandisten die Freude am Beruf nicht madig machen lassen wolle.“ – und wer sich als Außenstehender wohl anmaßen könne, die soziale und kreative Kompetenz der österreichischen Schüler zu messen? – Ich weiß als freischaffender Lehrbeauftragter an österreichischen Schulen Bescheid, dass ein Urteil darüber nur im Treffen und Arbeiten mit dem einzelnen Schüler gefällt werden kann. Und dass in diesem Einzelnen als Individuum mehr als ein Pixel digitaler Einsicht in die gesellschaftliche Zukunft liegt.

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links:

www.ebner-heinz.at

ausgewählte Werkschau Ebners sakraler Kunst:

Altarraumgestaltung Pfarrkirche Antau

Altargestaltung Pfarrkirche Jois

Altarraum- und Fenstergestaltung Pfarrkirche Zagersdorf

Glastabernakel Pfarrkirche Ziersdorf

Altarraumgestaltung Meidling/Wien – Migazziplatz

Taufbecken Pfarrkirche Neuerdberg / Wien

René Desor für PANNOrama 009 02

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