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“Was sie nur heutzutage alle mit der Kunst haben.”  (cit. Horst Janssen)

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Die klassische Museumskultur hat viele Stadien der Wandlung erlebt: wie ehemals vom hoch gerühmten Heiligtum der Musen zur Sammlungspräsentation und Depot des Kaisers im Dienste der Nation, so in den letzten Jahrzehnten über die performance-Bühne hin zum museum of ideas. Dazu gesellte sich auch die Initiative privater Kunstsammler und derer Stiftungen: neben Ludwig Leopold und Karl-Heinz Essl zählt Peter Infeld in Österreich zu den herausragendsten Sammlern mit eigenem Kunsttempel. Er hat im ehemaligen Jägerhaus der Familie Habsburg Lothringen im Schlosspark des Barockschlosses Halbturn im nördlichen Burgenland seine Bühne gefunden.

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Als Maler bin ich selber auf der Jagd nach Regenbögen am Kunsthimmel, würde aber nie im Leben daran denken, die Beute wo anders zu sammeln als auf jenem Bildträger, der mir dafür bestimmt scheint. Die Zwischenlagerung der Bilder bedeutet für einen Kreativen nach vollzogener Jagd schon Aufwand genug und erweist sich dabei manches mal als Ding der konservatorischen Unmöglichkeit, ja sogar öfter beim bloßen Gedanken daran im Entstehungsprozess eines Werkes als ein allzu hemmendes Hindernis.

Denn Kunst will mit jeglicher Freiheit getan und im besten Fall sofort gezeigt und gesehen werden.

Mit gespaltenen Gefühlen sitze ich jetzt als Journalist dem Musiksaiten-Produzenten von Thomastik-Infeld und Kunstsammler Peter Infeld und seiner Frau Zdenka gegenüber. Dass dieser sonst auch als Tenor & Literat in der jeweiligen Kunstbranche auf sich aufmerksam macht, erleichtert die Sache dabei nicht. Und der Hinweis seiner Ehefrau Zdenka beim freundlichen Empfang zuvor, dass „der Infeld ganz einfach“ sei, wohl auch nicht so recht: spreche ich jetzt mit dem Fabrikanten, dem Unternehmer, dem Künstler oder dem Sammler?

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Das Unbekannte in der Kunst

Die erste Begegnung mit einem Kunstsammler war für mich 1984 in Augsburg ein einschneidendes Erlebnis: Alfred Greisinger, Konditormeister und Geschäftsführer des ehrwürdigen Café Drexl zu Augsburg tauchte bei meiner ersten Einzelausstellung im Haupthaus Augsburg auf und kaufte sämtliche Werke von den Wänden. Danach kam er mehrmals in mein Atelier und tauschte dabei einmal in einer Nacht- & Nebel-Aktion die von mir bemalte Tür gegen eine extra neu angefertigte aus und transportierte sie auf der Dachgalerie seines Mercedes ab. Er ließ Künstler, deren Werke er sammelte, die Kaffeehaustische des Café Drexl bemalen und bearbeiten, was auch ich auf sein Ansinnen hin tat. Und es war befremdlich, danach die Augsburger Damen beim Kaffeekränzchen daran sitzen zu sehen, aber doch erfreulich, sich mit Joseph Beuys, Jonas Hafner und Felix Droese in bester künstlerischer Gesellschaft zu wähnen. Mit der Erstausgabe Das Unbekannte in der Kunst von Willi Baumeister als Geschenk im Gepäck ermöglichte mir so der Sammler Greisinger, auf meiner künstlerischen Walz in die Kunststadt Berlin zu ziehen.

Der Narr und Der Turm

Mit gleicher Vehemenz trat Peter Infeld 2001 in mein Malerleben. Nach einem Anruf seines Galeristen Michael Nathusius mit der Bitte „bei Herrn Infeld mit sieben Werken für die Weihnachtsausstellung vorstellig zu werden“, dachte ich Narr, es würde wohl reichen, vor der Lieferung eines Werkes zu einem Kunden in Bruck an der Leitha einen Sprung in Halbturn vorbeizuschauen. Als ich das Infeld-Haus der Kultur betreten hatte, fühlte ich mich sofort eigentümlich zu Hause. Das Ambiente des alten Jägerhauses neben dem Schloss war durch Umbauten einfühlsam zur Schaubühne für Kunst & Kultur gewandelt worden.

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Ein Gespräch mit dem Erstbesten, den ich traf, verlief erbaulich über die faszinierenden Bilder an den Wänden und meine eigene Arbeit, bis die Aufforderung meines Gegenübers: „Na, aber sehen möchte ich schon ´was in Original“ mir gewahr werden ließ: ich sprach wohl mit Peter Infeld himself. Nachdem ich das gerahmte Aquarell meines Kunden aus dem Kofferraum des Autos gehoben hatte, wurde es mit Freude aufgenommen: „Gibt’s mehr davon?“ – „Ja, im Turm!“. Der ehemalige Flugsicherungsturm des aufgelassenen Flugplatzes in Trausdorf bei Eisenstadt war zu dieser Zeit mein Atelier. Und Peter Infeld kam. Kam persönlich in den Turm, den ich damals mit der Ausstellung FUNDUS – Vom Einfachen zum Außergewöhnlichen als eine etwas andere Art der Präsentation bestückt hatte – vom Fußboden weg über die Decke Bilder über drei Jahrzehnte aus einer Hand gezeichnet und gemalt.

Der Schauende und Der Mäzen

Peter Infeld nahm damals nach seiner Wahl die sieben Bilder für die Ausstellung in seinem Audi mit. Bei seiner Auswahl, der Suche – nein bei seinem Finden!, so sicher und schnell war er dabei – hatte er auch kleinste Skizzen entdeckt, mir äußerst wichtig, aber sonst noch niemandem ins Auge gefallen. Wo ich doch die Skizze der Idee meist selbst am Originellsten finde und dem ausgearbeiteten Werk überlegen in Spontaneität des Ausdrucks. An diesem Finden erkennt man auch den wahrlich Schauenden. Es ist für den Schaffenden ein Glückserlebnis, diese Erkenntnis mit jemandem anderen teilen zu können.

Denn Kunst aus sich selbst existiert nicht, jedes Werk wird erst durch den Betrachter, den Schauenden, den Begreifenden zur Kunst.

Peter Infeld hat dann vor der Ausstellungseröffnung auch Bilder der Ausstellenden für seine Sammlung angekauft. Für die Verkäufe aus seinem Haus nahm und nimmt die Galerie nach wie vor keine Provision, das Werk der Künstler wird damit hundertprozentig gefördert. So soll es sein.

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Walzer mit Boogie Woogie

Augenblicklich sitze ich wieder Peter als Journalist gegenüber und er erzählt über den Beginn seiner Sammelleidenschaft in den 60er-Jahren, als er gemeinsam mit seiner Mutter Margaretha das Konvolut architectura caelestis, die Bilder verschollenen Stils von Ernst Fuchs, erwarb, dann die Geschichte über “seinen”  Schiele “Das Mädchen mit grünen Strümpfen“, eine aquarellierte Zeichnung, deren  Marktwert schon während der Abzahlung der Raten im Laufe eines Jahres ums Doppelte stieg. Er stellt mir über Band 4 der Kunstbuchreihe Sammlung INFELD den mir unbekannten Künstler Felix Waske vor, schneidet dann seine Autographen- & Gitarrensammlung an, hebt das signierte Elvis & Priscilla Presley-Hochzeitsfoto neben anderen Presley-Signaturen hervor, die er sich als Fan damals von jenem höchstpersönlich aus den Staaten schicken ließ: „Aber man kann nicht Walzer mit Boogie Woogie tanzen“ , klingen mir jetzt beim Schreiben seine Worte in den Ohren, als ob er mir damit noch einmal erklären wollte, dass er trotz dieser gestreuten Vielfalt seiner Interessen  eine durchgehend klare Linie in der Auswahl seiner Bilder-Sammlung sähe. Die Palette reicht von den Surrealisten zu den Phantasten, über die Naive Malerei der Kroaten zur art brut aus Gugging, dazwischen herausragend Werke von Klimt, Kubin, Hrdlicka, Rainer, Picasso und Warhol. – “Und ich hab´ noch nie ein Bild verkauft daraus, einmal eines getauscht, und das bereue ich heute noch!”

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Michael Nathusius mit Seeburg-Wurlitzer, Lisa & Zdenka vor August Walla

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Elisabeth im Gespräch mit Zdenka

Ich spreche aus Neugier sein Museum in Dobrinj auf der Insel Krk an: Letztes Jahr wurde es mit einer großen Horst Janssen-Ausstellung eröffnet, dieses Jahr werden vom 5. Juli bis 27. September Arbeiten des Südtirolers Markus Vallazza gezeigt. Er kennt „seine“ Künstler und erzählt, dass der Bozener Vallazza gerne in der Klausur der Wiener Anonymität arbeite. Ich kenne „meine“ Sammler und schlage einen Bogen zu Mario Müller, den großen Horst Janssen-Kenner und Kunstsammler im Burgenland. Das Werk des deutschen Künstlers Hans Bellmer entpuppt sich dabei als Bindeglied. Aber Peter Infeld kennt Mario Müller nicht. – Vielleicht lernen die beiden einander Ende März bei gemeinsamem Austausch über Ernst Fuchs´ Oevre im Haus der Kultur in Halbturn kennen – oder fürchten – man weiß ja nie!

– at the end of a rainbow

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Zdenka & Peter Infeld

www.infeld.net

nächste Ausstellungen:

ERNST FUCHS

Frühe Meisterwerke- Gezeichnet. Radiert. Gemalt

28. März bis 10. Mai 2009

ROBERT ZEPPEL-SPERL

„…Bilder erzählen Geschichten“

16. Mai bis 5. Juli 2009

INFELD-HAUS DER KULTUR A-7131 Halbturn, Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag und Feiertage 13.00-18.00 Uhr oder Voranmeldung 0043 (0) 2173-20123

Buchtipp:

infeld-buch

Sammlung INFELD 1-4

4 Kunstbände mit Reproduktionen aus der Sammlung Infeld, jeweils erschienen zu Ausstellungen in der Burgenländischen Landesgalerie bis zur Albertina Wien mit erläuternden Texten von Ernst Hilger, Ernst Brockstedt, Dr. Peter Gorsen, Dr. Klaus Albrecht Schröder u.v.a.m.

René Desor für PANNOrama 009 02

extending post: burning foxes

4 Trackbacks/Pingbacks

  1. By burning foxes « poesis & crisis on 30 Mar 2009 at 7:38 am

    […] Peter Infeld & his House of Culture / Infeld-Haus der Kultur see also my report: at the end of a rainbow « me myself […]

  2. By for Peter « poesis & crisis on 17 Apr 2009 at 11:37 am

    […] I  refuse to believe it:  Peter Infeld is dead.   at the end of a rainbow… […]

  3. […] der letzten Interviews mit Peter Infeld führte René Desor vor einigen Wochen, nachzulesen unter “at the end of a rainbow” auf seinem […]

  4. By the battle « poesis & crisis on 16 May 2009 at 2:43 pm

    […] about Peter Infeld & his House of Culture see my post: at the end of a rainbow « […]

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