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eisblumen

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Die Weihnacht war vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders im christianisierten pannonischen Raum der eigentliche Beginn des Neuen Jahres, nahe dem Datum der Wintersonnenwende, mit der neues Licht in die Welt kam.

 

Die Römer huldigten hier zuvor dem Sonnengott Sol invictus, womit auch die Geburt des Lichtgottes Mithras zusammenfiel, dessen kultische Verehrung bis nach Persien und Indien zurück verfolgt werden kann, die Germanen die Rauhnacht, die Nationalsozialisten propagierten das Julfest. In diesem über die Jahrhunderte vor allem von Ungarn, Kroaten, Slowaken und Deutschen besiedelten Gebiet hielten sich wohl auch schamanistische Traditionen, in denen sich schon die Hunnen und Kelten übten. Über die Jahrhunderte in christlichem Kleid als Brauchtum verkleidet, bevölkern sie versteckt auch heute noch die laute Welt des kapitalistischen Kommerzes.

Licht ins Dunkel 

Die Glocken der Kirchen rufen danach bereits um sechs Uhr in der Früh die Gläubigen zur Rorate, dem Gesang der alten Adventlieder. Als profaner Zeitmesser für diese 4 Wochen der Vorbereitung für das Weihnachtsfest wurde nach dem 2. Weltkrieg der deutsch-evangelische Brauch des Adventkranzes eingeführt.

bewag-adventkalender-2004

Mit der Kommerzialisierung tauchten auch die Adventkalender als Werbegeschenke in den Geschäften auf, den Höhepunkt setzte über den Jahrtausendwechsel im Burgenland die BEWAG mit ihrer überdimensional mit Werken von Künstlern in Fenstern als Adventkalender geschmückten Fassade, wie es auch in den neugotischen Öffnungen des Wiener Rathauses Brauch wurde & über die nationale Spendenaktion „Licht ins Dunkel” nach wie vor vom ORF via Kabel & Satellit in die pannonischen Wohnstuben übertragen wird.

kathreintanz

Auf dem Lande ist jetzt „Kathreintanz”,  der letzte Tanz vor dem Advent plakatiert. „Kathrei´ sperrt d´ Musi ei” war ein landläufiger Spruch, im niederösterreichischen Hof am Leithaberge lädt man heutzutage offiziell per Plakat – wenn auch zu vorgezogenem Datum – dazu ein. Der 25. November trug einmal die Stille ins pannonische Dorf.

 Feiertagsbräuche im Advent

Der Barbaratag am 4. Dezember mit dem Brauch, von Obstbäumen (vor allem Kirsch und Apfel) Zweige zu schneiden und im pannonischen Hause zum Erblühen zu bringen, wird heutzutage vor allem in dörflichen Häusern mit Gärten noch aufrecht erhalten. Wenn die Zweige zu Weihnachten erblühen, steht folgendes Jahr in der Familie eine Hochzeit an, sagt man im Dorf. Am Morgen des 6. Dezember, dem Nikolotag, finden Kinder auch noch immer kleine Aufmerksamkeiten in den Schuhen, die sie über Nacht vor die Tür oder vor das Fenster gestellt haben. Meistens finden sie aber die vorgefertigten Tüten aus dem Handel vor.
Auch Santa Claus aus den USA mit seiner Allgegenwart hat dem europäischen Nikolaus schon sehr zugesetzt und die Krampusse leiden unter der Konkurrenz der national-traditionellen Perchten, die in der Winterzeit aus den Alpen herbeigeeilt in den pannonischen Niederungen auf allen möglichen Wintermärkten Tournee machen. Auch die Bräuche des Luzientages zum 13. Dezember sind schon zu anderen Terminen abgewandert. Kein Wunder, denn schon in früheren Tagen haben sich die Bauern der burgenländischen Ortschaften Stegersbach, Pamhagen und St.Georgen mit jenen aus Hornstein und Oslip darüber gestritten, wann der „Luzienweizen” ausgesät werde – „Na Lucie se sije pšenice” – „Am Luziatag sät man Weizen”, meinten zum Beispiel die Osliper, denn, wenn man ihn am Barbaratag sät, „wird er zu früh”. Der auf einem Teller voll Wasser mit einem Glas Brennöl und Docht in der Mitte angekeimte und auf 10 cm hochgewachsene Weizen wurde am Heiligen Abend der weihnachtlichen Krippe oder dem Weihnachtsbaum – beides Bräuche aus deutschen Landen, die im 20. Jahrhundert langsam „eingebürgert” wurden, beigestellt. Der Wuchs wurde als Vorbedeutung für die Aussaat des nächsten Jahres angenommen. Zu Dekorationszwecken mit Grab- oder Teelicht in der Tellermitte wird dieser Brauch auch heute noch als Designelement aktueller Wohnlandschaften gepflegt.

 Herbergsuche und Heiliger Abend

 Wie der Luzienweizen gehört das „Herbergsuchen” zu jenen Bräuchen, die in einigen burgenländischen Orten alte Überlieferung sind, Benennungen, Formen und Träger der Begehung sind jedoch verschieden. Zumeist werden Statuen, aber auch Bilder nach der Segnung in der Kirche zu den Häusern getragen. An den Marktstellen hat sich neuerdings der Brauch „Lebender Krippen” zwischen den Punschständen eingenistet, aber sonst haben Krippe und Weihnachtsbaum im eigenen Haus diese Begehungen verdrängt. Der Heilige Abend am 24. Dezember ist mancherorts nach wie vor meist noch ein strenger Fasttag und bestimmte Speisen vor allem mittags traditionell vorgeschrieben: Sterz, Schmarren oder bloß Kartoffel mit Butter. Abends wird natürlich mit einer Gans oder in jüngerer Zeit mit Fisch gefeiert. „Am Heiligen Abend darf nichts hängen bleiben”: vor allem die Kroaten fürchteten, dass damit angezeigt im neuen Jahr „Häute” hängen würden, soll heißen, Vieh im Stall stürbe. Manch alte Frau soll selbst die hängende Wäsche im Kleiderkasten gelegt haben, um diesem möglichen Schicksal wirkende Abwehr zu leisten.

 Sinnsuche

Das „Räuchern”, der Gang des Hausvaters durch Haus und Hof mit der Glut auf der Räucherpfanne, oft begleitet vom „Bespritzen” mit Weihwasser vor dem Heiligen Abend hat sich erhalten. Ich selbst habe den Brauch von meinem Vater, der mit seinem Räucherwerk aus dem Jemen, Oman und anderen Nahostländern von seinen Reisen importiert unser Haus an jenem Abend durchschritt, übernommen und sehe mich heute noch veranlasst, dies auch im eigenen Haushalt zu tun. Dass der 24. Dezember ein „Fest der Familie” sei, wo man sich nach der Bescherung zusammensetzt und die Zeit bis zum Mettgang im Kreis der engsten Angehörigen verbringt, habe ich jedoch als Jugendlicher in der burgenländischen Heimat  nie erlebt: man traf sich danach außer Haus, in der Cselley-Mühle in Oslip zum Beispiel, und später lud ich Freunde in die eigenen Räume, wo man erzählte, spielte, aß und trank. In der Küche hing darüber ein kleiner Baum von der Decke, mit roten Äpfeln behangen: Dass ich damit einem alten pannonischen Ritus folgte, bevor der Christbaum auf dem Tisch in eine Rübe gesteckt oder am Boden „ins Kreuz” geschlagen wurde, werde ich mir erst heute bewusst.

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Eine ins Auge stechende Quelle des aktuellen Vorweihnachts-Illuminierungs-Angriffs auf unser Sinne ist klein wie ein Glühwürmchen und leuchtender Feind des Kerzenlichtes: der schlimmste Import aus Asien seit dem Schwarzpulver, meint der unsterbliche Romantiker in mir.  

 

René Desor für PANNOrama 008 06

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