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image = link to dud = blindgänger ( “rohrkrepierer” österr. ugs.)

… „Nein, nur nicht Deutsch sprechen!”, unterbrach er sich selber. Er glaubte es körperlich zu spüren, diese Aufzeichnungen für Dambruch nicht in deutscher Sprache fortführen zu können, der Sprechfluss, dem er im Sprachfluss nachschrieb. Wie er die Worte vor sich in Schrift ansammelte, dieser ganze Schreibvorgang schien ihm augenblicklich äußerst zuwider. Ganz so, als wollte er einen Schreibfluss aus seiner Sprache erzwingen. Andrerseits sah er sich aber auch außerstande, seine Notizen in Englisch fortzusetzen, er dachte ja nicht Englisch, wenn er Heimatnotizen von sich geben wollte, er war doch geprägt in einer Sprache, nämlich seiner Muttersprache, die nun mal Deutsch war. Das Ganze schien ihm auch plötzlich ein perverser Akt zu sein, hier auf Ikaria in griechischer Sprachatmosphäre, die zudem noch vom Arabischen durchdrungen war, Deutsch zu sprechen geschweige denn zu schreiben. Bei der Ankunft hatte er die Leute gar nicht Griechisch sprechen gedacht, sosehr war phonetisch das Arabische in ihrem Sprechen präsent, ähnlich wie auf Zakynthos im Ionischen Meer, wo er vor kurzem war & die Leute Italienisch sprechen geglaubt hatte, obwohl sie Griechisch sprachen, was sich für ihn dann erklärte, als er hörte, dass die Venezianer über vierhundert Jahre auf der Insel Zakynthos geherrscht hätten, vielleicht waren die Araber hier, dachte er hier, zumindest die Türken, denn das türkische Festland war nicht weit, aber einen Anklang ins Türkische hätte er doch wohl gemerkt, da er ein bisschen Türkisch sprach, verwarf er dies wieder. Mit der Nachbarschaft zwischen Griechen & Türken stand es ja gegenwärtig auch nicht zum Besten. & auch sonst vernahm man hier hauptsächlich die englische Sprache, ein Großteil der Bewohner war angesichts der Ausweglosigkeit hier ausgewandert, zwischen den griechisch-türkischen Reibereien, sozusagen am Reibungspunkt der nachbarlichen Beziehungen, hinausgequetscht worden in den englischsprachigen Raum, am Hafen schon wurde er von Einheimischen begrüßt, die in Canada, den USA oder sonst wo im anglo-sächsisch eroberten Phonetikraum Handel trieben. Als Landflucht bezeichnet man dies bei uns im niederösterreichischen Waldviertel. – Wäre es hier angebracht von Inselflucht oder Seeflucht zu sprechen? – Die deutsche Sprache kam ihm wieder dazwischen, die Frage, ob sich die Flucht auf das verlassene Land bezöge, auf das erhoffte Land oder auf die Flucht selber über Land ?…

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