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Monthly Archives: November 2007

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Stotzing – der ortsnahme evoziert nicht gerade heimeligkeit, strotzt vor stolz im ritterlichen namen & wird beherrscht von einem überdimensional großen kirchturm, dem das eigene kirchenschiff davonschwamm, als das benachbarte Loretto als wallfahrtsort ihm den rang ablief & die gelder dafür dorthin flossen. wenn im nebel die obige erscheinung auftaucht, kommen auch diese assoziationen an die oberfläche; dabei tönt die humane dressur der lindenbäume davor ein tiefes dunkles signal aus dem eigenen unterbewußtsein.

nach einem guten essen & arbeitsgespräch in Bratislava war Ich heute mit dem slowakischen bildhauer Milan Lukáč ins Danubiana, das Meulenstein Art Museum, zu einer vernissage seines kollegen Viťo Bojňanský geladen. das museum liegt etwas ausserhalb südlich der stadt, auf einer insel in der Donau am staukraftwerk Čunovo & war nach meinem besuch des Lentos in Linz an der Donau letzte woche ein augenfälliges gegenstück nicht nur von architektur, sondern auch von der umgebung her: umspült vom donauwasser stehen hier skulpturen von europäischen bildhauern auf den kies- & rasenflächen vor dem schiffartigen bau des museums:

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die ausstellungseröffnung der bilder & skulpturen von Viťo Bojňanský war leutselig & anregend:

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ahoj!

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mehr zu diesem museum: métallo-magie et des tableaux vivants

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über die physiognomie oder eine gestik irgendeines individuums einen ausdruck in gebanntheit oder ergriffenheit zu einer vielleicht allgemein gültigen schau in der bildnerischen darstellung kommen wollen: vorerst erschwert das händeln in irgendeiner technik über irgendein format irgendeiner materialität dieses vorhaben an sich wie auch noch die starre des ersten erblickens oder erstaunens hinderlich ist wie eine vorlage. aber ein einmal darüber hinaus entzündeter fortschrittlicher geist hilft, diese irdenen hürden zu nehmen & manifestiert sich schlagartig auf papier oder leinwand. – pow! – das kontemplative schauen danach erleichtert erst mal meine fassungslosigkeit ob dieser empfängnis von form, linie & farbe & offenbart schließlich: der akt des malens hat sich über den akt des humanen körpers geäußert: er zeitigte form, zeigte linie & diktierte farbe. dieser körper malte, Ich hielt mich selber hintan, immer nur versucht, die pinsel & tuben zur rechten zeit an der richtigen stelle zu orten & zum einsatz zu bringen. & schreibe irgendwann danach dies alles dem vollmond in den schoß. als würde er nicht schon genug darin bergen. mich dabei wundernd, dass dieses gestirn in der deutschen sprache noch immer männlich besetzt ist.

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auf liebste weis`

 

der stern in fern

& doch ganz nah

all die sterne in ferne

so nah

wenn bricht

dein gesicht

wie der volle mond

montags die nacht

brechen wird

den balken

vor meinem gesicht

 

wo das herz

wie der stern

all herzen in fern

so nah

weiß um den schmerz

der sich erbricht

wie der volle mond

samstags die nacht

erbrechen wird

aus vollen lippen

in meinem gesicht

 

& doch unsre seele

in den sternen

all bleibt in fernen

so nah

& nähert

unser beider gesicht

wie der volle mond

sonntags die nacht

einen wird

unser beider gesicht

zu einem antlitze

 

auf liebste weis`

die rübenernte ist im gange. zum quadrat der kreis des laufes sich erbricht. wie tränen quellen rüben tropfengleich aus den pfauenaugen meines eignen herbstes. sagt mir mein gemüt. erdfruchtkörper, wie maden voll gesogen, triefend aus dem speck der erde gezogen. meine augen starren auf halden von zuckerrüben auf dem agrarasphaltquadrat, aufgestaut durch zuckersüsse willensgebärde, aufgehäuft als adrenalinstoß gen himmel. 

die naturgesetzgemäße grosse ernte dieses herbstes erbricht sich in die frucht der leiber, in die leber der gaststätten & sammelt sich in der sauren niere des regens. vater bringt jetzt kunst & scheiße sack- & traktoranhängselweis aufs feld. & mutter bringt ihren buben nach hause, aus dem garten der kinder in die paralyse des heimes.

nun: das paradies ist ein in die bibel vertriebenes wort.

groß an zahl die rübe reist. auch wird noch kraut ausgeschlagen im feld.

der große krautwaschl hat schon gericht gesprochen über die bauern & aus ihrer mitte den häuptling erkoren. 

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Ich habe den stahlhelm beiseite gelegt –

 

lepši

 

verbesserungsbedürftig nur der magen

die maschine läuft von allein

 

zwischen eissalat & knoblauchgebinden

fährt das vehikel geschwind

die scheiben sind blind

eisblumenbepflanzt

 

wär wohl besser marschieren

mit fuchschwanzbaumelndem schritt

 

& den nebel machetenverhacken

den schnee in der krempe fangen

&  einem steine funke entlocken

– das feuerferkel zu bereiten

 

im schutz des Union Jack auf uraltem kontinent

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Der Inhalt der Dose wird jetzt zerstäubt durch eine Düse, eine Flüssigkeit wird aus ihrem natürlichen Zusammenhalt, ihrem Verbund in Adhäsion & Kohäsion der Moleküle zersprengt, die erweiterte Physik meiner Hände hebelt & bricht nur durch Daumendruck auf einen Sprühknopf, die vereinzelten Teilchen aufs Papier gestäubt: Chemie bindet dann aufs Papier, setzt die auseinander gerissenen Teichen wieder zusammen in neuer Anordnung, stellt neu dar: der gebrochene Inhalt erhält neuen Ausdruck: leicht entzündlich: Temperaturerhöhung vermeiden: nicht in Abwässer gelangen lassen: von Flammen & Funken fernhalten:

Der elastische Montagekleber für Klischee-Anstalten & Retuscheure wie auch Schriftsteller zum Montieren, Bilden, Darstellen in neuer Ordnung: bindet fast alle biegsamen Materialien wie Papier, Kunststoffe, Folien, auch Buchstaben darauf: miteinander verklebte Teile verziehen sich nicht & lassen sich einseitig gedeutet wieder voneinander lösen: feste Verbindungen werden durch Bewegung von zwei Seiten her erreicht: Körper & Gehirn: beides nach dem Auftragen zunächst antrocknen lassen: Auswüchse & überstehende Ränder mit den Fingern oder Gedanken abreiben: bitte stets Vorversuche durchführen:

Dambruch hielt sich an diese Anweisungen, die Chemie stellte jedoch anscheinend die Buchstaben auf den Kopf, „mein Kopf reagiert auf diese Ausdünstungen”, dachte er noch, dachte er nicht mehr, „die Chemie denkt”, dachte er, dachte er nicht mehr, dachte die Chemie. Die Buchstaben zerstoben vor seinen Augen in eine seinem Denken entgegen gesetzte Ordnung/Unordnung, er konnte dies einfach nicht bezeichnen, diese unbegreifliche Satzung der Buchstaben, Ordnung? Unordnung?, 9101 57, die Zahlen wie von selbst geordnet, nein: Die Zahlen werden geordnet wie von selbst, hier greifen anscheinend unbekannte Partikelchen ein, die sich untermischen in die Vorgänge & Abläufe zwischen meinen Gehirnzellen, die Dambruch auch Zahlen unterjubeln als Werte von Bedeutung: 9101 58, & die Bedeutung scheint gewachsen um eine Einheit, „woher dieses Einheitsmaß?, mein Gott, mir glitscht die Handhabung weg, Buchstabe?, Zahl?”, 9101 59, „hat irgendein countdown eingesetzt?”, Fragen häufen sich, Antworten stehen aus, 9101 60, „- eine Antwort?, eine Frage?”, 9101 61, „Was soll dieses Auszählen?” 9101 62, eine Antwort blieb aus.

Dambruch riss den Fensterflügel nahe dem Schreibtisch auf, hing seinen Rumpf mit nach vorne gerissenen Armen über die Fensterbank, er atmete schwer, 9101 63, um ein eine Einheit beschwerter Kopf sank noch weiter nach unten, als ein lauter, zwischen den beiden Stimmbändern hervor gepresster Ton seinem geöffneten Mund entglitt, 9101 64, dem Ton folgte ein Teil seines Mageninhaltes.

„Der Inhalt ist da!”, schoss ihm durch den Kopf.

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Der Inhalt!”

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Er hatte seine Arme nach hinten bewegt, die Finger der Hände tasteten nach Halt am Fensterbrett, da sein sich entleerender Körper über das Fensterbrett zu gleiten drohte.

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„Halt!”

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Inhalt im Halt.

„9101 69.”

Gelder riss Dambruchs Körper von der Fensterbank.

„Halt!”

 

cit.: René Desor, the Bludenz Project (tBP)

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ANDREAS ROSENEDER                                      watercolours in ice 1999

the topic of the painter as author is one that I relate to but often find very difficult to express succinctly in words. being a native German thinker & spaeker this is even more difficult in foreign language like English now. next to “mission impossible”. it is hard enough to do that in German to become aware after some time the recipient could not follow enlightened my executions. today I took a photo of a watercolour-painting I did several years ago & you can now see above. to explain the technique of that artwork – I painted it at ten degrees below freezing-point & had to push my pencil through a thin film of ice that suddenly covered my water-glass, every stroke of my pencil covered the paper with a new coloured ice-film, then I crushed the film over my knees & continued colouring so the colour disappeared in the cracks of the surface: it is a kind of art to gain the knowledge of the technique of water-colouring under normal circumstances & to let the water run to its expressions – of course under this aggregate state of the water it is an adventure. naturally this artwork must dry several days under the same weather-conditions while continuing contolling & working on the vanishing parts of the painting to keep the traces of frost-work to the paper. what has this to do with my opening words? – gazing at this picture I thought about the comparison between painting & writing as the best example for the impossibility of a  comparison –  similar to the attempt to teach in words the necessary steps for an perfect ice-dancing-figure would be.

do not ask me why I titled this work “Kristin” in 1999. I just know I actually wrote these words for Kristin Krimmel.

more photos & German text concerning the topic: das obsolete aquarell

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You know, I think the reason why they want me so bad is because they all know that they just can’t have me.

You know they’re somehow sitting there with their girlfriend and their wife just wishing that she were me.  I can see it in their eyes. I t’s really…. it’s painfully obvious when they come up and offer to buy me a drink.

You know I could just laugh at how hard they try. They really try really hard but it’s….. you know, it’s just, I can’t help it if I get this attention all the time. I don’t ask for it. I just am who I am and they’re just, you know, they’re drawn to me like flies. It’s a bit of a curse actually, I have to say.

You know, sometimes I wonder what it would be like if I was, you know, less than what I am.

(text by Stephanie Cumming)

Herwig Zens< started his diary<, each page etched on a 5 x 40 cm – copper – plate

on november 9th 1977

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zens3.jpg    …inbetween 30 years…      zens0.jpg

                    …to the recent 2 strips right side up dated november 10th 2007<

– a blog-conform seize, but would be hard to scroll all the 546 strips down now…

detailed text in German about writing diary & blogging: termdata

extending link to liquid loft:

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(für Stephanie Cumming)
And then I could wear a skirt of fingertips softly waving in the spring air and every
fringe of my fingertip skirt would feel the air just like a … a fingertip.
I had fingertips growing from the sides of my neck sensing my environment just like the
barbels of a delicate fish. Every inch of my surface would become pure sensitivity.
There are so many lonely poses waiting for a new home.
You could put them on. You could let them give you shape. These poses could end your
amorphous existence forever.
They will fir you like a glove. Squeeze yourself into this virtual mould and become
everybody’s fantasy.
This will be your first impression. The big foot of fascination landing on the soft
receptive flesh of the observer. Leaving a solid imprint. Leave a trace on the other.
Press on. Becoming the printing press of your self-impression.
The other is an empty sheet of paper, write on him, dig your pencil into this white flesh
of attention, make him raw with awe.
Everybody’s brain is like a closet stuffed with identity costumes. Empty shells of expectation. There is the slick businessman costume, the glamorous evening gown, the plump obedient secretary blouse, the bulky helpful mechanic’s overall, the slacks of the casual bohemian boyfriend …
Just make yourself soft and elastic enough to fill yourself into these costumes, to slip
into these molds of expectation. Don’t worry, the forms are already there. Don’t care
about the form, just become matter. Become the pure flesh to be stuffed into these
costumes. Fulfill these expectations. Become the liquid dough to be poured into the cake
tins of social conduct.

cit.: Katherina Zakravsky