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LANDSCHAFTSWISCHER, Öl auf Leinwand, ca 120x80cm, Andreas Roseneder 2004

Henriette Horny am Dienstag, 3. Juni 2007 in der österreichischen Tageszeitung KURIER unter KULTUR & MEDIEN über die Teilnahme des österreichischen Malers Herbert Brandl an der Biennale in Venedig :  “… Gute Bilder zu malen, ist für eine Biennale-Teilnahme irgendwie Voraussetzung, und diese Voraussetzung erfüllt Brandl zweifelsfrei. Seine Bilder sind gut. Das bisschen mehr, was sie denkwürdig und den Beitrag lebendig machen würde, fehlt ihnen aber…   Chance  Zurück nach Österreich. Warum wurde eigentlich nie Hermann Nitsch in Venedig präsentiert? Er hat jetzt zwar sein eigenes Museum in Mistelbach, das wesentlich anrührender ist als die steril museale Installation, die Brandl in Venedig verwirklicht hat. Nitsch war zwar auf der Kasseler documenta: aber jeder, der weiß, wie emotional die Venedig-Biennale für Österreicher besetzt ist, der weiß auch, dass ein international renommierter Künstler wie Nitsch hierher gehören würde. Die nächst Chance dafür ist 2009. “

Aus der österreichischen Provinz:

Dialog auf einem „Künstlertreffen”  mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll,  Badener Großheuriger. 250 teils lodengewandete Geladene unter Tierpräparaten an der Wand & Spanferkel im Teller:

Sie: Malen Sie auch?

Er: Ja.

Sie: Sie schütten aber nicht wie der Nitsch?!

Er: Manches Mal, wenn´s mich überkommt.

Sie: Aber geh! In welcher Technik?

Er: Mit Wasser, aber auch Terpentin.

Monolog einer Ausstellungsbesucherin bei der Ausstellung Adolf Tuma: Briefmarke & Moderne Kunst im Egon-Schiele-Museum Tulln, Niederösterreich, vor einem großformatigen expressiven Bild des Lithografen Tuma:

Sie: Da schau her! Schütten tut er auch. – Derweil kann er sooo guat zeichnen!

Einerseits polarisiert offenbar der Malakt Schütten, der unweigerlich mit dem Namen Nitsch verbunden zu sein scheint, die Betrachter von zeitgenössischer Malerei österreichischer Provenienz. Andrerseits muss man Hermann Nitsch zugute halten, dass er auf der österreichischen Kunstszene nach der Zerstörung des gemalten Tafelbildes durch die Gruppe der so genannten Wiener Aktionisten, der Nitsch selber zugerechnet wird, dieses neben Adolf Frohner am effektivsten wiedereingeführt hat (Mühl, Brus etc. mögen mir verzeihen). & irgendwie kommt kaum jemand nachfolgender Malergenerationen umhin, dieses Schütt-Element zumindest als Zitat in seiner Arbeit zu verwenden. Selbst Adolf Tuma, der als versierter Lithograph Schüttelemente in seine fein gezeichneten Bilder einarbeitet.

Wenn nun Herbert Brandl, der als Aktivist der „Neuen Wilden” wohl auch über das Experimentieren mit dem Malakt Schütten in den 80er-Jahren letzten Jahrhunderts der Landschaft neue Sichtweisen abgerungen & über die expressive Abstraktion dann zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine eher meditative Innenschau dieses Gestus entwickelt hat, – man mag von den Bild-Inhalten denken was man will – warum wird ihm deshalb Internationalität abgeschrieben? Ist es nicht eher provinzielles Denken, wenn man sich Mistelbach nach Venedig wünscht?

 

 

 

 

 

 

 

 Wohin ist dieser Raum verschwunden? -Was war denn darin enthalten?

2 Comments

  1. Manchmal scheint es mir, als ob man in vergangener Zeit von verantwortlicher bzw. öffentlicher Seite viel mutiger war!!!
    Aus aktuellem Anlass seines Todes: Beispiel Jörg Immendorf – hinaus geschmissen aus der Akademie, als 27jähriger 1972 auf der dokumenta 5 und vier Jahre später auf der Biennale in Venedig mit großen Erfolg!

    Möchte sehen, welch junger Künstler heute in Österreich eine Chance auf die Biennale hätte?!

    Heute scheinen eindeutige Positionen nicht mehr erwünscht zu sein – es sei denn, ein Künstler hat es schon geschafft, vom angefeindeten Provokateur zur Medienpersönlichkeit zu werden – und dann ist es eigentlich auch schon wieder vollkommen egal was er macht, Schlagzeilen bringt es allemal.

    Da frage ich mich: für welches Publikum macht man das?
    Als Künstler?
    Für die schlagzeilenverschlingenden, kurzfristig zur Kenntnis nehmenden, an der Kunst nicht Interessierten?
    Kein Wunder, dass alle kreativ Tätigen sich nur mehr um die Medien bemühen – das scheint ja eindeutig mehr Erfolg zu bringen als die intellektuelle künstlerische Arbeit!? Oder?

    Ich wünsch mir jedenfalls nicht den Nitsch nach Venedig, ich kann mir vorstellen dass es da noch viel junges Potential gäbe!?
    Nur bräuchten wir mehr Mut…bei den Verantwortlichen – keine Angst vor schlechten Headlines!
    Her mit den Namen, die wir noch nicht kennen, noch nicht von den Medien korrumpierte und desillusionierte, sich selbst immer wiederholende Künstler…?
    Das wäre mein “unfrommer” Wunsch – und der Kurier-Journalistin wünsche ich neue, anregende Begegnungen mit der Kunst, die sie aus ihrer Lethargie reißen!

  2. apropos “schütten”:

    dass dieses Wort sofort mit Nitsch verbunden wird bzw. mit dessen Kreativ-Technik entspricht der gängigen kleinbürgerlichen Vorstellung der Demonstration von “Expertenwissen” (ein Resultat der “Headline”-Kunst) – nicht umsonst haben Bücher aus der “clever bluffen”-Serie so großen Verkaufserfolg: dort “lernt” man (in kürzester Zeit – für eines dieser Bücher braucht man höchstens 1 Stunde), wie man mit Fachausdrücken oder wenigen Infos in Gesellschaft Expertenwissen vortäuscht.


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