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VERSUCH EINER TAFELBILD-REZEPTION IN DEN EU-BEHERBERGUNGS-STÄTTEN   

 Wie behäbig der Titel zuerst anklingen mag, so überaus wirksam erwachen über das visuelle Unterbewusstsein im Gemüt des Reisenden Untertöne, wenn er sich wieder einmal einlässt auf die Schlafstattsuche in Pensionen nahe touristischen Ballungszentren, zumeist in der Absicht, einer Hotelburgakkumulation zu entgehen:  

 Die Schlafräume der angesprochenen Pensionen auf dem europäischen Kontinent sind des Öfteren mit einem oder zwei gerahmten Ölbildern behangen, das größere natürlich zentral über dem Kopfende des Bettes, das kleinere & weniger augenfällige irgendwo an einer freien Wand zwischen Kasten, Tischchen oder Wandlampen platziert. – Ich spreche jetzt von solchen Beherbergungsstätten, die sich diesen Luxus des originär gemalten Bildes leisten (welcher Produktionsart auch immer & wenn es auch aus einer artifiziellen Fließbandproduktion kommen sollte) & in denen nicht „nur“ Reproduktionen von Originalen, Plakate von Ausstellungen oder Kalenderblätter von Künstlern gerahmt zur Ausstattung der Schlafräume verwendet werden, die also nicht die unterste Schiene der Bilddekoration nutzen, sondern wirklich signierte Originale auf Leinwand auf Keilrahmen gespannt & mit dekorativen Rahmenleisten umgeben aushängen. 

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 Diese ein oder zwei Bilder sind zumeist mit Landschaftsmotiven bespielt, die der Auswahl vor der Haustüre widersprechen, in der Herberge am Meer bevorzugt eine Gebirgslandschaft mit See, in der Pension im Gebirge eine Meeresszene mit Schiff- & Uferstaffage, – also Landschaften, die der Erwartung des Reisenden diametral gegenüberstehen, ihn sofort aus dem Zimmer treiben, um den status quo vor Ort   Ah, eh richtig angekommen!   zu überprüfen. 

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 Trifft der Gastgeber, der resident,  mit dieser Geste der Präsentation seiner immanenten  Sehnsuchtsmomente genau den Ursprung des eminenten  Fluchtimpules seines Gastes, des itinerant ?  

 Ist dies bloß ein Trick des Wirtes, den Gast nach dem Erwachen die tatsächliche Landschaft vor der Türe noch sehnsüchtiger erwarten zu lassen?  

 Oder bietet der Wirt damit dem Gast eine Brücke in den Schlaf, der alle Landschaftsbilder in der Imagination  vereint? 

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portoroz  slowenija  29 05 2007

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